Mitarbeiter des Pflegestützpunkts ziehen Bilanz · Landrat bezeichnet freiwillige Aufgabe als „notwen

Beraten, lotsen und Weichen stellen

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Überblick verschaffen und Hilfen koordinieren: Gabriele Dübbert und Matthias Engel haben im vergangenen Jahr 576 Beratungsgespräche geführt.

Waldeck-Frankenberg. - Als Lotsen, Ratgeber und Weichensteller sind Gabriele Dübbert und Matthias Engel seit 2012 im Pflegestützpunkt tätig. 576 Anfragen hatten sie in der kreisweiten Beratungseinrichtung im vergangenen Jahr zu bearbeiten.

Selbstständig bis ins hohe Alter den eigenen Haushalt führen und so wenig wie möglich auf fremde Hilfe angewiesen sein: Diese Wunschvorstellung vom eigenen Lebensabend geht nicht immer in Erfüllung. Und oft müssen Angehörige von einem Tag auf den anderen entscheiden, in welchem Umfang Mutter oder Vater künftig Hilfe benötigen, ob sie ambulant oder stationär gepflegt werden sollen. Meist taucht diese Frage am Ende eines Krankenhausaufenthalts auf. Unvorbereitet erscheint den Angehörigen in dieser Stresssituation das Angebot an Pflegediensten, Hilfen und Heimen, das Pensum der zu beachtenden Vorschriften und der Unterstützungsanträge als schier undurchdringlicher Dschungel.

Hoher Beratungsbedarf

Wie Gabriele Dübbert und Matthias Engel dann für Orientierung sorgen, stellten sie gestern in der Kreisverwaltung vor. Für die Gesundheits- und Pflegeberaterin übernehmen die Pflege- und Krankenkassen die Personalkosten, der ausgebildete Kranken- und Altenpfleger ist bei der Kreisverwaltung angestellt. Landrat Dr. Reinhard Kubat bezeichnete die Beteiligung des Landkreises am Pflegestützpunkt als notwendig. In gemeinsamer Trägerschaft mit den Krankenkassen erfülle die Einrichtung die gesetzliche Aufgabe, umfassend, unabhängig und wettbewerbsneutral über wohnortnahe und individuelle Hilfs- und Pflegeangebote zu informieren.

Der hohe Beratungsbedarf rechtfertige die politische Entscheidung der Kreistagsmehrheit, trotz Kritik aus Reihen der Opposition und angespannter Haushaltslage, den Stützpunkt als freiwillige Leistung des Landkreises zu finanzieren, betonte Kubat. Der Aufwand liege in der Größenordnung einer Vollzeitstelle. Das entspricht rund 50 000 Euro. Die fallbezogene Beratung führe nicht selten dazu, dass Hilfsbedürftige länger ohne vollstationäre Pflege auskommen könnten. Somit blieben der Pflegeversicherung wiederum Kosten erspart, unterstrich die SPD-Kreistagsabgeordnete Jutta Kahler-Wilke.

„Der Zulauf ist immens“, beschrieb Matthias Engel die Auslastung der zum Fachdienst Soziale Angelegenheiten gehörenden Kontaktstelle. Vor allem in den Mittelzentren habe die Zahl der Beratungsgespräche im letzten Vierteljahr stark zugenommen. Auffällig sei zudem, dass es vor allem bei ambulanten Hilfen Informationsdefizite gebe, gerade wenn es um Fragen nach den Kriterien der verschiedenen Pflegestufen gehe. Eine wesentliche Aufgabe des Pflegestützpunkts bestehe überdies darin, zusammen mit den Angehörigen Versorgungslücken bei der Betreuung zu schließen. Dies betrifft vor allem Angebote zur Nachtpflege oder speziell auf die Bedürfnisse Demenzkranker zugeschnittene Unterstützung.

Angebote in der Übersicht

Das Gebot einer wettbewerbsneutralen Beratung werde gewahrt, weil keine direkte Vermittlung an einzelne Anbieter von Pflegeleistungen erfolge, sondern immer nur eine regional ausgewiesene Angebotsübersicht gegeben werde, erklärte Fachdienstleiterin Marion Bayan.

Oft führten bereits kleine Schritte zu großen Erleichterungen im Alltag, berichtete Gabriele Dübbert. Mitunter reiche es schon, verwinkelte oder vollgestellte Wohnräume altersgerecht umzugestalten. Für Umbauten in größerem Umfang gibt es Zuschüsse. Wo diese zu beantragen sind, darüber wird im Pflegestützpunkt ebenso informiert wie über Möglichkeiten, Haushaltshilfe zu erhalten oder Essen auf Rädern geliefert zu bekommen.

Hintergrund

Der Pflegestützpunkt Waldeck-Frankenberg ist im Gebäude des Gesundheitsamtes in Korbach (Am Kniep 50) zu finden. Die Beratung ist kostenfrei. Die Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht. Der Pflegestützpunkt ist telefonisch erreichbar unter 05631/954-881 oder -882 sowie per E-Mail unter pflegestuetzpunkt@landkreis-waldeck-frankenberg.de. Öffnungszeiten: Montag und Mittwoch, 9 bis 12 Uhr, telefonische Beratung Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und Freitag von 8 bis 12 Uhr. Termine können auch als Hausbesuche vereinbart werden.(tk)

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