277.000 Euro als "Überbrückungskredit"

Beschäftigungsgesellschaft wegen Corona-Krise zahlungsunfähig: Landkreis greift Delta unter die Arme

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Wegen Corona nicht mehr flüssig: Die kreiseigene Beschäftigungsgesellschaft Delta mit Sitz in der Flechtdorfer Straße in Korbach ist zahlungsunfähig, der Landkreis muss einspringen.

Der Landkreis Waldeck-Frankenberg greift seiner Beschäftigungsgesellschaft Delta mit zunächst 277.000 Euro unter die Arme.

Die Delta GmbH ist durch die Corona-Pandemie in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht: Kurse konnten nicht stattfinden, die Nachmittagsbetreuung an Schulen fiel aus, Personalkosten blieben aber. Zusätzlich muss der Landkreis auch das Defizit der Delta aus dem vergangenen Jahr in Höhe von 50.000 Euro stopfen. Der Finanzausschuss hat die Finanzspritze am Mittwoch einstimmig beschlossen. Das Gremium tagte stellvertretend für den Kreistag.

277 000 Euro flüssige Mittel braucht die Beschäftigungsgesellschaft für Mai und Juni auf dem Girokonto, um die laufenden Kosten zu decken. Geld, das nicht da ist: Mit ihren zwei Standbeinen erzielt die Delta derzeit keine Einnahmen. Die Gesellschaft kümmert sich meist im Auftrag des Kreisjobcenters um Menschen, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer haben. Außerdem übernehmen Mitarbeiter der Delta an vielen Schulen im Landkreis die Nachmittagsbetreuung. Beides ist wegen der Corona-Krise in den vergangenen Wochen weitestgehend ausgefallen.

Die Delta hat Kurzarbeit angemeldet, stockt aber das Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent des letzten Nettolohns, beziehungsweise 67 Prozent für Menschen mit Kindern, auf 95 Prozent auf. Für die Aufstockung muss die kreiseigene Gesellschaft 45.000 Euro aufwenden, das Kurzarbeitergeld selbst finanziert sie vor, es wird später vom Bund erstattet. 

Zusätzliche Zuschüsse erwartet die Delta im Rahmen des Sozialdienstleister-Einsatzgesetzes. Das als überplanmäßige Aufwendung aus dem Kreishaushalt bereitgestellte Geld werde deshalb „mehrheitlich“ wieder an den Kreis zurückfließen, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat, der für Unterstützung im Finanzausschuss warb: „Wir betreuen in der Delta Menschen, die auf dem Arbeitsmarkt Orientierung und Hilfestellung brauchen. Jeder Fall, der hier nicht aufgefangen wird, fällt uns an anderer Stelle wieder auf die Füße.“

„Werden wir eine solche Aufwendung noch öfter leisten müssen?“, fragte Arno Wiegand (FDP). Delta-Geschäftsführer Volker Heß berichtete, dass er derzeit Gespräche mit dem Fachdienst Soziales und dem Kreisjobcenter führe, ob Kurse auch mit geringerer Teilnehmerzahl starten könnten. Auch über einen Zwei-Schicht-Betrieb werde diskutiert, um die Einnahmesituation kurzfristig zu verbessern.

Mit weiteren 50 000 Euro deckt der Landkreis das Defizit der Delta aus 2019. Grund für das Minus war laut Heß ein hoher Krankenstand im vergangenen Jahr. Durch Krankheitsvertretungen seien zusätzliche Personalkosten entstanden.

Peter Koswig (Grüne) und Heinfried Horsel (FWG) kritisierten, dass der Finanzausschuss erst jetzt über das Defizit informiert wurde. Rüdiger Weiß (CDU) und Adam Daume (SPD) forderten, die wirtschaftliche Situation der Delta genauer zu beleuchten. Weitere Informationen soll es in der nächsten Kreistagssitzung geben.

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