Adolf Brehm, Stiftung und Landkreis unterzeichnen Vertrag

Bestand der Brehm-Bibliothek gesichert

Bad Arolsen - Der Fortbestand der Brehm-Bibliothek ist gesichert. Der Kreis, Stifter Adolf Brehm und der Stiftungsvorstand haben einen entsprechenden Vertrag geschlossen.

Im Rahmen einer Feierstunde in den Räumen der Bibliothek im Arolser Schloss unterzeichneten Landrat Dr. Reinhard Kubat, die Kreisbeigeordnete Hannelore Behle, Adolf Brehm und Kerstin Braun vom Vorstand der Stiftung den Vertrag. Dies gibt der Stiftung erstmals über einen längeren Zeitraum Planungssicherheit und der Buchbestand bleibt künftig als Ganzes erhalten: Der Stifter Adolf Brehm hat – wie gefordert – die in seinem Eigentum befindlichen Bücher mit wenigen, genau bezeichneten Ausnahmen in das Eigentum der Stiftung übertragen. 1990 wurde die Bibliothek der Brehm-Stiftung im Westflügel des Residenzschlosses untergebracht. Es handelt sich dabei um eine der profiliertesten Stifterbib­liotheken im deutschsprachigen Raum – siehe den Hintergrund. Zusammengetragen hat sie der Schweizer Jurist und Unternehmer Adolf Brehm, der auch den Aufbau der Bibliothek geleitet und ihr eine inhaltliche Ausrichtung gegeben hat. Der Buchbestand hatte sich in den vergangenen mehr als 20 Jahren stetig vergrößert, wobei die neu angeschafften Bücher sich bislang im Eigentum des Stifters befanden, der sie mit eigenem Geld erworben hat. Da diese Bücher Lücken des vorhandenen Bestandes schlossen und ihn sinnvoll ergänzten, waren sie als Einheit zu betrachten. Zuletzt machten die neu hinzugekommenen Bücher rund 40 Prozent des Gesamtbestandes aus. Deshalb war bei allen Beteiligten – Stiftungsvorstand, Landkreis und Domanialverwaltung – der Wunsch entstanden, die „neuen“ Bücher ebenfalls in das Eigentum der Stiftung zu überführen. Ein erstes Angebot des Stifters scheiterte, die Bücher als Zustiftung gegen Einlage von zwei Millionen Euro in das Geldvermögen der Stiftung zu übertragen. Der Kreistag hatte dem Geschäft zwar schon im Dezember 2012 mit großer Mehrheit zugestimmt und wollte die Gelder dafür aus den Rücklagen der Waldeckischen Domanialverwaltung entnehmen. Dagegen erhoben einige der gewinnberechtigten waldeckischen Gemeinden jedoch Einspruch, sodass das Vorhaben nicht weiterverfolgt wurde. Gerade auf Initiative des Bad Arolser Bürgermeisters Jürgen van der Horst suchten alle Beteiligten nach alternativen Lösungen. Am Ende stand die Übereinkunft, dass sich der Kreis verpflichtet, für die Dauer von zehn Jahren einen jährlichen Betrag von 128 000 Euro für den Betrieb der Stiftung bereitzustellen. Diesen Vertrag billigte der Kreistag im Frühjahr mit großer Mehrheit. Zusätzlich erklärten die Domanialverwaltung, die Stiftung Waldeckische Landesbibliothek und die Stadt Bad Arolsen ihre Absicht, die Stiftung im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten materiell oder ideell zu fördern. Landrat Dr. Reinhard Kubat freute sich bei der Vertragsunterzeichnung darüber, dass der in seiner Bedeutung, aber auch in seinem Erhaltungszustand einmalige Bestand nun für Waldeck-Frankenberg und die Region Nordhessen gesichert sei. Er dankte vor allem Bürgermeister van der Horst für seinen Einsatz. „Er hat die Verhandlungen mit dem Stifter, den Kreistagsfraktionen und den Gemeinden offen und vertrauensvoll geführt und ein Ergebnis erzielt, das für alle Beteiligten zufriedenstellend ist.“ Van der Horst sieht den Vertragsabschluss als wichtigen Meilenstein zur Festigung des Rufs der ehemaligen Residenzstadt als Standort von Bibliotheken und Museen. „Wir werden Bibliotheken, Museen und Archive fest in unser touristisches Marketingkonzept einbinden und ich bin überzeugt davon, dass wir hier neue Besucherschichten ansprechen können.“ Zudem festige das Erreichte den Ruf Bad Arolsens als „Kulturhauptstadt“ des Kreises. Auch Brehm zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis. Zwar habe er im Laufe der Jahre manche Planungen zur Präsentation und Nutzung des Buchbestandes aufgeben oder ändern müssen, da es an der notwendigen Finanzausstattung gefehlt habe, er freue sich jedoch darüber, dass die Bibliothek nun als Ganzes erhalten bleibe. Brehm betonte noch einmal, dass es sich bei der Bibliothek vom Konzept her um ein „Museum zur deutschen Kultur- und Geistesgeschichte“ handele. Ergänzt durch Tausende von musealen Einzelstücken stelle diese „Schaubibliothek“ der bedeutendsten Originaldrucke aus 550 Jahren ein Abbild des gemeinsamen kulturellen Erbes des gesamten deutschen Sprachraums dar. „Dies in Führungen und gelegentlichen Sonderausstellungen den Besuchern zu vermitteln, ist neben der Bewahrung und Pflege aller Bücher und sonstigen Exponate unser Hauptanliegen“, erläuterte der Stifter. Die finanzielle Grundsicherung erlaubt es der Stiftung, auch neue Wege bei der öffentlichen Nutzung zu beschreiten und die Bestände einem größeren Publikum zugänglich zu machen. Im September will das Spielzeugmuseum in Massenhausen in einer Sonderausstellung Kinder- und Jugendbücher aus den Beständen der Bibliothek präsentieren. Auch andere Museen und Einrichtungen in Nordhessen haben bereits Interesse an einer Präsentation von Teilen der kostbaren Bestände angemeldet.Bereits 2001 hatte eine überregional beachtete Ausstellung im Korbacher Museum mit über 50 historischen Landkarten und einem Dutzend grundlegender Frühwerke der Kartografie viele Besucher angelockt.(r)

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