Pauschale seit 13 Jahren unverändert

Betreuer in Waldeck-Frankenberg brauchen mehr Zeit und Geld

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Wichtige Hilfe für viele Menschen: dennoch fürchten viele Betreuungsvereine um ihre Existenz.

Waldeck-Frankenberg. Anhand 13 Jahre alter Stundensätze bezahlt zu werden, bringt Betreuungsvereine zunehmend in Bedrängnis. Doch es gibt Anlass zur Hoffnung.

Seit 2005 ist die Vergütung für den Einsatz rechtlicher Betreuer nicht mehr gestiegen. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung sieht vor, „die Finanzierung der unverzichtbaren Arbeit der Betreuungsvereine“ zu stärken. Mitarbeitern der Vereine in Waldeck-Frankenberg äußern vorsichtigen Optimismus. Im Landkreis gab es im Vorjahr 3909 Betreuungen, 592 davon lagen direkt bei den Vereinen.

Die Pauschale schreibt fest, wie viel Zeit ein rechtlicher Betreuer für seinen Betreuten aufwenden kann und wie er vergütet wird. Dass diese Haupteinnahmequelle der Vereine so lange eingefroren ist, bringe viele in Bedrängnis, sagt Achim Beinlich von der Lebenshilfe Waldeck. 

Andrea Franke vom Betreuungsverein des Korbacher Treffpunkts denkt, dass sie 2019 oder 2020 tatsächlich überarbeitet wird – wenn auch wohl nicht in der Höhe, die der Berufsverband der Betreuer fordert: Nach 13 Jahren Stagnation 25 Prozent mehr Geld pro Stunde; und angesichts des tatsächlichen Zeitaufwands gut eine Stunde mehr pro Betreuungsverhältnis.

Eine Untersuchung des Bundesjustizministeriums gebe ihnen Recht: „So sind beispielsweise dreieinhalb Stunden im Monat für die Betreuung eines Menschen veranschlagt, der in einer eigenen Wohnung lebt“, sagt Andrea Franke, „tatsächlich sind aber 4,2 bis 4,6 Stunden nötig.“ Alles über die vorgegebene Zeit hinaus sei unbezahlte Mehrarbeit.

Skeptisch ist eine Betreuerin, die namentlich nicht genannt werden möchte: „Im Koalitionsvertrag sind viele Soll-Formulierungen enthalten.“ Damit diese auch umgesetzt werden, seien Betreuungsvereine weiter auf politischen Druck der Berufsverbände angewiesen. In der vergangenen Legislaturperiode sei eine nicht einmal adäquate Erhöhung noch im Bundesrat gescheitert – die Länder sind für die Vergütung zuständig. 

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