Firmen setzen bei Suche nach Azubis auch auf Migranten

Betriebe stellen immer mehr Flüchtlinge ein

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Bei der Arbeit: Bahoz Omar aus Syrien absolviert im Gasthaus Sauer in Vöhl-Asel eine Lehre zum Restaurantfachmann.

Waldeck-Frankenberg. Der Einstieg in eine Berufsausbildung ist für junge Flüchtlinge schwer. Oft fehlen Sprach- und berufliche Vorkenntnisse. In Waldeck-Frankenberg nehmen trotz dieser Hindernisse immer mehr Betriebe die Möglichkeit wahr, Flüchtlinge als Auszubildende einzustellen.

„Im Bauhandwerk sind derzeit fünf junge Männer in einer Ausbildung“, sagt Friedrich Schüttler vom Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach. Die Flüchtlinge aus Äthiopien, Afghanistan, Eritrea und Somalia hatten mit Hilfe der Kreishandwerkerschaft eine Lehrstelle gefunden und arbeiten als Fliesenleger sowie als Hoch- und Tiefbaufacharbeiter. „Wir freuen uns, auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, dass wir über diesen Weg qualifizierten Nachwuchs bekommen konnten“, sagt Schüttler. 

Beim Korbacher Lebensmittel-Großhändler Schwalenstöcker & Gantz werden in diesem Sommer zwei Flüchtlinge eine Ausbildung als Fachkraft für Lagerlogistik und zum Berufskraftfahrer beginnen. 

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat Personen und Betrieben ebenfalls geholfen, um Flüchtlinge in Ausbildung zu bringen. „Zudem haben mehrere unserer Mitgliedsunternehmen auch ohne unsere Hilfe Ausbildungsverträge geschlossen“, sagt IHK-Bildungsberater Björn Duen. „In Willingen oder Vöhl wurden zudem Azubis in der Gastronomie eingestellt“, weiß Duen. Eine genaue Zahl, wie viele Flüchtlinge im Kreis in einer Ausbildung sind, ist laut Agentur für Arbeit zwar nirgendwo registriert. „Wir stellen aber fest, dass die Möglichkeit in immer mehr Betrieben in Betracht gezogen wird“, so Cornelia Harberg von der Agentur für Arbeit in Korbach. 

Hessenweit gibt es dagegen eine Statistik: Demnach hat sich die Zahl der Flüchtlinge, die aus unsicheren Herkunftsländern stammen und in Deutschland eine Berufsausbildung begonnen haben, seit 2015 mehr als verdoppelt.

Mit Tablett und Weste

Zu den Flüchtlingen, die momentan im Landkreis eine Berufsausbildung absolvieren, gehört Bahoz Omar aus Syrien. Unsere Zeitung hat ihn besucht und festgestellt, dass der 24-Jährige nicht nur viel Wert darauf legt, dass er seinen Job gut macht. „Ich rede auch gerne und oft mit den Gästen. Das macht Spaß und hilft mir, Deutsch noch besser zu lernen“, sagt der Bahoz Omar, der vor dem Krieg in Syrien nach Deutschland geflohen ist und vor einigen Monaten eine Berufsausbildung zum Restaurantfachmann im Gasthaus Sauer in Vöhl-Asel begonnen hat. 

Nun deckt er Tische ein, bestückt die Theke, arbeitet demnächst auch einige Wochen in der Küche und ist mit seinem Arbeitsumfeld mehr als zufrieden. „Ich habe in Syrien unter anderem als Kellner gearbeitet. Daher kannte ich die Gastronomie auch schon ein wenig“, berichtet Bahoz Omar. 

Neben der guten beruflichen Perspektive, die er mit einer Ausbildung in Deutschland hat, ist der 24-Jährige auch stolz darauf, eigenes Geld zu verdienen. „Ich muss jetzt nicht mehr bei der Behörde nachfragen, wenn ich etwas benötige. Ich kaufe mir die Dinge von meinem verdienten Geld selbst“, sagt er.

Weitere Porträts über Flüchtlinge, die sich derzeit in Waldeck-Frankenberg in einer Berufsausbildung befinden, lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der WLZ am 11. Februar  

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