Agentur zählt weniger Arbeitslose · Markt ist stabil, aber weniger dynamisch

„Betriebe werden vorsichtiger“

Waldeck-Frankenberg - „Wenn die Entwicklung am Arbeitsmarkt so bleibt, können wir uns glücklich schätzen“, betont Arbeitsagenturchef Uwe Kemper gestern bei der Vorstellung der September-Statistik. 3983 Waldeck-Frankenberger sind arbeitslos, das sind 291 weniger als im August, aber 154 mehr als im September 2011.

Den Vergleich zum Vorjahresmonat bemühen Kemper und Jobcenter-Geschäftsführer Reinhold Lohmar immer wieder, um die weiter rückläufigen Arbeitslosenzahlen exakt einzuordnen. So ist die Arbeitslosenquote im September zwar von 5,0 auf 4,7 Prozent gefallen, im September 2011 lag sie jedoch bei 4,5 Prozent.

Trotz dieses Trends – auch in den vergangenen Monaten wurden die Vorjahreswerte überschritten – beurteilt der Agenturchef die Lage positiv: „Der Arbeitsmarkt konsolidiert sich auf einem ordentlichen Stand.“ Kemper erklärt dies mit dem guten Branchenmix in der Region.

„Ein massiver Stellenabbau wie in anderen Regionen, Beispiele sind Neckermann und Opel, steht uns nicht ins Haus.“ Agen­tursprecherin Cornelia Harberg unterstreicht: „Mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um 6,8 Prozent liegen wir hessenweit auf dem ersten Platz.“

Vom „Herbstschwung des heimischen Arbeitsmarkts“ profitieren laut Agenturangaben alle Personengruppen und Arbeitslose beider Rechtskreise: In Zahlen: 38,1 Prozent aller Arbeitslosen werden von der Arbeitsagentur betreut (SGB III). Das sind im September 1516 Personen (August 2012: 1649, September 2011: 1380).

Das Jobcenter (SGB II) zeichnet für 61,9 Prozent aller Arbeitslosen und somit 2467 Waldeck-Frankenberger (2625 / 2449) verantwortlich. Im Jahresvergleich muss die Agentur damit ein Plus von 9,9 Prozent verkraften, während das Jobcenter nur 0,7 Prozent mehr Langzeitarbeitslose zählt. Abkühlung in Frankenberg

„Die Betriebe werden vorsichtiger, was neue Einstellungen betrifft“, erklärt Kemper die Entwicklung. Die langfristig unsichere Auftragslage werde als Begründung genannt. Ziel sei zunächst, die Stammbelegschaft zu halten. Dazu passend präsentiert sich der Stand der Kurzarbeit:

„Anträge liegen uns derzeit nicht vor, aber es gibt vorsichtige Beratungsanfragen.“ Für Langzeitarbeitslose bestehe die Schwierigkeit vor allem darin, dass bei der Personalauswahl wieder höhere Erwartungen an Arbeitnehmer gestellt würden. Der schrumpfende Stellenbestand macht die Situation nicht leichter: 799 Angebote liegen der Agentur vor (August 2012: 839, September 2011: 976).

„Vor allem in der Hochregion Frankenberg kühlt es sich ab, auch wenn die Quote dort weiterhin bei 4,1 Prozent liegt.“ Lohmar erklärt dies mit dem hohen Maß an Personaldienstleistern, die dort aktiv sind und mit dem Schwerpunkt auf dem verarbeitenden Gewerbe. Immer mehr kranke Kunden Sorge bereitet den Experten ebenfalls, dass inzwischen rund 30 Prozent aller Kunden gesundheitliche Gründe als Grund ihrer Arbeitslosigkeit angeben. Nach der Erweiterung des Agenturbezirks zum 1. Oktober (siehe Hintergrund) stehen daher zwei Projekte an: l?zum 15. November die Einführung der „elektronischen Leistungsakte“, so dass das Service-Center besser beraten kann. l?zum 1. Januar die Etablierung von Beratern, die Arbeitslosen, die an persönlichen und nicht an fachlichen Problemen scheitern, noch gezielter zu helfen.

Hintergrund

„Die Arbeitslosigkeit ist zurückgegangen, aber der Anteil derer, die eine individuelle Betreuung benötigen, steigt“, begründet Uwe Kemper, Leiter der Arbeitsagentur Korbach, die bundesweite Zusammenlegung von Agenturbezirken. Aus 176 werden 154 Bezirke.

Der Agenturbezirk Korbach umfasst ab dem 1. Oktober somit nicht mehr nur den Landkreis Waldeck-Frankenberg, sondern auch den Schwalm-Eder-Kreis. Von der Anpassung der Agenturbezirks- an die Kreisgrenzen erhoffen sich die Experten, künftig noch enger mit „regionalen Akteuren“, zum Beispiel dem Jugendamt, zu kooperieren, um Arbeitslose noch individueller zu beraten.

„Beim Blick auf die Pendlerbewegungen kamen Diskussionen auf, ob die Zusammenlegung richtig ist“, räumt Kemper ein. Der Schwalm-Eder-Kreis wurde bislang von den Agenturen Kassel und Marburg betreut. Die beiden flächengrößten hessischen Landkreise sind sich laut Kemper in ihrer (Wirtschafts-)Struktur aber sehr ähnlich: „Wir Korbacher haben Erfahrung mit einem Flächenkreis und können nun auch im Schwalm-Eder-Kreis eine Kreisidentität schaffen.“

Ansprechpartner und Anlaufstellen bleiben für alle gleich: Geschäftsstellen gibt es künftig in Korbach, Frankenberg und Bad Arolsen sowie in Fritzlar, Homberg, Melsungen und Schwalmstadt. Verantwortlich zeichnen Agenturchef Uwe Kemper, der operative Geschäftsführer Manfred Hamel sowie Franz-Martin Büscher, Leiter des Gschäftsstellenverbunds im Landkreis Schwalm-Eder.(nv)

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