Europastaatssekretärin informiert sich über Projekt der Kreishandwerkerschaft

„Betriebsübergabe ist ein dunkles Tal“

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Europastaatssekretärin Dr. Zsuzsa Breier (3. v.r.) informierte sich beim Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Gerhard Brühl (r.) und Kreishandwerksmeister Karl-Heinz Göbel (2. v.r.) über das Projekt „Agentur für Betriebsübernahme“. Dazu waren au

Waldeck-Frankenberg - Die Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg will Inhabern von Handwerksbetrieben bei der Übergabe ihrer Firmen an jüngere Kollegen helfen. Das Projekt schaute sich Europastaatssekretärin Dr. Zsuzsa Breier gestern genauer an.

120 Handwerksbetriebe gibt es derzeit im Landkreis Waldeck-Frankenberg, deren Inhaber über 60 Jahre alt sind. Wenn die Nachfolge nicht geregelt wird, schließen diese Betriebe irgendwann und somit gehen Arbeits- und Ausbildungsplätze verloren.

EU fördert Projekt

Um das zu verhindern, hat die Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg 2009 das Projekt „Agentur für Betriebsübergabe“ ins Leben gerufen. Dieses wird von der Europäischen Union mitgefördert. Grund genug also für Europastaatssekretärin Dr. Zsuzsa Breier gestern in Korbach einen genaueren Blick auf das Projekt zu werfen. Sie sei eine Verfechterin der europäischen Idee, wolle aber vor Ort sehen, was mit den Fördermitteln passiert, so Breier. Von dem Projekt der Kreishandwerkerschaft zeigte sie sich angetan.

Inhaber werden informiert

2009 ging die „Agentur für Betriebsübergabe“ an den Start. Derzeit befindet sie sich in der zweiten Förderphase. 50 Prozent der Kosten muss die Kreishandwerkerschaft selbst stemmen, die andere Hälfte kommt aus Fördertöpfen. Die EU steuert für die zweite Phase von 2011 bis Ende 2013 insgesamt 206 000 Euro bei.

Die Kreishandwerkerschaft geht davon aus, dass durch die Schließung von Betrieben aus Altersgründen mittelfristig 850 Ausbildungs- und Arbeitsplätze verloren gehen könnten. „Deshalb dürfen wir nicht zu lange warten“, sagt Kreishandwerksmeister Karl-Heinz Göbel. In Zukunft sollen alle Betriebsinhaber ab 55 Jahren angeschrieben und auf die Problematik hingewiesen werden. Das sind 155 Handwerker im Kreis.

„Für viele ist die Betriebsübergabe ein dunkles Tal, das kann man nicht trainieren. Das ist einmalig“, erklärt Gerhard Brühl, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Häufig würden die Inhaber die Nachfolge nicht regeln. Der Sohn wird nicht früh genug gefragt oder die Handwerker wollen auch mit 85 Jahren den Betrieb noch nicht aus den Händen geben.

Dabei soll die „Agentur für Betriebsübergabe“ helfen. Verantwortlich ist Roland Marx, der freiberuflich arbeitet. Das Beraterteam ermittelt zum Beispiel den Wert eines Unternehmens, damit für den Übergeber und potentiellen Übernehmer gleiche Voraussetzungen gelten. Aber die Agentur hilft auch, einen Nachfolger zu finden. 2011 waren es bei Handwerksbetrieben in Deutschland zwar noch 59 Prozent, die den Betrieb innerhalb der Familie abgeben haben, „aber die Tendenz geht zurück“, so Göbel. Das heißt, ein geeigneter neuer Inhaber kommt häufiger aus dem Betrieb oder von außerhalb.

Dass das Projekt gut angelaufen ist, sah auch Dr. Zsuzsa Breier. In der ersten Phase von 2009 bis 2011 wurden 74 Betriebe betreut. Die Kreishandwerkerschaft Bergstraße in Bensheim in Südhessen hat das Konzept bereits übernommen.

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