Handwerk und Industrie suchen weiter nach Azubis

Ausbildungsbilanz: 76 Lehrstellen sind noch unbesetzt

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Das Handwerk boomt - trotzdem fehlen Azubis

Handwerk und Industrie suchen weiter Nachwuchs. Viele Schulabgänger zieht es eher zur Uni oder zum Dualen Studium, als zu einem klassischen Ausbildungsberuf.

Das ist ein Fazit der Ausbildungsbilanz, die die Arbeitsagentur Korbach – zuständig für Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder – zusammen mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie der Kreishandwerkerschaften (KHW) der beiden Kreise in Frankenberg vorgelegt hat.

Im Zeitraum von Oktober 2018 bis September 2019 gab es laut Arbeitsagentur-Chef Uwe Kemper in den beiden Landkreisen 2298 betriebliche Ausbildungsplätze und 2141 Bewerber. Am Ende standen 76 unbesetzten Ausbildungsstellen 144 unversorgte Bewerber gegenüber – also junge Leute ohne Ausbildungsplatz, Arbeitsstelle oder weitere Bildungsmaßnahmen.

Dr. Peter Sacher, Enrico Gaede, Eugen Knoth,  Cornelia Schönbrodt, Gerhard Brühl, Jürgen Altenhof sowie Uwe Kemper.

Damit haben sich die Zahlen nicht wesentlich gegenüber dem Vorjahreszeitraum verändert: Da waren es 118 unbesetzte Lehrstellen und 139 unversorgte Bewerber. Die Zahl der Lehrstellensuchenden insgesamt sank um 128 – aufgrund des demografischen Wandels gibt es weniger Schulabgänger.

„Das Handwerk boomt und trotzdem fehlt es an Nachwuchs“, bedauerte Gerhard Brühl, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg. „Dabei gehören Lehrlinge im Bauhauptgewerbe – also zum Beispiel angehende Maurer oder Zimmerer – mittlerweile zu den bestverdienenden Azubis: Knapp 1500 Euro brutto bekommen sie im dritten Ausbildungsjahr pro Monat.“

Chancen werden nicht erkannt

Unbesetzte Lehrstellen gibt es auch im Bereich der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder. „Bedauerlich ist, dass die anhaltend guten Chancen für Jugendliche oft nicht hinreichend erkannt werden“, sagte Geschäftsführer Jürgen Altenhof. Im Handwerk lasse sich schneller Karriere machen und Geld verdienen als über den Weg Abitur und Studium, betonte er.

Die Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg verbucht in beiden Landkreisen ein Plus bei den neuen Ausbildungsverträgen – anders als im IHK-Gesamtbezirk.

Unterschiede in den Landkreisen

Für Waldeck-Frankenberg nennt die Arbeitsagentur für das Ausbildungsjahr 2018/2019 insgesamt 1279 betriebliche Berufsausbildungsstellen (plus 11 Stellen, plus 0,9 Prozent) und 1117 Bewerber (minus 61, minus 5,2 Prozent). In Schwalm-Eder sind es 1019 betriebliche Berufsausbildungsstellen (minus 31, minus 3 Prozent) und 1024 Bewerber (minus 67, minus 6,1 Prozent). Die Arbeitsagentur erfasst nach eigenen Angaben nicht alle Ausbildungsstellen, aber gut 80 Prozent.

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