Experte Jan Schmeckenbecher über digitale Währungen - Info-Veranstaltung in Korbach

Bitcoins & Co.: „Es kann sich für jeden lohnen“

Digitale Währung: Insgesamt gibt es mehr als 1000 sogenannte Kryptowährungen. Die bekannteste ist Bitcoin.

Korbach. Bitcoins: Mancher nutzt die digitale Währung bereits für Einkäufe im Netz, andere sehen die Kryptowährung als Anlagemöglichkeit. Jan Schmeckenbecher aus Stuttgart ist Bitcoin-Experte. Mittwoch, 18. Juli, ist er für eine Info-Veranstaltung in Korbach, schon jetzt stand er im  Interview Rede und Antwort.

Herr Schmeckenbecher, Bitcoins sind eine Kryptowährung und für viele ziemlich abstrakt. Wie erklären Sie jemandem, der sich noch nie mit dem Thema beschäftigt hat, was Bitcoins sind?

Jan Schmeckenbecher: Bitcoin ist eine digitale Währung, manche sagen auch digitales Gold. Die Technologie und der Algorithmus dahinter sind auf einem Datenblatt hinterlegt, dem sogenannten White Paper. Dort ist festgeschrieben, wie Bitcoin funktioniert und wie neue Bitcoins entstehen. Mit Bitcoins kann man schnell, günstig, sicher und anonym über die ganze Welt Geld transferieren.

Bitcoins wurden zum Bezahlen entwickelt, man kann sie mittlerweile auch bei Lieferdiensten nutzen. Was hat der Kunde davon, mit einer virtuellen Währung zu zahlen?

Schmeckenbecher: Ich habe keinen Mittelsmann mehr, keinen Staat dazwischen, keine Bank. Man kann direkt die Währung an den Verkäufer übermitteln.

Macht es einen Unterschied zum Bezahlen mit Kreditkarte? Da ist zwar eine Bank zwischengeschaltet, aber die Zahlung funktioniert auch schnell und sicher.

Schmeckenbecher: Der größte Unterschied ist, dass ich bei einer Kreditkarte eine Kontoführungsgebühr und eine Transaktionsgebühr habe. Eine solche Gebühr gibt es bei Bitcoin zwar auch, aber die liegt bei wenigen Cent pro Transaktion. Wird mit Kreditkarte gezahlt, muss auch der Empfänger eine Gebühr für das Gerät zahlen. Für beide Seiten ist die Zahlung mit Kryptowährungen günstiger.

Bitcoins funktionieren unabhängig von Systemen, ohne Banken und sind transparent. Aber sind sie auch sicher? Stichwort Hacker.

Schmeckenbecher: Die Datenbank ist wie ein großes Buchhaltungssystem. Eine Änderung kann dort nur vorgenommen werden, wenn ein Großteil der Teilnehmer, sogenannte Nodes, einer Umbuchung zustimmen. Nodes sind Computer, die die Transaktionen prüfen und gegenseitig bestätigen. Kommt es hier zu Unstimmigkeiten, werden Buchungen nicht ausgeführt.

Also ist es absolut sicher?

Schmeckenbecher: Ja, würde ich sagen. Es werden auch mal Bitcoins geklaut, aber das liegt nicht daran, dass die Datenbank, also die Blockchain, nicht sicher ist, sondern an einem Zugriffspunkt auf die Datenbank.

Können Sie das genauer beschreiben?

Schmeckenbecher: Der Zugriff auf eigene Bitcoins funktioniert über einen Schlüsselcode, dieser nennt sich Privater Schlüssel, ähnlich einem Passwort. Dieser Schlüssel ist bei Online-Geldbörsen, ähnlich dem Online-Banking, hinterlegt. Wird also diese Online-Geldbörse gehackt, können die Bitcoins, die unter diesem Schlüssel abgelegt sind, auch anderweitig verschickt werden. Das bedeutet, dass nicht die Blockchain oder Bitcoin gehackt wurde, sondern der Zugriff auf die Bitcoins. Hier gibt es verschiedene sichere Methoden, um diesem Problem zu entgehen.

Für wen lohnt sich der Kauf von Kryptowährung?

Schmeckenbecher: Im Prinzip kann sich jeder, der Internet hat, Kryptowährung kaufen. Es kann sich für jeden lohnen, es kann aber auch zum Totalverlust führen, wenn die Kurse total abschmieren. Der Kurs wird, wie bei Aktien, durch Angebot und Nachfrage bestimmt.

Immer mal wieder lesen wir, dass Menschen durch Bitcoins reich geworden sind. Das klingt nach einem einfachen Weg, zu Geld zu kommen. Sollte man es so sehen?

Schmeckenbecher: Nein, auf keinen Fall. Ich sehe es durchaus als riskante Investition. Es gibt vier Möglichkeiten, mit Bitcoin Geld zu verdienen. 1. Ich kaufe Bitcoin und lasse sie einfach liegen. Die zweite Möglichkeit ist: Man investiert in Bitcoin und geht damit an eine Börse, um damit andere Kryptowährungen zu handeln, von denen es um die 1000 gibt. Dann gibt es noch die Möglichkeit zu einer Art Firmenbeteiligung. Das heißt, ich gebe einer Firma Kryptowährung und bekomme dafür eine Menge an Münzen, die noch keinen Wert haben. Ich bekomme sie, weil ich vor allen anderen in die Firma investiere.

Die vierte Möglichkeit ist das Erzeugen einer Kryptowährung, man spricht vom Schürfen. Durch zur Verfügung stellen eines Computers kann man Kryptowährung erzeugen. Das funktioniert aber nicht mehr zu Hause mit einem normalen Computer, weil allein der Stromverbrauch viel zu groß ist.

Lohnt es sich überhaupt noch, zu investieren? Viele sprechen von einer Blase. Wo stehen wir?

Schmeckenbecher: Es ist eine sich wiederholende Geschichte. Bitcoins sind begrenzt verfügbar, es gibt nur 21 Millionen Stück. Und wir haben schon 17 Millionen erzeugt. Ausgeschöpft sein wird die Anzahl aber erst 2140.

Jan Schmeckenbecher (33) kommt aus Stuttgart. Er arbeitete als Mechaniker jahrelang in der Industrie, bevor er im Jahr 2016 begann, sich mit Kryptowährungen zu beschäftigen. Mittlerweile hat er seinen Job gekündigt. Er ist an einer sogenannten „Schürf-Farm“ beteiligt, die Kryptowährung erzeugt, und informiert bei Vorträgen über digitale Währungen. Bei Youtube hat er einen eigenen Kanal, auf dem er zum Thema Info-Videos einstellt.

Wie kann man das jetzt wissen?

Schmeckenbecher: Das ist in dem White Paper festgelegt. Alle zehn Minuten werden neue Bitcoins erzeugt. Angefangen hat es im Jahr 2009 mit 50 Bitcoins alle zehn Minuten, vier Jahre später gab es nur noch 25 Bitcoins alle zehn Minuten. Vor zwei Jahren gab es dann die Reduzierung auf 12,5.

Zahlt sich eine Investition noch aus?

Schmeckenbecher: 2013 war der Hype, da lag der Wert bei 1000 Dollar. Dann ist er gefallen auf 200 Dollar, dann ging es wieder bergauf auf 500 Dollar in 2016 und am Jahresende auf 1000 Dollar. Ende 2017 waren es 20 000 Dollar, dann knapp unter 6000. Die Entwicklung wiederholt sich und das macht sie auch weiterhin. Es gibt aber trotzdem eine permanent steigende Tendenz, weil es eine Verknappung gibt, aber auch eine steigende Nachfrage.

Bei der Veranstaltung in Korbach wollen Sie auch darüber informieren, wie jeder Einzelne von dieser Entwicklung profitieren kann. Wie kann jeder profitieren?

Schmeckenbecher: Entweder ich kaufe und halte Bitcoin, bis ich sie mit Gewinn verkaufe. Oder ich investiere in die Produktion von Kryptowährung, das Schürfen. Man kann auch beides machen, was wir empfehlen. So habe ich auch angefangen. Beides zeigen wir in Korbach auch in Live-Präsentationen.

Sind Kryptowährungen die Währungen der Zukunft? Zahlen wir irgendwann alles damit?

Schmeckenbecher: Sehr gute Frage. Ich denke aber nicht, dass Kryptowährungen die klassischen Währungen ablösen wird. Es gibt jetzt schon eine Koexistenz, die sich in Zukunft weiter verlagern wird.

Info: Die Veranstaltung rund um Kryptowährungen ist am Mittwoch, 18. Juli, ab 19 Uhr im Restaurant Enzian in Korbach. Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung per Mail an info-anmeldung-enzian@t-online.de wird aber gebeten.

Das sagen die heimischen Banken

Die Waldecker Bank beobachtet zwar die Entwicklung von Kryptowährungen wie Bitcoin, wie Sprecher Carsten Stumpe sagt. „Als Anlage empfehlen wir sie unseren Kunden aber nicht, weil sie zu spekulativ sind.“ Die Kurse würden da für sich sprechen. Außerdem sei das System nur teilweise durchschaubar. Entsprechend hat die Bank dazu keine Produkte für Kunden im Angebot. Wer sich Bitcoins & Co, kaufen wolle, müsse dies privat machen, so Stumpe.

Die Sparkasse Waldeck-Frankenberg informiere ihre Kunden zwar über Chancen und Risiken von Kryptowährungen, „wir halten sie aber für kurzfristig und spekulativ“, sagt Sprecher Karlheinz Göbel. Bitcoins & Co. würden „nicht in eine gesunde Anlagestruktur gehören“, sagt Göbel.

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