Waldeck-Frankenberg

Die bizarre Magie am „Tatort“ Edersee

- Bad Wildungen / Waldeck (jk). Mit dem „Edersee-Tatort“ ist den Fernsehmachern des Hessischen Rundfunks ein spannendes wie bizarres Werk gelungen. Die Region rückt mit dem TV-Krimi am 28. November bundesweit ins Rampenlicht.

„Sie sollten im Sommer kommen, dann ist der See voll“, heißt die Empfehlung mehrfach im Film. So sprechen die Tatort-Mimen den Edersee-Gemeinden, Hoteliers und Tourismusexperten mitunter aus der Seele: Prominenter als im Zwiegespräch der Star-Schauspieler Ulrich Tukur und Martina Gedeck lässt sich der viel diskutierte Wasserstand am Edersee doch kaum thematisieren. Aber mit den aufsteigenden Ruinen und Inseln des „Edersee-Atlantis“ im Nebel liefert der See gerade im Herbst die richtige Szenerie für diesen undurchsichtigen Kriminalfall. Titel: „Wie einst Lilly“. Ein toter Journalist treibt im Boot auf dem Wasser, die blutige Waffe in der Hand. Alles deutet auf Selbstmord, doch Kommissar Felix Murot alias Ulrich Tukur riecht Lunte: Da stimmt was nicht. Zumal sich alsbald Verbindungen dieses Mordfalls zur Terror-Vergangenheit der RAF offenbaren. Also nimmt der Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) die Fährte auf – in seiner früheren Heimat. Denn Murot ist aufgewachsen als Sohn eines Bad Wildunger Pfarrers. Zwischen Altwildunger Kirche, der Sperrmauer, dem Strandhaus in Waldeck und dem Angler-Shop in Nieder-Werbe begegnet Murot seiner eigenen Vergangenheit: im Antlitz der Pensionswirtin Jana Maitner scheinbar seiner alten Liebe „Lilly“, in der Kirche seinen Kindheitserinnerungen und seinem schlechten Gewissen. Und da ist auch noch ein alter, ungelöster RAF-Mordfall aus den 80er-Jahren, der Kommissar Murot quält. Die Zeit scheint stehengeblieben: ob in den Möbeln der Pension, dem pelzigen Mantel der LKA-Sekretärin Magda Wächter (Barbara Philipp) oder dem wankelmotorigen „Ro 80“, den Kommissar Murot alsbald als Vehikel gegen seinen Mercedes eintauscht. Als modernes Urlaubsparadies kommt die Region also nicht gerade daher, wenn am Herbstabend des 28. November, 20.15 Uhr, die Tatort-Melodie erklingt. Doch just das Vexierspiel im Krimi, die Melancholie der Menschen und der Landschaft wecken wiederum Interesse am „Tatort“ Edersee. Dies hat der in Schmittlotheim aufgewachsene Autor Christian Jeltsch faszinierend zusammengefügt. Präsentiert von WLZ-FZ läuft die Vorpremiere des Hessischen Rundfunks (hr) am 12. November in der Bad Wildunger Wandelhalle (wir berichteten). Die Premierengäste dürfen sich zusätzlich auf einen musikalischen Auftritt des künstlerischen Multitalents Ulrich Tukur freuen. Eine Alternative zum heimischen Fernsehsessel gibt es indes auch am 28. November bei der Erstausstrahlung in der ARD: Am Original-Schauplatz im Strandhaus in Waldeck gibt’s bei Familie Koppelin „Public Viewing“. Der Eintritt ist frei – und das Strandhaus viel moderner und schöner als im Film, könnte die echte Pensionswirtin schwärmen: „Sie dürfen auch im Herbst kommen. Dann ist der See zwar nicht voll, aber die Landschaft birgt filmreife Magie.“

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