Starkes Signal in Korbach, Bad Wildungen und Frankenberg

Bodenaufkleber in Bahnhöfen als Zeichen gegen Alltagsrassismus

Mehtap Karagandere von der Kurhessenbahn (links) und Ursula Müller vom Netzwerk für Toleranz mit dem Bodenaufkleber am Korbacher Hauptbahnhof.
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Mehtap Karagandere von der Kurhessenbahn (links) und Ursula Müller vom Netzwerk für Toleranz mit dem Bodenaufkleber am Korbacher Hauptbahnhof.

„Zu viele gehen einfach über mich hinweg. Rassismus ist ein echtes Problem in Deutschland und fängt mit Vorurteilen an. Doch nur wer sie sich bewusst macht, kann sie überwinden.“

Dieser Satz steht auf den Bodenaufklebern, die gestern in den Bahnhöfen in Bad Wildungen, Korbach (Foto) und Frankenberg angebracht wurden. Das Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg will damit auf Alltagsrassismus aufmerksam machen und zeigen, dass jeder Mensch im persönlichen Umfeld rassistischen Handlungen entgegentreten kann.

„Vielfalt und eine offene Gesellschaft stellen Grundlagen des Zusammenlebens in unserer Stadt dar“, sagte Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich am Donnerstag bei der Anbringung von Bodenaufklebern im Korbacher Hauptbahnhof. Auch in den Bahnhöfen in Bad Wildungen und Frankenberg fanden diese Aktionen gestern statt – und zwar unter dem Motto „Vorsicht, Vorurteile!“.

Hierbei handelt es sich um eine Kampagne, an der sich das Netzwerk für Toleranz in Waldeck-Frankenberg beteiligt hat. Sie wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ initiiert. Unterstützt wird die Aktion vom Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) und der Kurhessenbahn.

„Rassismus fängt mit Vorurteilen an“

Die Kampagne bietet nach Auskunft der Initiatoren einen Einstieg in die Auseinandersetzung mit Rassismus und anderen Phänomenen einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Nur wenige Menschen würden ihre eigenen rassistischen Einstellungen erkennen oder diese offen zugeben. Trotzdem prägten Vorurteile und Stereotypen das Leben von fast jedem Menschen. Die Kampagne verdeutliche, dass Vorurteile und Rassismus nicht nur Phänomene „bei anderen“, sondern Teil der Gesellschaft seien. Daher liege es auch an jedem Einzelnen, dagegen aktiv zu werden.

„Wir haben uns der Aktion gern angeschlossen, weil wir in der Öffentlichkeit dafür werben wollen, dass Alltagsrassismus keinen Platz im öffentlichen Nahverkehr hat“, sagte NVV-Geschäftsführer Steffen Müller, der gestern zwar nicht selbst vor Ort sein konnte, in einer Mitteilung aber trotzdem auf die Bedeutung der Aktion hinwies. „Im öffentlichen Nahverkehr findet Rassismus genauso statt wie an allen anderen Orten. Die Gesellschaft muss allen Herabwürdigungen und Bedrohungen auch in Bus und Bahn entschieden entgegentreten“, so Müller. Betroffen seien Fahrgäste, Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter ebenso wie alle anderen Menschen, die im öffentlichen Nahverkehr aufeinandertreffen. „Wenn wir dafür mehr Sensibilität schaffen, gehen wir wertschätzender miteinander um. Das sollte unser gemeinsames Ziel sein.“

Klaus Friedrich berichtete, dass sich Korbach intensiv für Vielfalt und eine offene Gesellschaft engagiere. Dazu gehörten die Aktivitäten der Stadt zur Förderung der Integration von neu zugewanderten Menschen und die damit verbundene Unterstützung durch ehrenamtlich engagierte Bürgerinnen und Bürger. „Ein aktives Netzwerk und der Präventionskreis der Stadt Korbach unterstützen diese Arbeit“, sagte der Bürgermeister.

Kampagne gegen Alltagsrassismus im Korbacher Hauptbahnhof: Dr. Marion Lilienthal (Alte Landesschule), Bürgermeister Klaus Friedrich, Luca-Sergio Wehner vom Netzwerk für Toleranz, Mehtap Karagandere von der Kurhessenbahn und Ursula Müller vom Netzwerk für Toleranz (von links) präsentieren Plakate und den Bodenaufkleber.

Bei der Anbringung des Bodenaufklebers im Frankenberger Bahnhof sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat: „Vorurteile und rassistische Einstellungen sind überall in der Gesellschaft zu finden. Gewalttaten wie die Morde von Ha-nau, der Anschlag von Halle oder der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke haben uns auf schreckliche Weise vor Augen geführt, was der Rechtsextremismus anrichten kann.“ Deshalb sei es wichtig, sich mit dem Thema immer wieder auseinanderzusetzen, ob in der Schule, der Presse, im Berufsleben oder im Alltag.

Mehr als 22 000 Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund

Rechtsextreme Übergriffe und rassistische Diskriminierungen sind ein dauerhaftes Problem in Deutschland. Allein im Jahr 2019 wurden laut Polizeistatistik bundesweit 22 342 Straftaten mit rechtsextremistischem Hintergrund erfasst.

Tätliche Übergriffe bis hin zum Mord sind nach Auskunft der Initiatoren der Kampagne „Vorsicht, Vorurteile!“ besonders sichtbare Zeichen für den Rassismus in der Gesellschaft. Sie seien jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Viele Menschen würden im Alltag aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Herkunft oder Religion, ihres Aussehens oder sonstiger rassistischer Zuschreibungen diskriminiert: beim täglichen Aufeinandertreffen auf der Straße, in der Bahn, im Arbeitsleben, beim Zugang zu Dienstleistungen und Wohnraum oder in der Schule. Im Alltag entstehe Rassismus oft über Vorurteile und Stereotype, die den Blick auf die Person verdecken. Für Betroffene sei diese Erfahrung verletzend.

Rassismus greife die Würde eines Menschen an und habe einschneidende Konsequenzen, da er die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einschränke.

Netzwerk für Toleranz weist auf Aktionen am Tag gegen Rassismus am 21. März hin

Im Rahmen der Arbeit des Netzwerks für Toleranz erfolgen Aktivitäten zur Auseinandersetzung mit den Themen „Vorurteile“ und „Rassismus, Rechtsextremismus“. Die im Netzwerk arbeitende Arbeitsgruppe #RegionGegenRassismus signalisiert mit Schildern und Aufklebern „Hass und Diskriminierung ohne uns!“. Mit jedem verteilten Schild und Aufkleber wächst die Arbeitsgruppe, derzeit sind es 250 Schilder und über 300 Aufkleber.

Das Netzwerk für Toleranz und die Arbeitsgruppe rufen dazu auf, am Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März und in der diesjährigen Anti-Rassismus-Woche, im Internet und in den sozialen Netzwerken unter #RegionGegenRassismus Haltung zu zeigen und diese Haltung zu posten, das Thema im eigenen Umfeld anzusprechen: Waldeck-Frankenberg ist kein Ort für menschenverachtende, für demokratie- und sogenannte fremdenfeindliche Einstellungen.

Kontakt zum Netzwerk für Toleranz Waldeck-Frankenberg: Koordinatorin Ursula Müller, Tel. 05631/954-889, ursula.mueller@lkwafkb.de.

toleranzwafkb.de

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