Fichten bedroht wie nie

Borkenkäfer verbreitet sich in auch in Waldeck-Frankenberg rasend schnell

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Diese markierten Bäume müssen schnellstens gefällt werden: Hubertus Wachsmuth, ehemaliger Förster im Revier Roda (links), und Eberhard Normann, ehemaliger Forstamtsleiter, helfen, wie auch andere pensionierte Forstleute bei der Erkennung der frisch vom Borkenkäfer befallenen Fichten im Burgwald mit.

Der Borkenkäfer bedroht die heimischen Fichtenbestände in bisher hier nicht bekanntem Ausmaß. „Die Lage ist dramatisch“, sagt Eberhard Leicht, Leiter des Forstamts Burgwald.

Das trifft auch auf die Forstämter Frankenberg, Diemelstadt und Vöhl zu. Leicht befürchtet, dass nach bereits hohen Verlusten 2018 in diesem Jahr bis zu 250 Hektar weiterer Fichtenwald allein im Burgwalder Staatswald dem Käfer zum Opfer fallen könnte. 

Der Kampf gegen den Schädling ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn das Insekt hat sich im vergangenen Jahr aufgrund der großen Windwurfmengen durch Sturm Friederike und der langanhaltenden Hitze und Dürre extrem vermehrt.

Bei den aktuell hohen Temperaturen schwärmt die Käfer-Armada erneut aus und befällt einen Baum nach dem anderen. Die Fichten können aber nicht genug Feuchtigkeit aus dem trockenen Boden holen, um ausreichend Harz zu bilden, das Eindringlinge abwehren würde. Es gilt jetzt, neu befallene Fichten so schnell wie möglich zu fällen, zu entrinden oder komplett aus dem Wald zu bringen, bevor die nächste Käfergeneration – ein Käfer erzeugt 25 Nachkommen – in zirka sechs Wochen herangewachsenen ist und auf weitere Bäume ausschwärmt.

Käfer-Scouts melden Befall digital

Eine Mammutaufgabe, die die Forstämter mit ihren Mitarbeitern kaum schaffen können. In Burgwald beobachten Forstleute im Ruhestand regelmäßig bestimmte Areale und melden, welche Bäume neu befallen wurden. Innerhalb von nur zwei Tagen, so berichten zwei der Freiwilligen, entdeckten sie allein an einer Stelle 70 frisch besiedelte Fichten.

Im Forstamt Frankenberg sind seit Herbst 35 ehrenamtliche Käferscouts im Einsatz – Jäger, die per Handy-App Standort und Anzahl der Käferbäume melden. Im Forstamt Diemelsee kommt erschwerend hinzu, dass dort im März Sturm Eberhard besonders stark gewütet und 60 000 Festmeter Holz umgeweht hat. Das muss zusätzlich aufgearbeitet werden.   

Alle verfügbaren Forstleute und Vollholzernter sind im Einsatz. Mit Hochdruck arbeiten die Forstämter daran, frisch vom Borkenkäfer befallene Bäume aus dem Wald zu holen. Doch die Kapazitäten an Menschen und Maschinen sind begrenzt, denn nahezu in ganz Deutschland ist der Schädling auf dem Vormarsch. 

Laut Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt war seit Beginn der Aufzeichnungen 1945 die Bedrohung durch den Borkenkäfer noch nie so groß.

Wie Freiwillige den Forstämter helfen und vor welchen gewaltigen Herausforderungen die Forstleute  im Kampf gegen den Käfer stehen, das lesen Sie in der gedruckten Samstagsausgabe der WLZ

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