Strategie für den Netzausbau in Nordhessen vorgestellt

Breitbandgipfel in Landau: Schnelles Internet soll in jedes Dorf kommen

Nordhessischer Breitbandgipfel, Bad Arolsen
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Nordhessischer Breitbandgipfel auf Schloss Landau: (von links) Marco Weigand (Weigand Bau GmbH), Winfried Becker (Landrat Schwalm-Eder-Kreis), Dr. Michael H. Koch (Landrat Hersfeld-Rotenburg), Kathrin Laurier (Geschäftsführerin Breitband Nordhessen GmbH), Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke, Landrat Dr. Reinhard Kubat (Landkreis Waldeck-Frankenberg).

Waldeck-Frankenberg. Beim vierten nordhessischen Breitbandgipfel haben sich auf Schloss Landau rund 80 Bürgermeister und kommunale Vertreter aus ganz Nordhessen, drei Landräte und Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke über den Ausbaufortschritt beim schnellen Internet informiert.

Die Zahlen klangen insgesamt ermutigend: Rund drei Viertel der geplanten Ausbaukilometer wurden bereits im Bohr-Spül-Verfahren und mit dem Kabelpflug verlegt. Nur leider liegen große Teile der letzten 550 Kilometer Ausbaustrecke ausgerechnet im Landkreis Waldeck-Frankenberg. 

Das sei keine böse Absicht, versicherte der Geschäftsführer der mit den Verlegearbeiten betrauten Weigand Bau GmbH, Marco Weigand, sondern hänge mit der Geologie zusammen: Viel gebirgiges Gelände. Da kommen die Verlegemaschinen nicht so schnell durch. Eine besondere Herausforderung sei zudem die Durchquerung des Edersees mit 1100 Metern Bohrstrecke gewesen.

Mit so einem Bohrkopf geht der Glasfaserausbau beim Projekt Breitband Nordhessen voran.

Weigand versicherte, dass in seinem Unternehmen rund 300 Mitarbeiter mit Hochdruck daran arbeiteten, auch die verbliebenen Kilometer Glasfaserkabel zu verlegen. Im Januar würden witterungsbedingt die Baumaschinen gewartet, damit es im Februar mit Vollgas zum Endspurt gehen könne.

Warum kooperiert  NetCom auf der "letzten Meile" mit der Telekom?

Das Aufstellen der Multifunktionsgehäuse in den Dörfern sei dann das erste Lebenszeichen vor Ort, erklärte Daniel Hecker von der NetCom Kassel, die das Netz betreibe und den Kundenkontakt pflegen wird. Hecker erläuterte, dass die NetCom bei der „letzten Meile“ zu den Hausanschlüssen auf die Kupferleitungen der Deutschen Telekom angewiesen sei. Und diese alten Kupferleitungen seien dann auch der Grund, warum beim Bürger am Ende nur Download-Geschwindigkeiten von 25 oder 50 Mbit/Sekunde möglich seien. Ziel aller Bemühungen bleibt ein gigaschnelles Netz.

Schnelles Internet ist nie schnell genug. Das machte Dr. Marc Ullrich von der Broadband Academy GmbH in seinem Vortrag über Gigabit-Strategien beim  Breitbandgipfel  deutlich. 

So wichtig es auch sei, möglichst alle Dörfer in Nordhessen mit Download-Geschwindigkeiten von 25, 50 oder 100 Megabit pro Sekunde zu versorgen, so sehr müsse doch schon jetzt der Blick auf den nächsten großen Schritt gerichtet werden: Internet-Zugänge im Gigabit-Bereich. Die pro Minute verschickte Datenmenge wachse jedes Jahr um rund 20 Prozent. Und wenn demnächst im Internet der Dinge Menschen und Maschinen miteinander vernetzt seien, dann funktioniere das nur mit Gigabit-Verbindungen auf Glasfaserbasis. 

Wie sieht die Strategie beim Netzausbau aus?

Ziel müsse es sein, bis zum Jahr 2030 jedes Haus mit Glasfaser anzubinden. Um das zu erreichen, müssten zunächst Schulen, Universitäten und größere Betriebe angebunden werden, in späteren Schritten dann auch Wohngebiete. Parallel dazu sei es sinnvoll, all diejenigen Gebiete „nachzuverdichten“, die in der jetzigen Ausbauphase nicht erreicht werden könnten. Das seien rund zwei Prozent der Fläche. Um all das sinnvoll abarbeiten zu können, müsse eine Zielnetzplanung her.

Nordhessischer Breitbandgipfel in der Festscheune beim Hotel Schloss Landau.

 Bisher seien Kupferkabel überall dort in die Erde gelegt worden, wo neue Wohngebiete entstanden. Künftig müsse zielgerichtet geplant werden. Auf der Grundlage dieser Planung sei es dann sinnvoll, bei ohnehin geplanten Baumaßnahmen Leerrohre für Glasfaserkabel einfach mit zu verlegen. Diese „Mitverlegung“ sei ein Gebot des Gesetzes zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze (DigiNetz-Gesetz) von 2016. 

Wer Verkehrswege oder Neubaugebiete erschließt, muss Glasfaserkabel direkt mitverlegen. In einem weiteren Vortrag ging es am Dienstagvormittag um die Kundengewinnung durch die NetCom Kassel. Im Zuge des fortschreitenden Ausbaus müssten natürlich auch die Kosten erwirtschaftet werden. Ein 40 Mbit-Vertrag werde 40 Euro, ein 50-Mbit-Vertrag 45 Euro kosten, kündigte NetCom-Sprecher Daniel Hecker an. Um einen reibungslosen Übergang vom alten zum neuen Anbieter zu gewährleisten, sollten die Kunden nicht selber kündigen, sondern den Portierungsantrag der NetCom überlassen.

Wie umfangreich ist das Bauprogrjekt Breitband in Nordhessen?

Beim Aufbau eines eigenen Breitbandnetzes parallel zur Telekom haben sich die nordhessischen Landkreise eine Menge vorgenommen: Im Oktober 2016 wurden 60 Bauabschnitte in Angriff genommen, von denen bis Ende 2018 immerhin schon 46 mit rund 1500 Kilometer Glasfaserkabel abgeschlossen sein werden. 

Im Laufe des Jahres 2019 folgen auch die restlichen rund 550 Kilometer. Außerdem sind bereits 1020 von insgesamt geplanten 1440 Multifunktionsgehäusen in den Dörfern fertiggestellt. Am Ende sollen 575 Ortsteile in Nordhessen von der NetCom mit schnellem Internet versorgt werden können. Davon sind derzeit 160 Ortsteile noch nicht angeschlossen. Die meisten davon liegen im Werra-Meißner-Kreis und in Waldeck-Frankenberg, weil das gebirgige Gelände hier besonders herausfordernd ist.

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