Plus von 3,1 Prozent eines der stärksten in Hessen

Brutto-Löhne in Waldeck-Frankenberg sind 2017 ordentlich gestiegen

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Die Bruttolöhne in Waldeck-Frankenberg sind 2017 um 3,1 Prozent gestiegen.

Waldeck-Frankenberg. Mit einem Plus von 3,1 Prozent bei den Bruttolöhnen hat sich Waldeck-Frankenberg 2017 stark entwickelt – Einschnitte aus der Krise sind aber noch spürbar.

Mit einem Lohnplus von 1005 Euro brutto pro Arbeitnehmer liegt der Landkreis Waldeck-Frankenberg in Hessen weit vorne: Nur im Kreis Kassel und dem Hochtaunuskreis gab es 2017 einen größeren Anstieg der Bruttogehälter, wie das statistische Landesamt mitteilt. Landesweit stiegen sie um 2,1 Prozent, im Kreis um 3,1 Prozent.

Seit 2010 war die hiesige Entwicklung meist stärker als im Land – so nähert sich das Lohnniveau langsam dem Landesschnitt an: 2009 lagen die Bruttolöhne in Waldeck-Frankenberg bei 85,5 Prozent des hessischen Werts, 2017 waren es mit durchschnittlich 32 948 Euro 87,7 Prozent der hessischen 37 559 Euro. „Diese Entwicklung kann ich absolut bestätigen und sehe sie als wichtigen Schritt in der Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Stadt und Land sowie Süd und Nord“, sagt Gerhard Brühl, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg.

Die Wirtschaft im Kreis sei dynamisch und vielfältig, das Handwerk habe maßgeblichen Anteil, erklärt er die Entwicklung. Auch der Fachkräftemangel könne beigetragen haben, sagt Klaus Dieter Brandstetter, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Waldeck-Frankenberg: „Eine Möglichkeit jemanden zu bekommen ist, mehr zu bezahlen“, erklärt er. Und: „Je ländlicher der Raum, desto größer das Problem.“

Als einen Grund macht der DGB Waldeck-Frankenberg den vergleichsweise hohen Anteil des produzierenden Gewerbes im Kreis aus – mit einem Anstieg von zuletzt vier Prozent ist es treibende Kraft. Es sei gewerkschaftlich gut organisiert, wodurch es gelungen sei, in den Tarifverhandlungen gute Ergebnisse zu erreichen, teilen Gewerkschaftssekretär Holger Kindler und Kreisvorsitzender Gerhard Geitz mit.

Sie weisen darauf hin, was die Statistik nicht hergibt: steigende Preise, Sozialbeiträge und Abgaben der Kommunen sind nicht berücksichtigt.

Waldeck-Frankenberg muss Rückschritte beim Lohn aufholen

Vor der positiven Entwicklung mussten Arbeitnehmer teils erhebliche Einbußen hinnehmen: 2009 gab es ein Minus von 0,7 Prozent, 2008 sogar eines von 6,9. Während ersteres im dritten Jahr der Weltfinanzkrise ein hessenweites Phänomen war, betraf der schwere Einschnitt in vergleichbarer Schärfe nur den Werra-Meißner-Kreis, Fulda und den Vogelsbergkreis. Das liegt laut DGB am „Branchenmix“: „Die Wirtschaftskrise hat den Exportsektor des produzierenden Gewerbes viel stärker getroffen als andere Wirtschaftszweige.“

Brexit und Konjunktureintrübung Gefahr für Lohnentwicklung

„Die demografische Entwicklung und die lange positive Konjunkturentwicklung haben dafür gesorgt, dass die Tarifverträge angestiegen sind, zum Beispiel im Bauhandwerk mit 5,7 Prozent“, sagt Gerhard Brühl, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Dieser Entwicklung ein Ende bereiten könnte ein Einbruch der Konjunktur: „Erste Eintrübungen sind ja schon sichtbar geworden, haben aber das Handwerk noch nicht erreicht.“ 

Ähnlich sieht es Klaus Dieter Brandstetter: „Momentan sieht es so aus, dass die Zukunft sich positiv darstellt – ein wirtschaftlicher Einbruch könnte das ändern.“ Einen solchen könne schon der Brexit auslösen. 

Um die positive Entwicklung der Löhne am Laufen zu halten, rät der DGB Waldeck-Frankenberg zum Eintritt in Gewerkschaften und das gemeinsame Streben nach besseren Löhnen und Bedingungen: „Wenn die Arbeitgeber die hessen- oder bundesweit gültigen Tarifverträge anwenden und ihre Beschäftigten danach bezahlen würden, würden die Löhne in Waldeck-Frankenberg sofort deutlich steigen“, so Geitz und Kindler.

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