Bewährungsstrafe und Drogenentzug als Auflage

Busfahrer verurteilt: Cannabis geraucht und Bus vor Baum gelenkt

Ein mit Schulkindern besetzter Linienbus ist bei Lichtenau (Kreis Paderborn) gegen einen Baum geprallt. 30 Fahrgäste wurden dabei verletzt, zwei davon schwer. Der Bus ist im Landkreis Waldeck-Frankenberg zugelassen. Foto: Polizei Paderborn
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Ein mit Schulkindern besetzter Linienbus ist im April 2019  bei Lichtenau (Kreis Paderborn) gegen einen Baum geprallt. 30 Fahrgäste wurden dabei verletzt, zwei davon schwer. Der Bus war im Landkreis Waldeck-Frankenberg zugelassen

Ein 44-jähriger Busfahrer aus Nordwaldeck ist am Freitagvormittag vom Amtsgericht Paderborn wegen vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung und fahrlässiger Körperverletzung in 30 Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden.

Paderborn/Nordwaldeck. Der Busfahrer hatte sich am 2. April 2019 an das Steuer eines Linienbusses gesetzt, obwohl er zuvor Cannabis geraucht und Antidepressiva genommen hatte. Als Folge dieser berauschender Mittel steuerte er den mit 30 Schulkindern besetzten Bus gegen einen Baum an der Kreisstraße 13 bei Grundsteinheim zwischen Paderborn und Lichtenau.

In der nachfolgenden Rettungsaktion wurden zwei Kinder mit Rettungshubschrauber in Krankenhäuser geflogen. Notfallseelsorger waren vor Ort. Bald aber stellte sich heraus, dass die meisten Kinder mit dem Schrecken und leichten Prellungen davongekommen waren. Auch die zunächst als schwer verletzt eingestuften Kinder konnten schon nach einer Nacht wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Auch deshalb konnte das Verfahren gegen den Busfahrer vor dem Paderborner Amtsgericht relativ schnell abgehandelt werden. Hinzu kam, dass der Busfahrer in vollem Umfang geständig war. Unklar blieb nur die Frage, wann genau der Busfahrer Cannabis konsumiert und das antidepressiv wirkende Medikament eingenommen hatte.

Die Analyse der sofort nach dem Unfall entnommenen Blutprobe kam auf einen relativ hohen THC-Wert. Der vom Gericht bestellte Gutachter schloss daraus, dass der Busfahrer entweder unmittelbar vor der Fahrt Cannabis geraucht haben muss oder aber über einen längeren Zeitraum kontinuierlich. Beide Alternativen deuteten sowohl die Staatsanwältin als auch der Amtsrichter als Hinweis auf eine vorsätzliche Begehung der Straßenverkehrsgefährdung.

Wer Cannabis konsumiere und sich dann an das Steuer eines Linienbusses setze, der nehme damit billigend in Kauf, dass ein folgenschwerer Unfall passieren könne. Das werten Juristen als bedingten Vorsatz. Dass dabei die Fahrgäste verletzt wurden, wurde als fahrlässige Körperverletzung gewertet.

Weil der Busfahrer zuvor noch nie im Straßenverkehr auffällig wurde, konnte die Strafe auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. In dieser Zeit muss er aber nachweisen, dass er sich um Drogenentzug bemüht. Außerdem muss er eine Geldbuße in Höhe von 2000 Euro in Monatsraten von 100 Euro an den Münchener Verein „Keine Macht den Drogen“ abstottern.

Beide Auflagen dürften dem 44-Jährigen nicht leichtfallen. Schließlich hat er nach dem Unfall seine Anstellung als Busfahrer verloren. Inzwischen arbeitet er als Gabelstaplerfahrer. Sein monatliches Einkommen von einst rund 2000 Euro ist dadurch auf rund 1100 gesunken. Erst nach Ablauf von 18 Monaten darf er sich wieder um einen neuen Führerschein bewerben. Die Hürden sind hoch: Fahrtauglichkeit und Drogenfreiheit werden kontrolliert.

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