Waldeck-Frankenberg

CDU-Parteitag: "Wir schauen nach vorn"

- Twistetal (jk). Großen Rückhalt gab es für die führenden CDU-Bewerber beim Kreisparteitag am Samstag in Twistetal. "Wir wollen eine rot-grüne Mehrheit verhindern", gab Spitzenkandidatin Claudia Ravensburg als wichtiges Ziel für die Kommunalwahl im März 2011 aus. Auf Platz zwei und drei gehören Rainer Opper (Gemünden) und der Frankenberger Bürgermeister Christian Engelhardt zum Führungstrio. Künftig nicht mehr im Boot der Union ist Kreistagsvorsitzender Michael Kossmann.

Aufbruchstimmung ist kein leichtes Unterfangen für die CDU in diesen Tagen. Nach zehn Jahren politischer Führung auf Kreisebene gemeinsam mit FWG und FDP hatte sich die Union zuletzt vor allem mit politischen Altlasten zu befassen: Erst ging es um die Ablösung von Dr. Christoph Butterweck (Korbach) an der Spitze von Partei und Fraktion im Gefolge der verlorenen Landratswahl 2009. Dann kamen die Verfehlungen des Ex-Landrats Helmut Eichenlaub (CDU) ans Tageslicht.

Vorm Parteitag der CDU in Twistetal herrschte deshalb knisternde Spannung. Dabei ging es auch um den Kreistagsvorsitzenden Michael Kossmann (Willingen). Die Upländer CDU hatte ihn nicht mehr nominiert. Stattdessen kandidierte mit Delf Bause ein neuer Mann aus Willingen auf Platz 10 der CDU-Liste für die kommende Kreistagswahl. Würde Kossmann seinen Hut gegen Bause in den Ring werfen? Diese Frage stand im Raum.

CDU-Kreisvorsitzender Lutz Klein dankte Kossmann explizit für dessen parlamentarische Arbeit. Eine Kampfabstimmung von Kossmann gegen Bause blieb derweil aus. Zu hoch war offenbar das Risiko für Kossmann, eine dann doppelt bittere Niederlage einzustecken. Denn Bause erhielt mit 156 von 160 gültigen Delegierten-Stimmen ein äußerst klares Votum. Ein künftiges Kreistagsmandat für Bause sollte also sicher sein.

Eine "Kampfabstimmung" folgte derweil um Rang 24 auf der Wahlliste. Der Waldecker Jürgen Vollbracht, im Vorfeld auf Platz 29 nominiert, trat gegen Hermann Kubat (Vöhl) an. Vollbracht machte die Stärke des Waldecker CDU-Stadtverbandes geltend – doch unterlag er am Ende mit 62 zu 91 Stimmen klar gegen Kubat. So bleibt Vollbracht auf Rang 29 für die Kreistagswahl.

Deutliche Vertrauensbeweise heimsten die Top-Kandidaten der CDU ein. Als Neuling auf Platz fünf der Kreistagsliste hatte der Korbacher Dr. Eckhard Drebes mit 106 Stimmen das schlechteste Ergebnis. Für die Mehrzahl im Reigen gab es mit 150 Stimmen und mehr jedoch fast einhellige Zustimmung. Das galt insbesondere für den amtierenden Fraktionschef Rainer Opper (Gemünden), aber auch den ganz hinten auf der Liste platzierten Parteichef Lutz Klein (Battenberg). Beide verbuchten für sich alle 160 gültigen Stimmen. Das gleiche Ergebnis erzielte der Chef des Wahl-Vorbereitungsausschusses ("7er-Ausschuss"), Dr. Edgar Schmal aus Bad Wildungen. Wie Klein kandidierte der erfahrene Wildunger indes nur am Ende der Liste – ohne Aussicht auf ein künftiges Mandat im Kreistag.

Der große Rückhalt für Opper und Klein resultiert auch aus ihrem Willen, in schwierigem Fahrwasser der Union Ende 2009 die Verantwortung zu übernehmen: Opper als Fraktionschef im Kreistag, Klein als Parteichef in Waldeck-Frankenberg – beide als Nachfolger von Christoph Butterweck.

Die Bilanz von Klein und Opper vor den Delegierten blieb nicht ohne Selbstkritik für die Union. Vor allem das "System Eichenlaub" stand dabei im Blickpunkt. Deshalb war es für Klein und Opper strategisch umso wichtiger, auch politische Erfolge der CDU und der Kreiskoalition der vergangenen zehn Jahre zu untermauern: Im Vergleich der nordhessischen Landkreise solide Finanzen in Waldeck-Frankenberg, mächtige Investitionen für Schul- und Straßenbau, Verkauf von Anteilen der Energie Waldeck-Frankenberg (EWF) an die Münchener Thüga AG, flächendeckender Einsatz von Anruf-Sammeltaxis (AST) bis hin zum "Studium Plus" alsneue Außenstelle (Frankenberg/Bad Wildungen) der Fachhochschule Gießen-Friedberg.

So wollten auch Landtagsabgeordneter Wilhelm Dietzel (Diemelstadt) und Bundestagsabgeordneter Bernd Siebert (Gudensberg) mit ihren Berichten aus Berlin und Wiesbaden vor allem Mut machen für die Kommunalwahl. Dietzels Devise: "Die Lage ist viel besser als die Stimmung." Siebert und Dietzel verwiesen auf hessenweit niedrige Arbeitslosigkeit in Waldeck-Frankenberg, Konjunkturaufschwung und wachsende Steuereinnahmen des Staates, die auch den Kommunen in Hessen zugute kommen sollen.

Für Claudia Ravensburg, die neue Spitzenkandidatin der CDU Waldeck-Frankenberg, stand deshalb fest: "Ein überzeugendes Signal aus Twistetal." Rainer Oppers Hoffnung ist dabei, "dass die Wähler uns nicht in Sippenhaft nehmen für das Fehlverhalten des früheren Landrats Helmut Eichenlaub".

Mehr in unserer Zeitungsausgabe vom 15. November.

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