17 Kommunen im Kreis kauften damals gemeinsam 86 Wohncontainer in Litauen

Flüchtlingskrise 2015: Container waren eine Notlösung

Einer der beiden letzten Wohncontainer, die noch an der Ruhrstraße in Frankenberg stehen. Am Boden sind noch die Versorgungsleitungen zu sehen.
+
Einer der beiden letzten Wohncontainer, die noch an der Ruhrstraße in Frankenberg stehen. Am Boden sind noch die Versorgungsleitungen zu sehen.

Fünf Jahre nach der Flüchtlingskrise“ blicken wir heute auf den Wohnraum, der im Landkreis Waldeck-Frankenberg damals knapp war.

Waldeck-Frankenberg – Um im Herbst 2015 genügend Wohnraum für die erwarteten Flüchtlinge zu haben, hatten 17 der 22 Kommunen in Waldeck-Frankenberg gemeinsam 86 Wohncontainer in Litauen gekauft. Die Mobile-Homes kosteten zusammen 1,27 Millionen Euro; das Geld wurde vom Landkreis bezahlt und mit den Kommunen verrechnet.

Genutzt wurden die mobilen Häuschen, die Platz für sechs bis zehn Bewohner boten, aber nur in Frankenberg und Allendorf-Eder, die jeweils fünf davon gekauft hatten. Die anderen Kommunen hielten sie zunächst als Reserve bereit. Viele versuchten aber schon bald, sie wieder zu verkaufen – meist unter dem Einkaufspreis, der bei 12 000 bis 15 000 Euro lag.

Frankenberg

Von den fünf Mobile-Homes in Frankenberg ist seit April 2019 keines mehr bewohnt. „Drei der Container hat die Stadt inzwischen verkauft, durch Abnutzung und Gebrauchsspuren deutlich unter dem ursprünglichen Kaufpreis“, berichtet Pressesprecher Florian Held, ohne eine Summe zu nennen. Zwei Container seien noch im Besitz der Stadt, für einen laufen aktuell Gespräche mit einem Interessenten. Held: „Die Mobile-Homes waren nur eine Übergangslösung für die Bewohner, die relativ schnell anderweitig untergebracht worden sind.“

Bürgermeister Heß sagt: „Die Mobile-Homes waren damals eine nötige Anschaffung, um den vorübergehend hohen Bedarf an Wohnraum decken zu können. Diese Funktion haben sie erfüllt. Ich bin froh, dass wir sie inzwischen nicht mehr brauchen.“

Die Anschaffungskosten habe die Stadt über die Unterbringungspauschalen wieder eingenommen, sodass für die Container keine zusätzlichen Kosten entstanden seien.

Allendorf-Eder

Auch in Allendorf sind die Wohncontainer nicht mehr in Betrieb. Alle fünf wurden 2019 für zusammen 3400 Euro verkauft, berichtet Bürgermeister Claus Junghenn.

Über einen Zeitraum von fast drei Jahren – zwischen Juni 2016 und April 2019 – hatte die Gemeinde in den Mobile-Homes insgesamt 28 Menschen untergebracht. „Da wir in Allendorf nicht genügend Wohnraum zur Unterbringung von Flüchtlingen hatten, kam uns die Anschaffung der Mobile-Homes sehr gelegen“, sagt Junghenn heute. „Es hat zwar Zeit, Arbeit und Geld gekostet, diese auf die erforderlichen Standards umzurüsten, aber wir konnten unsere Unterbringungsmöglichkeiten um 15 Personen erweitern.“ Wie berichtet, hatten sowohl Allendorf als auch Frankenberg rund 60 000 Euro investiert, um ihre je fünf Wohncontainer betriebsbereit zu machen, also die Stellplätze herzurichten und an Gas, Wasser und Abwasser anzuschließen.

„Rückblickend betrachtet, war es für die Gemeinde eine Win-Win-Situation“, sagt Bürgermeister Junghenn. „Neben der Kapazitätserhöhung konnten wir aufgrund der vereinbarten Unterbringungsvergütungen nicht nur die Anschaffungs-, Umrüstungs- und Betriebskosten finanzieren. Am Ende war sogar ein wirtschaftlicher Gewinn zu verbuchen.“

Volkmarsen: Das sagt Bürgermeister Hartmut Linnekugel heute

Der Volkmarser Bürgermeister Hartmut Linnekugel hatte sich 2015 federführend um den Kauf der Wohncontainer gekümmert. Er stellt rückblickend fest: „Man darf die Frage nach den Wohncontainern nicht allein aus heutiger Sicht beantworten. Im Oktober/November 2015 standen wir alle vor der großen Herausforderung, innerhalb kürzester Zeit viele, viele Flüchtlinge menschenwürdig unterbringen zu müssen. In dieser Situation waren wir Bürgermeister froh, dass der Landkreis bereit war, die mobilen Häuser aus Litauen anzukaufen und den Kommunen zur Verfügung zu stellen.“

Parallel dazu sei es den Bürgermeistern gelungen, Wohnraum bei privaten Vermietern zu aktivieren, erinnert Linnekugel. Deshalb wurden einige der Wohncontainer nicht belegt.

„Aus Volkmarser Sicht kann ich sagen: Der Stadt ist kein finanzieller Schaden entstanden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare