Horst Kziuk lag fünf Wochen lang im Koma

Allendorfer berichtet, wie er Corona-Erkrankung nur knapp überlebte

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Lag nach einer Corona-Infektion fünf Wochen im Koma: Horst Kziuk (links), hier auf einem Archivfoto neben Wolfgang Werth, dem damaligen Fußballtrainer des FC Ederbergland.

Horst Kziuk hat in seinem Leben viele Kämpfe geführt – vor allem im Sport. Ende März kämpfte der ehemalige sportliche Leiter des FC Ederbergland um sein Leben. Nach einer Infektion mit dem Coronavirus lag der Allendorfer fünf Wochen in Marburg im Koma. Sein Leben hing am seidenen Faden.

  • Allendorfer hat Corona-Erkrankung nur knapp überlebt
  • Er lag wochenlang im Koma
  • Ärzte: Er hatte viel Glück und einen starken Willen

„Die Ärzte haben mir gesagt, mehr Glück im Leben könne man nicht haben. Dass ich noch lebe, sei, als hätte ich gleichzeitig den Euro- und den Lotto-Jackpot gewonnen“, sagt der 66-Jährige, der derzeit im Frankenberger Krankenhaus versucht, wieder auf die Beine zu kommen. Denn die Krankheit hat vor allem eins gekostet: jede Menge Kraft. „Ich bin derzeit vielleicht bei 25 Prozent“, sagt Kziuk. „Aber Ende März war ich bei minus 100.“

Wo er sich mit dem Virus infiziert hat, weiß Kziuk nicht. Es ist ihm auch nicht wichtig. Fakt ist, dass er sich Mitte März eigentlich vor einer Erkrankung schützen und seine sozialen Kontakte einschränken wollte. Kziuk hatte bereits einen Schlaganfall und Diabetes, dazu sein Alter jenseits der 60 – er gehört zu den Risikopatienten.

Erst Husten, dann Durchfall

Doch da hat er sich wahrscheinlich schon das Virus eingehandelt. Plötzlich fühlt er sich schlecht. Erst nur ein bisschen Husten, danach kommt Durchfall hinzu. „Mir wurde immer komischer“, blickt er auf die Zeit zurück. Zuerst denkt er an einen Magen-Darm-Infekt – erst seine Schwester drängt ihn dazu, sich einen Tag später auf das Coronavirus testen zu lassen. Doch dann geht Kziuk nicht mehr ans Telefon, seine Schwester bittet sein in der Nachbarschaft lebendes Patenkind, nach ihm zu schauen.

Es ist seine Rettung. Hätte niemand nach ihm geschaut, er hätte es wahrscheinlich nicht geschafft. Schon während der Fahrt ins Frankenberger Krankenhaus verschlechtert sich sein Zustand rapide. Kziuk wird sofort an ein Beatmungsgerät angeschlossen, nach einigen Stunden wird er nach Marburg verlegt.

Virus greift sein Herz an

Dort wird festgestellt, dass das Virus sein Herz angreift. Kziuk muss sogar reanimiert werden. Wochenlang kämpft er im Koma in Marburg um sein Leben. „Die Ärzte sagen, ich hätte nur überlebt, weil ich so einen starken Willen habe.“

Mitbekommen von der Außenwelt hat er in dieser Zeit nicht viel. Was nicht heißt, dass Kziuk keine Erinnerungen hat. „Ich hatte wüste Träume“, sagt der 66-Jährige. Extremsituationen habe er durchlebt, immer und immer wieder. Was alle gemeinsam haben? In seinen Träumen durchsteht er alle Situationen.

Für Kziuk ein Zeichen, wie sein Körper sich gegen das Virus stemmt. Er ist sich sicher, dass die Träume Bedeutung hatten: „Du gewinnst, das Virus nicht. Jedes Mal wenn ich in einem Traum gewonnen habe, hat das Virus gegen meinen Körper verloren.“

Er hat Träume im Koma

Gegen Ende seines Komas verändern sich seine Träume, werden positiver. „Einer der letzten Träume war, dass ich mit Hans-Joachim Watzke und Max Eberl über die Neuordnung der Fußball-Bundesliga diskutiert habe.“ Da ist er bereits über den Berg und hat das Schlimmste überstanden.

Er wird aus dem Koma geholt, nach elf Tagen auf der Intensivstation kommt er nach Frankenberg zurück und wird nun auf der geriatrischen Station aufgepäppelt. Was fehlt, ist die Kraft – selbst zum Essen. „Am Anfang konnte ich nicht mal einen Teebeutel aus der Verpackung holen“, erinnert sich Kziuk. 17 Kilogramm Gewicht hat er in den vergangenen Wochen verloren.

Geblieben ist sein Willen. „Ich muss aufpassen, dass ich es nicht zu forsch angehe“, sagt der Allendorfer. Der hat sich aber ein Ziel gesetzt: „Ich will wieder eigenständig die Treppen zu meinem Haus hochlaufen.“

"Grippe? Corona war 20 Mal schlimmer"

Die Diskussionen über den Umgang mit dem Coronavirus in Deutschland verfolgt Horst Kziuk genau. Auch für den Betriebswirt ist klar, dass es Lockerungen geben muss. „Es muss ja langsam wieder alles anlaufen. Man muss die Situation aber Punkt für Punkt immer neu betrachten.“ 

Wogegen er sich entschieden wehrt, ist, das Schicksal gerade älterer Menschen als „Kollateralschäden“ abzutun. „Jeder Mensch verdient es zu leben. Auch ein 90-Jähriger kann sein Leben angemessen gestalten. Jeder lebt sein Leben zu Recht und jeder hat ein Recht darauf, zu leben.“ 

Und weiter: „Hinter jedem Toten steht immer ein Menschenleben. Das sind Menschen, die ohne Corona nicht gestorben wären.“ Das hat er auch in den letzten Tagen auf der geriatrischen Abteilung des Frankenberger Krankenhauses gelernt, wo er mit vielen älteren Patienten liegt. Auch den Hinweis einiger Menschen, das Coronavirus sei nicht gefährlicher als ein normales Grippe-Virus, kontert Kziuk entschieden. 

Eine normale Grippe habe er auch schon gehabt. „Doch Corona war 20 Mal schlimmer. Die Leute, die so was sagen, würden Heulen und Zähneklappern bekommen, wenn sie das erleben würden, was ich erlebt habe. Ich kann denen mal die ganzen Wunden zeigen, die ich während der Behandlung bekommen habe.“ 

Viele Genesungswünsche

Grundsätzlich trete in Deutschland oft eine gewisse Überheblichkeit an den Tag, was Regeln, aber auch Erkenntnisse betrifft. „Gerade bei Corona gibt es täglich neue Erkenntnisse. Denen muss ich Rechnung tragen.“ Dankbar ist er für die gute Betreuung, sowohl in Marburg als auch in Frankenberg. „Das hat mir sehr geholfen, gerade die letzten Tage hier auf der Geriatrie in Frankenberg.“ 

Und er bedankt sich bei vielen Weggefährten, die ihm Genesungswünsche übermittelt haben. „Ich habe so viele Nachrichten bekommen. Man merkt in solchen Situationen erst, wie bekannt man ist und wie man geschätzt wird.“

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