Deutsche Behörden verschärfen Vorgehen - Landkreis ist gerüstet

Corona-Ausbruch: Einreisende werden kontrolliert

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Die Behörden nehmen wegen des vermehrten Auftretens von Corona-Fällen verstärkt das Geschehen bei der Einreise nach Deutschland in den Blick: Menschen, die mit Bus, Bahn oder dem Schiff nach Deutschland kommen, sollen besondere „Aussteigerkarten“ ausfüllen müssen, wie Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin sagte.

Flugreisende aus Infektionsgebieten sollen Informationen über ihren Aufenthaltsort geben. Die Lage habe sich „deutlich verschärft“, sagte Seehofer. Es handele sich um eine „beginnende Epidemie“, betonte der Innenminister und fügte hinzu: „Es wird auch eine weitere Entwicklung nach oben geben.“ 

Auskunft über ihren Aufenthalt sollen den Behörden Rückreisende aus China, Südkorea, Japan, dem Iran und Italien geben, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte. Er kündigte eine gezielte Informationskampagne zu Verhaltensmaßnahmen für Rückreisende aus Norditalien an. In Nordrhein-Westfalen, wo bis Donnerstagmorgen fünf Fälle bekannt waren, suchen die Behörden weiter nach möglichen Infizierten. 

Mehrere Hundert Menschen stehen dort unter häuslicher Quarantäne. Das schätzte der Kreis Heinsberg. Betroffen seien vor allem Besucher einer Karnevalssitzung in Gangelt. Nach bisherigen Zahlen sterben etwa ein bis zwei Prozent der Sars-CoV-2-Infizierten, was höher als bei der Grippe ist. Das neuartige Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten und Sprechen. 

Eine Ansteckung über Oberflächen gilt weiter als unwahrscheinlich. Eine Prognose, wie sich das Coronavirus weiter ausbreiten wird, lehnten beide Minister ab.

Aktuell noch kein Coronavirus-Verdachtsfall in Waldeck-Frankenberg

In Waldeck-Frankenberg gibt es aktuell noch keinen Coronavirus-Verdachtsfall, das teilte der Landkreis auf Anfrage mit. Dennoch übernimmt der dortige Fachdienst Gesundheit schon jetzt unterschiedliche Aufgaben: Dazu gehört die Beratung von Arztpraxen und Krankenhäusern zu Präventions- und Maßnahmenplänen. 

Weiterhin laufen beim Landkreis alle Informationen über Verdachts- oder bestätigte Erkrankungsfälle in Waldeck-Frankenberg zusammen. Der Landkreis koordiniert zudem, dass Verdachtspatienten in Praxen oder Krankenhäusern auf das Virus getestet werden und dass bei einem bestätigten Fall der Patient einer medizinischen Versorgung zugeführt wird. Außerdem ermittelt der Kreis die Kontaktpersonen des Erkrankten, um eine Weiterverbreitung zu verhindern.

Der Landkreis stehe zudem seit Wochen in ständigem Austausch mit dem Land Hessen und anderen hessischen Landkreisen, um sich bestmöglich auf einen Ernstfall vorzubereiten. Wer sich informieren will oder gezielte Fragen oder Sorgen hat: die Hotline des Landes Hessen ist unter 0800/555 466 6 montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr besetzt.

Hygiene: Hände waschen, in Armbeuge niesen, Abstand zu Erkrankten halten

Ist Hände schütteln in Zeiten des Coronavirus noch angesagt? Ist es sinnvoll, sich einen Mundschutz zuzulegen? Das Robert Koch-Institut (RKI) hat darüber informiert, wie jeder Einzelne dazu beitragen kann, den Coronavirus-Ausbruch in Deutschland möglichst gut einzudämmen. RKI-Chef Lothar Wieler: „Bitte niesen Sie nicht in die Hand“, sondern in die Armbeuge. Waschen Sie häufig Ihre Hände, wenn das nicht geht, kann man Desinfektionsgel benutzen.“ 

Das Virus werde bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt ausgeschieden und könne sehr leicht durch eine Tröpfcheninfektion übertragen werden, die man dadurch vermeiden könne. Es gebe aber keine Hinweise dafür, dass das Tragen von Mundschutz im Alltag hilfreich sei. Wer den Verdacht habe, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben, solle nicht unangemeldet in eine Arztpraxis gehen, denn dort könne er andere Menschen anstecken. Betroffene sollten sich besser vorher telefonisch beim örtlichen Gesundheitsamt oder bei ihrem Hausarzt melden. Und beim nächsten Gottesdienst-Besuch ist es künftig vielleicht auch sicherer, den Friedensgruß beim Abendmahl nicht mit einem Händedruck zu bekräftigen. Dazu der evangelische Pfarrer Uwe Hoos-Vermeil: „Es reicht ein freundliches Wort und ein Nicken. Auch das zeigt, ich nehme den anderen wahr und wünsche ihm Frieden." 

Sprechstunde auch per Video

„In meiner Praxis haben schon mehrere besorgte Patienten angerufen und nach einer Impfung gegen das Coronavirus gefragt“, sagt derweil Dr. Ursula Eckel aus Frankenberg. Das Hauptproblem beim Coronavirus sieht die Allgenmeinmedizinerin darin, dass das Virus „hochansteckend“ sei. Ungünstig sei auch die lange Inkubationszeit von zwei Wochen. 

„Unsere Hauptaufgabe ist, eine weitere Ausbreitung der Ansteckung zu vermeiden.“ Im Ernstfall habe sie keinen klassischen Schnelltest, sondern müsse einen Abstrich zunächst einschicken. Das Ergebnis sei nach einem Tag da. Sollte tatsächlich eine Infizierung bestätigt werden, sei dies alleine aber noch kein Grund, den betroffenen Patienten ins Krankenhaus einliefern zu lassen. 

Dr. Ursula Eckel aus Frankenberg

„Wenn es dem Patient nicht schlecht geht, reicht es, ihn nach Hause zu schicken und Quarantäne zu verordnen.“ Wegen der hohen Ansteckungsgefahr sehe sie zwar ein hohes Gefahrenpotential, dass sich große Teile der Bevölkerung infizieren könnten, Panik verbreiten will sie aber auch nicht. 

„Ich schätze die Lage aber als durchaus ernst ein“, betonte sie. Eine besonders wirksame Form gegen die weitere Verbreitung des Coronavirus wird die Frankenberger Hausarztpraxis Eisfeld in Kürze anbieten: die Video-Sprechstunde. „Im Team ist uns schlagartig klar geworden, dass die Videokonferenz einen unschlagbaren Vorteil hinsichtlich der Ansteckungsgefahr bietet. Wir können dann zum Beispiel online Betroffene anleiten, wie sie einen Abstrich machen sollen und die Qualität prüfen, ohne uns anzustecken und ohne Gefahren für unsere anderen Patienten. 

Dann kann das Material ins Labor geschickt werden, wo der Verdacht entkräftet oder bestätigt wird. Wir hoffen allerdings, dass es nicht so weit kommt“, erklärt Hausarzt Stephan Eisfeld. Er wartet allerdings noch auf „grünes Licht“ der Kassenärztlichen Vereinigung, um Video-Sprechstunden anbieten zu können.

Atemschutzmasken seit Tagen ausverkauft

Die Nachfrage nach Atemschutzmasken und Desinfektionsmitteln sei seit Anfang der Woche deutlich gestiegen, sagt Franz Kirchner von der Hirsch-Apotheke in Korbach. „Die Masken sind schon seit mehreren Tagen ausverkauft.“ 

Beatrix Hajek, Inhaberin der Apotheke am Obermarkt in Frankenberg, berichtet: „Wir haben 700 Mundschutze bestellt, aber keine einzige bekommen. Ich habe fast alle Hersteller abtelefoniert, aktuell ist die Lieferung sehr schwierig.“ 

Apotheker müssen passen: Der enormen Nachfrage nach Mundschutz und Handdesinfektion sind die Apotheken nicht mehr gewachsen. Jutta Goldhofer von der Hirsch-Apotheke in Korbach muss der Kundin absagen. 

Desinfektionsmittel sei indes noch vorrätig. Dabei bieten die Masken nur eingeschränkten Schutz vor dem Coronavirus: „Sie schützen in erster Linie das Umfeld der Erkrankten vor Erregern, wenn der Betroffene selbst den Mundschutz trägt. Umgekehrt ist der Schutz eher ungenügend“, sagt Kirchner. Nur Masken vom Typ FFP2 hätten überhaupt eine eventuelle Wirkung, erläutert Hajek. 

Doch was können ihre Kunden sonst tun, um sich zu vor einer Infektion zu schützen? Die Frankenberger Apothekerin sagt: „Man kann versuchen, das Immunsystem durch gesunde Ernährung und Sport weiter zu stärken. Derjenige, der ein gutes Immunsystem hat, wird das Virus wahrscheinlich auch schnell wieder los. Ansonsten sollte man sich in diesen Tagen die Hände noch gründlicher mit Seife waschen als sonst.“

Telefone stehen im Reisebüro nicht still

Im Reisebüro Lauterbach in Frankenberg und auch in der Gemündener Filiale stehen die Telefone derzeit nicht still: „Die Leute rufen bei uns an und fragen, wie der Stand der Dinge ist und ob sie stornieren können“, sagt Inhaber Burkhard Lauterbach. 

„Solange das Auswärtige Amt sich nicht einschaltet, können wir aber gar nichts sagen“, betont er. Erst wenn das Auswärtige Amt bestimmte Regionen zu Sperrgebieten erkläre, könne der Kunde kostenlos stornieren oder umbuchen. „Vorher nicht“, stellt Lauterbach klar. Wann das sein wird, kann er nicht abschätzen. 

„Dann müsste ich hellseherische Qualitäten haben.“ Abgesehen davon, sei aber bei den Buchungen kein genereller Rückgang zu verzeichnen.

So sind die heimischen Krankenhäuser vorbereitet

Kreiskrankenhaus Frankenberg

Im Frankenberger Kreiskrankenhaus bereitet man sich auf einen möglichen Ausbruch des Virus vor: „Das Kreiskrankenhaus Frankenberg verfügt über einen detaillierten Maßnahmenplan wie im Fall der Fälle mit Coronavirus-Patienten umzugehen wäre. Falls ein Infektionsverdacht besteht, wird die erkrankte Person in einem speziellen Isolierzimmer untergebracht“, sagt Pressesprecherin Julia Weiss. Das Kreiskrankenhaus sei prinzipiell immer vorbereitet, Erkrankte mit neuen Infektionskrankheiten versorgen zu können. „Das Coronavirus ist nur einer von vielen möglichen Erregern. Unser Personal wird regelmäßig auf solche Situationen geschult. Die bevorstehende Grippewelle ist da für uns relevanter“, betont die Pressesprecherin. Dementsprechend gebe es auch keinen speziellen Notfallplan für das Coronavirus. Zur Vorbeugung einer Infektion empfiehlt das Krankenhaus – wie auch bei jeder Grippewelle – auf Einhaltung der Hygienemaßnahmen zu achten. „Dazu zählen die Husten- und Nies-Etikette, also Husten oder Niesen in ein Einwegtaschentuch oder die Armbeuge mit Abstand zu anderen Personen, gute und regelmäßige Händehygiene sowie Abstand zu Erkrankten (zirka 1 bis 2 Meter) und die Vermeidung, sich größeren Menschenmassen anzuschließen."

Asklepios Stadtklinik Bad Wildungen

Die Asklepios Stadtklinik in Bad Wildungen ist für den Ernstfall gut vorbereitet, sagt Krankenhaushygieniker Dr. Christian Wöhner. „Seit Aufkommen des neuartigen Coronavirus haben regelmäßig Besprechungen im Krankenhaus-Hygieneteam stattgefunden, in dem die zu treffenden Maßnahmen festgelegt und organisiert worden sind. Von der Verdachtsabklärung bis zur Ergreifung von Schutzmaßnahmen ist das Personal im ärztlichen und im pflegerischen Bereich umfassend gebrieft.“ Christoph Steltner, Stellvertretender Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme und Miroslav Iovanovici, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme, erläutern die aktuelle Situation: „Nach wie vor isolieren wir vorsorglich jeden Patienten, welcher mit grippeähnlichen Symptomen zu uns kommt, bereits nach der Ersteinschätzung in der Triage (Einteilung der Patienten nach Krankheitsschwere) und führen direkt in der Notaufnahme einen Schnelltest durch.“ Abhängig von Risikofaktoren wie beispielsweise Auslandsaufenthalten in China oder Norditalien würde bei einem negativen Influenza-Schnelltest noch ein weiterer Test für das Coronavirus in die Wege geleitet. „Dies war allerdings bisher noch nicht nötig.“

Krankenhaus Bad Arolsen

Der Lungenfacharzt und Infektiologe Walter Knüppel, Chefarzt am GNH-Krankenhaus in Bad Arolsen, rät im Fall der drohenden Ausbreitung des Coronavirus zur Besonnenheit: „Von China-Reisen wurde ja schon lange abgeraten. Jetzt rate ich auch von Reisen in die besonders betroffenen Gebiet in Italien ab.“ Aber es bestehe kein Grund zur Panik. Das Krankenhaus sei wie alle Krankenhäuser in Deutschland gut vorbereitet. Die Hygienebeauftragten wüsste, was zu tun sei. Knüppel: „Wir stehen in Kontakt mit dem Gesundheitsamt in Korbach, außerdem halten wir engen Kontakt zum Robert-Koch-Institut.“

Krankenhaus Korbach

Schon bei der Aufnahme überprüft das Krankenhaus Patienten auf Symptome wie Husten, Fieber und Atemnot. Im Verdachtsfall folge ein Test, im Erstfall seien Quarantänemaßnahmen möglich. Mitarbeiter seien geschult, ausreichend Schutzkleidung sei vorhanden, sagt Sprecherin Tanja Jostes.

Run auf Desinfektionsmittel wegen Virus

Da wo sonst Desinfektionsmittel für die Hände oder Desinfektionstücher stehen, klafft eine Lücke im Regal: „Die Nachfrage ist enorm gestiegen“, sagt Ines Heimann, Marktleiterin bei Rossmann in Korbach. „Wir beobachten eine erhöhte Nachfrage von bestimmten Produkten und stehen hierzu zu im engen Austausch mit unseren Lieferanten“, ergänzt Kim Güttler, Sprecherin der Drogerie-Kette. Auch bei DM in Korbach haben die Kunden zugegriffen: „Im Moment ist nichts vorrätig, wir versuchen aber den Bestand zu erhöhen“, sagt Marktleiterin Katharina Knoche.

VON UNSEREN REDAKTEUREN

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