Entgelt-Statistik veröffentlicht

Corona bremst Einkommens-Entwicklung in Waldeck-Frankenberg

46 Euro pro Monat weniger als zu erwarten war, haben Vollzeitkräfte in Waldeck-Frankenberg 2020 brutto verdient.
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46 Euro pro Monat weniger als zu erwarten war, haben Vollzeitkräfte in Waldeck-Frankenberg 2020 brutto verdient.

2020 stiegen die Löhne und Gehälter in Waldeck-Frankenberg schwächer an, als der Trend hätte vermuten lassen – nur eine Erkenntnis aus der neuen Entgelt-Statistik.

  • Mit detaillierten Angaben auf Landkreis-Ebene wartete die neue Entgelt-Statistik auf.
  • In die Werte spielt die Corona-Pandemie hinein – der Anstieg der Löhne und Gehälter wurde ausgebremst.
  • Beim Lesen der Statistik ist zu beachten, das nur sozialversicherungspflichtige Vollzeitkräfte erfasst werden.

Waldeck-Frankenberg – Ohne die Pandemie hätte das mittlere Monats-Einkommen im Landkreis im vergangenen Jahr um brutto 46 Euro höher gelegen: Das ist eine Erkenntnis, welche die Agentur für Arbeit aus der jüngst veröffentlichten Entgelt-Statistik für den Landkreis zieht. Diese Zahl basiert auf der Fortschreibung der Entwicklung seit 2016 – und dem niedrigeren Wert, der 2020 tatsächlich gemeldet wurde.

Das mittlere Brutto-Einkommen lag demnach bei 3317 Euro im Monat. Gemeint ist damit der Median: Jeweils gleich viele Arbeitnehmer verdienen mehr oder weniger als diesen Wert. Ebenfalls zu beachten: In die Statistik fließen nur sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte ein, im Kreis sind das zum Stichtag 31. Dezember 2020 39 892 Personen. Bei den gut 19 000 Teilzeitkräften ist die genaue Arbeitszeit nicht bekannt, was es unmöglich macht, sie sinnvoll in die Statistik einfließen zu lassen, erklärt Uwe Kemper, Leiter der Agentur für Arbeit Korbach.

Von 2016 bis 2019 war das mittlere Brutto-Einkommen jährlich um 73 bis 109 Euro gestiegen – der jüngste Anstieg um 45 Euro bedeutet eine deutliche Abflachung. Derweil stieg der Wert bundesweit noch geringer: von 3401 auf 3427 Euro.

Im Corona-Krisenjahr 2020 stelle sich die Frage, inwieweit das Kurzarbeitergeld in den Meldungen der Arbeitgeber enthalten ist, heißt es im Vorwort der Statistik. Eine exakte Bestimmung, wie groß die Auswirkungen der Pandemie auf die Zahlen sind, sei nicht möglich. Es könne aber davon ausgegangen werden, dass Kurzarbeit der dominierende Baustein des Corona-Effekts sein dürfte – zu Beispielen für andere Auswirkungen gehörten einerseits Corona-Zulagen in bestimmten Branchen, andererseits Verzicht auf Gehaltserhöhungen.

Ohne Abschluss liegt das mittlere Einkommen gut 600 Euro niedriger, mit einem Helfer-Job mehr als 1000 Euro, hält Uwe Kemper fest: „Auch unter finanziellen Aspekt lohnt es sich zu fragen: Wie groß ist meine Bereitschaft, mich weiter zu qualifizieren? Und in welche Richtung soll es gehen?“ Eine Folgerung aus der Statistik sei, dass es sich auf das Leben hochgerechnet lohnen könne, einiges an Mühe auf sich zu nehmen.

Großes Einkommensgefälle zwischen Frauen und Männern

Mit einem Median-Einkommen von 2809 Euro liegen weibliche Vollzeitkräfte im Kreis deutlich unter dem Verdienst von Männern mit 3492 Euro. Das ist ein größerer Unterschied als im Bund (3171 zu 3565 Euro). Während das mittlere Einkommen von Männern seit 2018 um jeweils rund acht Prozent gestiegen ist, waren es bei den Frauen im Bund 11,9 und im Kreis 15,1 Prozent. „Die Schere geht ein bisschen zu“, sagt Uwe Kemper – aber nicht signifikant.

Statistik zeigt viele Löhne und Gehälter, aber nicht alle

Die Aussagekraft der Entgelt-Statistik wird dadurch eingeschränkt, dass nur die Bezahlung sozialversicherungspflichtiger Vollzeitkräfte in sie eingeht, erläutert Agenturleiter Uwe Kemper. Die rund 19 000 Teilzeitkräfte werden also nicht berücksichtigt. Für manche Branchen bedeutet das, dass ein Großteil der Beschäftigten nicht in die Statistik einfließt. In der Altenpflege arbeiten beispielsweise 59 Prozent in Teilzeit, in den Gesundheitsberufen rund 44 Prozent, in der Gastronomie knapp 42 Prozent der sozialversicherungspflichtig Angestellten – gerade dort gibt es auch viele nicht sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter. Zudem hält Uwe Kemper fest: „Wir müssen sagen, dass Teilzeit weiblich ist.“ 85,5 Prozent der Teilzeit-Kräfte sind Frauen.

Die detaillierten Daten zu einzelnen Berufsgruppen auf Landkreis-Ebene sind eine Neuerung: Online abrufbar sind sie auf statistik.arbeitsagentur.de. Zeitreihen sind noch nicht verfügbar, aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Berufsgruppen hätten sich nicht auffällig verändert, sagt Uwe Kemper. Beim Vergleich mit anderen Regionen erinnert er daran, den Kaufkraftunterschied zu berücksichtigen.

Ein Beispiel aus der Statistik: 5281 Arbeitnehmer werden als größte Gruppe unter „Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe“ geführt – und ihr mittleres Einkommen liegt im Kreis höher als im Bund: 3710 statt 3663 Euro. Die meisten Berufe im industriellen Bereich bewegen sich in der Höhe der Bundeswerte, liegen mal etwas höher, mal etwas niedriger – rein auf Westdeutschland bezogen fällt der Vergleich etwas schlechter aus. Der Median der Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe in den alten Bundesländern liegt 112 Euro höher als in Waldeck-Frankenberg. (wf/red)

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