Kreis schließt sein Impfzentrum in Korbach

Corona-Impfungen gibt es ab Oktober nur noch in Arztpraxen

Bei Corona-Schutzimpfungen in einem Boot: Gesundheitsdezernent und Vizelandrat Karl-Friedrich Frese, der Bezirksvorsitzende des Hausärzteverbandes, Dr. Dirk Bender, und der Leiter des Fachdienstes Gesundheit, Thomas Hetche. Der Kreis schließt sein Impfzentrum in Korbach.
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Bei den Corona-Schutzimpfungen in einem Boot - von links: Gesundheitsdezernent und Vizelandrat Karl-Friedrich Frese, der Bezirksvorsitzende des Hausärzteverbandes, Dr. Dirk Bender, und der Leiter des Fachdienstes Gesundheit, Thomas Hetche

Der Kreis schließt zum 1. Oktober sein Impfzentrum in Korbach. Dann übernehmen die niedergelassenen Ärzte diese wichtige Aufgabe komplett.

Waldeck-Frankenberg – Die Teams in den Praxen sehen sich dafür gerüstet: „Es wird weiter gut laufen“, beteuert Dr. Dirk Bender, der seit zwei Jahren Bezirksvorsitzender des Hausärzteverbandes ist. „Die Kapazitäten sind vorhanden.“

Mit dem Ersten Kreisbeigeordneten und Gesundheitsdezernenten Karl-Friedrich Frese sowie dem Leiter des Fachdienstes Gesundheit, Thomas Hetche, erläuterte er am Donnerstag im Kreishaus, wie der Übergang laufen soll.

Vorgabe des Landes Hessen

Die Schließung des Impfzentrums sei eine Vorgabe des Landes, sagte Frese. Die „sehr übersichtliche“ Beteiligung an der derzeit laufenden Sonderimpfaktionswoche spiegele einen „allgemeinen Trend“ wider: Immer weniger Interessenten kämen in die großen Zentren. „Da holen wir nicht mehr viel raus“, urteilt Frese.

Das Impfen werde deshalb ins „reguläre Gesundheitssystem überführt“ – also ganz den niedergelassenen Ärzten übertragen. Diesen Übergang „wollen wir gut gemeinsam hinbekommen“.

„Das kann jede hausärztliche Praxis leisten“

„Das Impfen gehört seit 40, 50 Jahren zu den hausärztlichen Tätigkeiten“, sagte Dr. Bender. Die Praxen hätten alle neuen Impfungen bewältigt – also warum nicht auch die gegen Corona? Allein er habe am Mittwoch mit seinem Praxisteam in Willingen 33 Erstimpfungen und 30 Zweitimpfungen verabreicht, außerdem eine dritte „Booster-Impfung“.

Insgesamt habe er bislang 2401 Erstimpfungen und 2441 Zweitimpfungen ausgegeben. „Das kann jede hausärztliche Praxis leisten“ – er kenne Kollegen, „die haben mehr geimpft als wir“. Es hänge vom Engagement des Arztes ab.

Die Zusatzaufgabe gehe bei den Mitarbeitern schon an die Grenzen der Kräfte, aber die Kollegen „können sich alle vorstellen, das weiter für die Patienten zu tun“.

Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Hausärzten

Für Thomas Hetche ist der Übergang sinnnvoll, schließlich bestehe ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und ihren Hausärzten. Die Mediziner leisteten Impfaufklärung und könnten Skeptiker vielleicht überzeugen, sich doch noch impfen zu lassen. Die Praxen seien „im System eine wichtige Säule im Gesundheitsschutz“.

Schon jetzt haben die niedergelassenen Ärzte nach aktuellen Zahlen des Landes 29 Prozent der Waldeck-Frankenberger mit der zweiten Impfung geschützt, das Impfzentrum, die mobilen Impfteams und die Kliniken kommen auf 35,1 Prozent. Etwa zwei Drittel der Einwohner hätten wenigstens ihre Erstimpfung, stellt Frese fest. Die Impfquote im Kreis sei gut, urteilt Dr. Bender.

Kinder noch ungeschützt

Etwa 56 000 Menschen sind derzeit noch nicht geschützt, darunter auch Kinder unter zwölf Jahren, für die noch keim Impfstoff zugelassen ist – ein Antrag von Biontech liegt der Europäischen Arzneimittelagentur vor.

Nachfragen kämen von stillenden Müttern und Schwangeren, berichtet Dr. Bender. Die Ständige Impfkommission halte eine Impfung ab der zweiten Schwangerschaftsphase für möglich, sagt Thomas Hetche.

„Booster-Impfung“  nur für über 80-Jährige

Derzeit kommen Forderungen auf, der Zweitimpfung eine „Booster-Impfung“ folgen zu lassen. Sie sollen das Immunsystem aufs Neue anregen, das Corona-Virus zu bekämpfen. Bislang gebe es dazu keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission, erklärt Dr. Bender.

Der „Booster“ könne sinnvoll sein bei über 80-Jährigen, deren Zweitimpfung länger als sechs Monate zurückliege – er beginne nächste Woche in Williger Altenheimen mit Impfungen.

„Die Heime werden der Schwerpunkt für den ,Booster’ sein“, erklärt auch Hetche. Bei den unter 80-Jährigen ließen die derzeit vorliegenden Studien allerdings eine „nicht so große Wirkung vermuten“, fügt Dr. Bender hinzu – aber es gebe noch keine „validen“, also gesicherten Zahlen.

Impfschutz für alle

Was macht, wer keinen Hausarzt hat? Patienten hätten die Freiheit, sich ihren Arzt zu wählen, antwortet Dr. Bender. „Das Impfen ist nicht daran gebunden, bei einem Hausarzt zu sein“, betont er. Die Impfung sei bei Corona auch keine kassenärztliche Leistung: Der Staat finanziere die Impfaktion. Deshalb könnten sich auch Menschen ohne Krankenversicherung in einer Praxis den schützenden „Piks“ geben lassen.

Insgesamt 100 332 Waldeck-Frankenberger ab zwölf Jahren waren bis zum vorigen Montag vollständig geimpft. Das berichtet Frese. Die Impfquote bezogen auf alle Einwohner liege damit bei 64,1 Prozent.

„Impfen empfinde ich als Bürgerpflicht“

„Das Impfen empfinde ich als Bürgerpflicht“, sagt Dr. Bender. Es sei das Mittel, um die Seuche zurückzudrängen. Es diene zudem dem Schutz der Gesellschaft, ergänzt Hetche: Nichtgeimpfte gefährden nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch die anderer, die sie mit dem Virus anstecken können.

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