Nachweise öfter nötig

Corona in Waldeck-Frankenberg: Andrang bei Bürgerstests, aber zu wenig Teststellen

Corona-Schnelltest: Michaela Kuhnhenn (links) entnimmt mit einem Wattestäbchen eine Probe aus der Nase von Jessica Müller. Die Twistetalerin ist dafür in die Homberghalle nach Lelbach gekommen.
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Corona-Schnelltest: Michaela Kuhnhenn (links) entnimmt mit einem Wattestäbchen eine Probe aus der Nase von Jessica Müller. Die Twistetalerin ist dafür in die Homberghalle nach Lelbach gekommen.

Weil im Zuge der Bundes-Notbremse nun häufiger ein Nachweis über einen negativen Corona-Schnelltest vorgelegt werden muss, ist der Andrang an den Teststellen in Waldeck-Frankenberg teilweise stark gestiegen.

Das zeigt sich vor allem in den Mittelzentren. „Die Menschen rennen uns die Bude ein. Es kommen Testwillige aus dem gesamten Waldecker Land“, berichtet der Korbacher Physiotherapeut Thomas Kuhnhenn und kritisiert: „Es gibt in Waldeck-Frankenberg zu wenig Teststellen.“

Kuhnhenn hat in der Homberghalle in Korbach-Lelbach eine Teststelle eingerichtet. Dort werden Nasen- oder Spuck-Tests von geschulten Mitarbeitern durchgeführt. Anschließend gibt es einen schriftlichen Nachweis – eine Voranmeldung ist nicht nötig.

Paradox ist: Gerade weil der Andrang aktuell so groß ist, hat Kuhnhenn eine zweite Teststelle in der eigenen Praxis nach kurzer Zeit wieder aufgeben müssen. Dort war ein Test nur mit Voranmeldung möglich. „Ich hatte in den letzten Tagen 400 bis 500 Anrufe. Meine Patienten sind gar nicht mehr durchgekommen“, sagt der Physiotherapeut. Es habe keine andere Möglichkeit gegeben, als die Teststelle in der Praxis wieder zu schließen.

Anmeldungen würden ab sofort nicht mehr entgegengenommen. „Wir arbeiten die 300 vereinbarten Termine jetzt noch ab. In Zukunft können sich dann nur noch unsere eigenen Patienten in der Praxis testen lassen“, so Kuhnhenn.

Thomas Kuhnhenn, Physiotherapeut aus Korbach

Seit März können sich Bürger kostenlos und im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten mindestens einmal pro Woche schnelltesten lassen – beispielsweise, um Angehörige in Pflegeeinrichtungen zu sehen, den Friseur zu besuchen oder auch ohne jeglichen Anlass. Dass dies fleißig in Anspruch genommen wird, hat auch der Korbacher Facharzt für Innere Medizin, Dr. Helmut Goldhofer, erfahren. Allerdings musste auch er seine Teststelle in der Tanzschule Mundhenke in Korbach wegen des Andrangs wieder schließen.

„Der Vermieter war nicht erfreut darüber, dass so viele Menschen dorthin geströmt sind. Solange ich keine neuen Räume habe, biete ich die Tests nur noch meinen eigenen Patienten an“, sagt Dr. Goldhofer. Auch er betont, dass es mehr Teststellen im Landkreis geben müsste.

Landkreis ruft dazu auf, Teststellen zu schaffen

Einrichtungen des Gesundheitswesens dürfen kostenlose Bürgertests durchführen. Der Landkreis „begrüßt es sehr, wenn noch weitere Ärzte, Apotheken, medizinische Labore oder Rettungs- und Hilfsorganisationen solche Tests anbieten“. Dafür müssen sich die Einrichtungen unter amtsarzt@lkwafkb.de und beim Land Hessen unter testungen@hsm.hessen.de als offizielle Corona-Teststelle anmelden. Die Abrechnung erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung. Die Liste mit den Teststellen, an denen die kostenlosen Bürgertests gemacht werden können, ist hier zu finden.

Nachweis muss in schriftlicher Form vorliegen – Selbsttest vor Ort auch möglich

Wenn ein negativer Corona-Test gefordert wird, heißt das, dass ein schriftlicher Nachweis über ein negatives Testergebnis vorgezeigt werden muss. Das erfuhr unsere Zeitung auf Nachfrage beim Hessischen Sozialministerium. Kinder, die vor Unterrichtsbeginn in der Schule getestet werden, dort aber keinen schriftlichen Nachweis erhalten, müssen daher außerhalb der Schule einen weiteren Test machen. Die notwendigen Nachweise erhalten Personen, wenn sie einen kostenlosen Bürgertest oder einen kostenpflichtigen PCR-Test machen. In Apotheken ist es zudem möglich, einen kostenpflichtigen Schnelltest zu machen und darüber einen Nachweis zu erhalten. Mittlerweile bieten auch viele Firmen kostenlose Tests samt Nachweis für ihre Mitarbeiter an. Auch ein vor Ort durchgeführter, offiziell zugelassener Selbsttest gilt laut Verordnung als Beleg. Voraussetzung ist, dass die Einrichtung, die man besuchen will, das Testverfahren überwacht. Ob das die jeweilige Einrichtung oder das Geschäft macht, sollte aber immer vorher angefragt werden.

Negativ-Test ist beim Friseur, im Zoo und in einigen Läden Pflicht

Die Inzidenz in Waldeck-Frankenberg liegt seit mehreren Wochen regelmäßig über 100. Daher gelten aktuell unter anderem folgende Corona-Beschränkungen:

- Private Zusammenkünfte im öffentlichen/privaten Raum sind nur zwischen Personen eines Hausstandes mit einer weiteren Person aus einem anderen Hausstand möglich (Kinder bis Vollendung des 14. Lebensjahres nicht mitgezählt);

- Kein Verlassen des häuslichen Bereichs zwischen 22 und 5 Uhr. Ausnahmen: Weg zur Arbeit, medizinischer Notfall, Mandatsausübung, Wahrnehmung des Sorge- oder Umgangsrechts, Betreuung unterstützungsbedürftiger Personen oder Minderjähriger oder Begleitung Sterbender, Versorgung von Tieren („Gassi gehen“). Bis 24 Uhr ist es möglich, alleine draußen zu joggen oder spazierenzugehen;

- ÖPNV: Pflicht zum Tragen einer Atemschutzmaske (FFP2 oder vergleichbar);

- Geöffnet bleiben: Lebensmittelhandel, Direktvermarkter, Getränkemärkte, Reformhäuser, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker, Hörakustiker, Tankstellen, Stellen des Zeitungsverkaufs, Buchhandlungen, Blumengeschäfte, Tierbedarfsmärkte, Futtermittelmärkte, Großhandel. Es gelten Maskenpflicht und Hygienekonzepte;

- In allen weiteren Geschäften ist Einkaufen nur mit Termin und aktuellem negativen Testergebnis möglich (Click and meet, aber nur bis zur Inzidenz unter 150). Ebenso bleibt der Dienstleistungsbereich, soweit nicht ausdrücklich genannt, offen: beispielsweise Fahrrad- und Autowerkstätten, Banken, Sparkassen und Poststellen. Im Baumarkt muss auch ein negativer Corona-Test vorgelegt werden, im Gartenmarkt dagegen nicht.

Friseurbesuch: Nur wer einen negativen Corona-Test belegen kann, bekommt die Schere angelegt.

- Körpernahe Dienstleistungen sind nur zu medizinischen, therapeutischen, pflegerischen oder seelsorgerischen Zwecken und nur mit FFP2-Maske zulässig. Kosmetik- und Tattoostudios sind zu, ebenso Fitnessstudios und Solarien. Friseurbesuch und Fußpflege mit negativem Corona-Test und mit Maske (FFP2).

- Gastronomie, Hotellerie, Freizeit- und Kultureinrichtungen sind geschlossen. Abholung- und Lieferdienste sind möglich. Außenbereiche von zoologischen und botanischen Gärten können mit negativem Test besucht werden.

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