Veranstalter weiter in der Krise

Corona-Lockerungen helfen der Veranstaltungsbranche kaum 

Ausbildung trotz der Krise: Louisa Nahler und Esther Haverland (rechts) lernen während des Lockdowns bei MW-Event die Arbeit mit Veranstaltungstechnik.
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Ausbildung trotz der Krise: Louisa Nahler und Esther Haverland (rechts) lernen während des Lockdowns bei MW-Event die Arbeit mit Veranstaltungstechnik.

Die Veranstalter von Konzerten oder anderen Großereignissen in Waldeck-Frankenberg leiden immer noch sehr unter der Corona-Krise.

Waldeck-Frankenberg – Wie Lockdowns gezählt werden, unterscheidet sich je nach Sparte – für die Veranstaltungsbranche ist es immer noch der erste, sagt Stefan Müller, Inhaber von MW-Event aus Korbach. Vom eigentlichen Veranstaltungsgeschäft bleibe bloß ein einstelliger Prozentanteil des Vorkrisen-Niveaus übrig. Die gesamte Branche rechne mit 95 Prozent Ausfall.

Am Donnerstag machte MW-Event erstmals seit März 2020 Licht und Ton für eine Open-Air-Veranstaltung. 750 Gäste im Inneren, 1500 draußen sind seit den jüngsten Lockerungen erlaubt. Viel neues Geschäft entstehe dadurch nicht, die Lage sei wie vor einem Jahr. Ein bisschen Zeltverleih, ein paar kleinere Betriebsfeiern, Versammlungen und Präsentationen: „Alles sehr gedämpft“, sagt Stefan Müller.

Mit kleinerem Publikum sind Veranstaltungen nicht rentabel

Es beständen viele Auflagen, teils werde der genaue Umgang mit ihnen noch ausgelotet. Die genaue Ausgestaltung der Regeln sei aber gar nicht so entscheidend, solange Großveranstaltungen wegfallen. Egal wie ein Hygienekonzept aussieht: Künstler und Technik kosten das gleiche. Mit kleinerem Publikum sei das nicht profitabel. In anderen Landkreisen gebe es gerade mehr Partys und Konzerte – Müller rechnet nicht damit, dass das lange anhält.

Das Gemündener Unternehmen Depro-Dienstleistungen freue sich über jedes positive Signal der Normalisierung, aber „wir stehen dem Ganzen insgesamt sehr skeptisch gegenüber“, sagt Geschäftsführer Matthias Fischer. Gründe dafür seien für das Unternehmen die derzeit steigenden Fallzahlen, das zu erwartende kalte Wetter ab Herbst und der Blick in die Nachbarländer. „Insoweit ist mit der Freude auch die Befürchtung verbunden, dass es nur von kurzweiliger Dauer ist und so letztlich den Weg in die Normalität nur für alle verlängern wird“, sagt Fischer.

Veranstaltungsbranche in der Krise: Alle im Team sind sehr motoviert

Das Unternehmen habe sich daher dazu entschlossen, in diesem Jahr noch keine Konzerte oder ähnliche Veranstaltungen auszurichten, sondern sich auf die Saison 2022 zu konzentrieren. Auch durch die jüngsten Corona-Beschlüsse hat sich die Meinung des Unternehmens nicht geändert. „Für Veranstalter bieten die neuen Corona-Beschlüsse keine ausreichenden Perspektiven“, sagt Fischer.

Was macht die Veranstaltungsbranche, wenn praktisch keine Veranstaltungen stattfinden? Sein Betrieb könne sich anpassen, erklärt Stefan Müller, Inhaber des Korbacher Unternehmens MW-Event: Kongresse als Hybrid-Veranstaltungen zu betreuen, Videostreams einzurichten, Konferenzräume sowie Online-Studios zu planen und zu installieren, dies gehöre zu den Angeboten. Das sei aufwendiger, als viele annehmen – decke aber auch nur einen Bruchteil des üblichen Geschäfts ab. Neu aufgestellt habe der Betrieb sich nicht, sondern nutze die Breite und Flexibilität.

Es gelinge, das zwölfköpfige Team beisammen zu halten, alle seien motiviert. Auch wenn es nötig war, sich weitere Jobs als Ergänzung zu suchen: Aus der Kurzarbeit sind alle heraus. Lobend hebt er hervor, dass Geschäftspartner und Freunde an den Betrieb denken, der auch ohne Veranstaltungen viele Dienstleistungen erbringen könne. Besonders hebt Stefan Müller hervor, dass zwei Auszubildende in der Krise die Arbeit mit der Veranstaltungstechnik lernen: Esther Haverland begann schon vor der Corona-Krise ihre Ausbildung, aber der Lockdown prägt die Lehre.

Veranstaltungsbrache: Bis zu normalem Betrieb wird es noch dauern

Die Theorie wird in der Schule zwar vermittelt, Praxis ist aber schwieriger. Stefan Müller erläutert, dass sie im Lager mit dem Aufbau von Ausstattung üben – und sie eine gute Zwischenprüfung hingelegt habe. Erst anderthalb Wochen dabei ist Louisa Nahler. Sie hatte schon in anderen Bereichen geschnuppert, aber die Veranstaltungsbranche interessierte sie von Kindesbeinen an: „Ich weiß, dass das jetzt ein Risiko ist, aber habe mir gesagt: Ich mach das jetzt.“

Bis sie und ihre Kollegen wieder normalen Betrieb erleben, dürfte es derweil noch dauern: „Das wird dieses Jahr nichts Großartiges mehr geben“, sagt Stefan Müller – manche Prognosen gingen noch viel weiter. Das einzige, was das Geschäft wieder profitabel mache, sei Normalität. Was es braucht? „Dass sich alle impfen lassen. Punkt“, sagt Stefan Müller. (bec/wf)

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