Nur wenige Influenza-Fälle in diesem Jahr

Corona-Pandemie: Grippewelle verläuft durch Einschränkungen harmlos

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Eine milde Grippesaison: In diesem Jahr erkrankten nur wenige Deutsche an der Grippe. Ein Grund dafür sind auch die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie.

Ein milder Winter mit wenigen Influenza-Fällen und einem Impfstoff, der optimal gegen das Virus geholfen hat

Für die Willinger Gemeinschaftspraxis, in der auch Dr. Dirk Bender arbeitet, war es eine ruhige Grippesaison. „In diesem Winter waren das Influenza A(H3N2) und A(H1N1) vorherrschend“, sagt der Facharzt für Allgemeinmedizin und Bezirksvorsitzende des Hausärzteverbands, „diese Stämme enthielt auch der Impfstoff.“ 450 Patienten wurden seit September 2019 in der Praxis gegen Grippe geimpft. Das seien ungefähr 55 Prozent der Risikogruppe. Bender betont: „Im Bundesdurchschnitt waren es in der vorherigen Saison nur 35 Prozent.“

Ein Grund dafür ist auch das Coronavirus. „Einige Patienten kamen im Februar und März noch zum Impfen, weil eine Kreuzantigenität zwischen Corona- und Grippeviren vermutet wurde“, sagt Bender. Außerdem sollte vermieden werden, dass ein Patient gleichzeitig beide Krankheiten bekommt: „In Deutschland fielen der Höhepunkt der Grippewelle und der Covid-19-Neuerkrankungen zum Glück zeitlich nicht zusammen.“

Weniger Erkrankungen aufgrund der Corona-Pandemie

Die Maßnahmen, die aufgrund der Corona-Pandemie ergriffen wurden, haben die Grippewelle jedoch positiv beeinflusst. „Bereits Ende Februar wurde eine Arbeit aus Japan vorgestellt, die aufzeigt, dass die Influenza-Erkrankungen durch den dortigen Lockdown um bis zu 60 Prozent zurückgegangen sind“, so Bender. Eine ähnliche Beobachtung hat das Robert-Koch-Institut auch in Deutschland bekannt gegeben. Gänzlich aufhalten könne man das Grippe-Virus jedoch nicht. „Die Mutation von Influenza-Viren führt dazu, dass bekannte Stämme neue Oberflächeneigenschaften entwickeln. Dadurch werden sie plötzlich nicht mehr vom Immunsystem erkannt und machen uns krank“, sagt er. Deshalb sei eine theoretische Herdenimmunität, anders als etwa bei Masern, nicht zu erreichen.

Dr. Dirk Bender Facharzt für Allgemeinmedizin

Die Zahl der Erkrankungen könne jedoch eingeschränkt werden. Bender: „Wenn im Laufe einer Influenzasaison von 100 ungeimpften Menschen zehn an Grippe erkranken, liegt diese Zahl nach Impfungen nur bei vier bis sechs.“ Zudem verlaufe die Erkrankung bei geimpften Personen milder und mit weniger Risiko.

Robert-Koch-Institut gibt Ende der Grippesaison bekannt

Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab bekannt, dass die sogenannte Grippewelle mit Ablauf der zwölften Kalenderwoche als offiziell beendet gilt. 185 893 Menschen haben sich in dieser Saison mit dem Influenza-Virus angesteckt, 476 Fälle davon endeten tödlich, gemäß den Meldungen an das RKI. Schätzungsweise gab es 4,5 Millionen Arztbesuche wegen Influenza. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen geringer. Die äußerst schwere Grippesaison Anfang 2018, in der 329 752 Erkrankungen registriert wurden, ist bei weitem nicht erreicht. 

Waldeck-Frankenberg: Kein signifikanter Unterschied zum Vorjahr

In Waldeck-Frankenberg wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt 118 meldepflichtige Influenzaerkrankungen bestätigt. Es zeige sich kein signifikanter Unterschied zu den Vergleichszahlen aus dem vergangenen Jahr. Als Gründe für die Ausbreitung nennt das Gesundheitsamt vor allem die niedrigen Temperaturen und die trockene Luft, die im Winter vorherrschen. Diese Bedingungen sorgen dafür, dass die Grippeviren länger überleben und sich so besser ausbreiten können. Zudem sei die Schleimhaut der Atemwege bei trockener Luft anfälliger für eine Infektion und das Immunsystem in den Wintermonaten weniger kampffähig. 

Auch das Norovirus ist ein Thema

Diese Bedingungen führen außerdem dazu, dass sich ein weiteres Virus verbreiten kann. Das Norovirus, welches eine Magen-Darm-Erkrankung verursacht, ist laut Gesundheitsamt ebenfalls in den Wintermonaten sehr präsent. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall: die Symptome einer Magen-Darm-Infektion sind bekannt. 

In Waldeck-Frankenberg wurden in diesem Frühjahr 96 Erkrankungen gemeldet, das seien deutlich weniger, als im Vorjahr. Dennoch sei die Zahl der Magen-Darm Erkrankten wahrscheinlich höher, da nicht bei jedem Patienten eine Laboruntersuchung veranlasst wurde. Genau wie bei der Grippe, kann es auch beim Norovirus zu Todesfällen kommen, da Erkrankte viel Flüssigkeit und damit auch Nährstoffe verlieren. Während es für die Grippe jedoch Impfmittel gibt, ist dies beim Norovirus noch nicht der Fall. (sk)

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