Coronakrise

Kein Unterricht in Waldeck-Frankenberger Fahrschulen

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Abstand halten: Auf der Straße geht das, im Fahrschulauto nicht. 

Auch in den Fahrschulen Waldeck-Frankenbergs ruht der Betrieb wegen der Corona-Krise – ein wirtschaftliche und pädagogische Herausforderung.

Zusammen mit anderen Bildungseinrichtungen wurden sie per Verordnung ab dem 18. März geschlossen, weder im praktischen noch im theoretischen Unterricht lassen sich 1,50-Meter-Abstände wahren. Fahrerlaubnisprüfungen sind ebenfalls ausgesetzt.

„Die Fahrschüler werden im Lernstand zurückgeworfen“, sagt der Korbacher Fahrlehrer Helmut Schmidt. Um zumindest den theoretischen Unterricht beizubehalten, werde verstärkt über Online-Angebote gesprochen. Der Fahrlehrerverband Hessen vermeldet: „Wer einen Antrag mit einem schlüssigen Konzept bei seinem RP abgibt, erhält die Genehmigung, Online-Theorie-Unterrichte anzubieten. Diese Genehmigung soll auf die Corona-Zeit befristet werden.“

Zuvor hatte das Hessische Verkehrsministerium auf Anfrage unserer Zeitung erklärt: „Online-Angebote in Bildungseinrichtungen sind grundsätzlich möglich. In der Fahrschulausbildung setzt ihr Einsatz aber ein tragfähiges Konzept voraus, das von den für den Vollzug des Fahrschulrechts zuständigen Regierungspräsidien sorgfältig zu prüfen wäre.“

Kritik an Online-Unterricht in Fahrschulen

Der Fahrlehrerverband sieht das ganze Konzept und die rasche Entscheidung kritisch – und auch vor Ort gibt es Bedenken: „Die Frage ist aber, welche Fahrschule das leisten kann und welche nicht“, sagt Helmut Schmidt. Ähnlich sieht es der Battenberger Fahrlehrer Christoph Bälzer: „Nicht jede Fahrschule ist dafür aufgestellt. Zudem ginge der persönliche Kontakt verloren.“

Auch die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände erklärt, der Präsenzunterricht und persönlicher Kontakt zu Lehrern und Mitschülern sei für die „Ausbildung zu sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Fahrern“ unverzichtbar. Und der Praxisunterricht entfalle derzeit ohnehin. Um sich in der Theorie fit zu halten, seien die Lernprogramme gut geeignet, befindet Bälzer –wenn sie genutzt werden: „Es ist allgemein ein Problem, dass viele erst vor der Prüfung lernen.“

Die wirtschaftliche Lage sei kritisch: Einnahmen fallen weg, Rücklagen ließen sich in der Branche kaum bilden, bis Förderung ankomme, könne es dauern. „Wenn das mehr als einen Monat geht, kenne ich Fahrschulen, die um ihre Existenz bangen“, hält der Battenberger fest – gerade, wenn sie Angestellte haben.

Wenn der Betrieb wieder aufgenommen wird, kommt ein weiteres Problem hinzu: Es gibt zu wenige Fahrlehrer, was bei Nachholbedarf noch prekärer werde, erklärt Helmut Schmidt. Von Seiten der Fahrschulen gibt es deshalb den Vorschlag, Begrenzungen zu lockern, wie viel Unterricht Fahrlehrer leisten dürfen. Prüfungen gibt es frühestens wieder ab dem 19. April: „Doch wer weiß, ob man dann gleich was kriegt“, sagt Bälzer.

Ausnahme für Lastwagen-Ausbildung

Der Betrieb von CE-Fahrschulen für die Klassen C1, C1E, C, CE und T ist weiterhin gestattet, erklärt das Hessische Verkehrsministerium: „Grund der Ausnahme ist die Aufrechterhaltung von Lieferketten und Logistik.“ Aufgrund der Dynamik der Situation lasse sich nicht absehen, inwiefern Beschränkungen gelockert werden können. Die Staatliche Technische Überwachung Hessen hat erklärt, dass sie die Prüfungen anstehender Bewerber durchführt, sofern Prüfer und Sachverständige dies freiwillig tun.

Aktualisierung am 8. April, 11.34 Uhr:

Was passiert, wenn die Frist abläuft, um die praktische Prüfung abzulegen? Diese Frage erreicht uns aus der Leserschaft. Eine Anfrage beim TÜV Hessen ergibt: Aktuell ist zwischen Land und TÜV vereinbart, dass Fristen, die zwischen 16. März und 19. April ablaufen würden, auf den 19. Juli verlängert werden. Was mit Daten geschieht, die nach dem 19. April kommen, ist noch nicht verhandelt. Einige Länder haben die Fristen derweil schon um ein Jahr verlängert.

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