Sorge um Gesundheit und Zukunft - Auch Jüngere melden sich

Angst vor Corona: Mehr Anrufe bei Telefonseelsorge

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Sorge um die Gesundheit: Wegen des Coronavirus rufen derzeit mehr Menschen bei der Telefonseelsorge an.

Die Menschen sollen ihre Freizeit derzeit möglichst Zuhause verbringen. Vor allem für viele Ältere bedeutet das: Einsamkeit, keine Gesprächspartner.

Das spürt auch die Telefonseelsorge Nordhessen. Dort steige die Zahl der Anrufe deutlich, sagt Geschäftsführerin Salome Möhrer-Nolte.

Im Fokus stehe dabei für die meisten Menschen das Coronavirus. Vielen Anrufer falle es schwer, mit ihren Ängsten umzugehen, sie würden sich Sorgen machen um ihre Gesundheit, aber auch darüber, wie es in Zukunft für sie weiter geht. In der Anfangszeit hätten zudem viele ihrem Ärger Luft gemacht, sagt Möhrer-Nolte. Auf „das System“ und „die da oben“ sei geschimpft worden, doch das habe deutlich nachgelassen, jetzt sei bei den meisten angekommen, warum die getroffenen Maßnahmen wichtig seien.

Für die Ehrenamtlichen gibt es mehr Anrufe, zudem mehr Beratungen per Chat und Mail. Diese Möglichkeiten des Kontakts würden vornehmlich auch Jüngere nutzen.

Es fehlt an Ehrenamtlichen

Die personelle Situation bei der Telefonseelsorge Nordhessen habe sich verschärft. Es gebe zwar viele Angebote von Menschen, die für die Zeit der Coronakrise ihre Hilfe angeboten haben, sagt Möhrer-Nolte. Allerdings ist die Ausbildung der Ehrenamtlichen umfangreich, dauert insgesamt gut ein Jahr. „Wir überlegen, ob wir einen Schnelleinstieg schaffen können für Menschen mit entsprechender Vorbildung.“ Wer also beispielsweise eine psychologische Ausbildung hat, könnte eine Kurzschulung bekommen. 

Ein weiteres Problem: Es gibt nur eine Leitung zur Telefonseelsorge in Kassel. „Und wir müssen von der Dienststelle aus telefonieren, im Home Office ist das nicht möglich.“ Das sei eine bundesweite Vorgabe. Ist besetzt, geht das Gespräch weiter an eine andere Notfallseelsorge – zumindest, wenn dort nicht ebenfalls besetzt ist. Daher appelliert Möhrer-Nolte an Anrufer, es auch mehrmals zu versuchen, sobald es beim ersten Mal nicht klappt.

Raus aus der Gedankenspirale

Ratschläge erteilen die Ansprechpartner den Anrufern nicht. Wie bei allen Sorgen und Nöten werde versucht, gemeinsam etwas zu erarbeiten. „Und ein großes Pfund ist Zuhören“, sagt sie. Vielen helfe es schon, einmal auszusprechen, was ihnen sonst ständig im Kopf herumgeht und so aus einer Gedankenspirale heraus zu kommen. Gemeinsam würden Ehrenamtlicher und Anrufer schauen, welche Ängste es konkret gibt und wie man durch den Tag kommen könnte. Kleine Schritte würden gemacht.

Bundesweit – für die Seelsorge Nordhessen allein gibt es keine Zahlen – gibt es derzeit 3800 Anrufe täglich bei der Telefonseelsorge. Ansonsten seien es gut 500 Anrufe weniger am Tag, sagt Möhrer-Nolte.

Dass die „Nummer gegen Kummer“, ein Sorgentelefon speziell für Kinder und Jugendliche, „insbesondere in diesen Zeiten“ ein wichtiges Beratungsangebot sei, das aufrecht erhalten werden sollte, sagt Nina Pirk vom Trägerverein „Nummer gegen Kummer“. Man gehe davon aus, dass es die Beratungen auch in der nächsten Zeit geben werde, wenn auch wahrscheinlich mit weniger Beratungsleitungen“. Das Online-Angebot sei in den nächsten Wochen sichergestellt.

Ob es auch bei der „Nummer gegen Kummer“ einen Anstieg der Anruferzahlen gibt, darüber gibt Pirk keine Auskunft. 

Kontakt zu Telefonseelsorge & Co.

Rund um die Uhr ist die Telefonseelsorge erreichbar unter 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222. Den Zugang zur Beratung per Mail und Chat gibt es hier. Das Kinder- und Jugendtelefon, die Nummer gegen Kummer, ist montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter 116 111 zu erreichen. Alle diese Anrufe sind kostenlos, auch vom Handy, und immer anonym. Infos gibt es auch auf der Internetseite der Nummer gegen Kummer.

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