Badespaß ist wegen aktueller Verordnungen kaum vorstellbar

Coronavirus: Steht die Freibad-Saison vor dem Aus?

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Ein typisches Bild aus der Zeit vor Corona: Im Landauer Freibad genießen die vornehmlich jungen Besucher den Badespaß. Dass es in diesem Jahr eine Freibad-Saison gibt, ist mehr als fraglich.

Wegen der Corona-Krise werden viele Menschen ihren Sommerurlaub daheim verbringen. Dass sie sich stattdessen im Freibad abkühlen können, ist jedoch unwahrscheinlich.

Seit Mitte März haben die Hallenbäder geschlossen und auch für die Freibadsaison ist die Prognose düster: Wegen der Kontakt- und Versammlungsverbote ist der Badebetrieb untersagt.

„Wir öffnen erst, wenn es grünes Licht von der Landes- oder Bundesregierung gibt“, betont Wolfgang Wilhelm, Geschäftsführer der Bäderbetriebsgesellschaft Korbach. Er erinnert daran, dass die Hallenbäder – und damit auch das Korbacher Goldbad – zusammen mit den Fitnessstudios und Gaststätten geschlossen wurden. „Ich gehe davon aus, dass wir erst dann wieder starten dürfen, wenn das auch den anderen Einrichtungen erlaubt wird. Auch wenn wir uns eine baldige Öffnung wünschen, ist diese im Moment schwer vorstellbar.“ Es gehe schließlich darum, Infektionen zu vermeiden.

WolfgangWilhelmBäderbetriebsgesellschaft Korbach

„Jeder schaut nun darauf, ob die Infizierten-Zahlen nach den Lockerungen stark ansteigen. Passiert das, wird man die Einschränkungen wieder verstärken“, ist sich Wilhelm sicher. „Aber selbst wenn es keinen Anstieg gibt, ist unklar, ob Hallen- und Freibäder öffnen dürfen. Bäder gelten als Versammlungsstätten – und diese müssen bis 31. August zu bleiben.“

Außerdem sei es fast unmöglich, einen Badebetrieb zu organisieren, ohne dass die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln verletzt würden. „Zwar kann sich das Virus nach jetzigem Stand der Wissenschaft nicht im Wasser übertragen. Doch unsere Badegäste gehen gemeinsam in die Umkleiden und Duschen oder sind im Becken nah beieinander. Kinder halten sich nicht an die Abstandsregeln. Morgens kommen Frühschwimmer, von denen viele älter als 60 Jahre sind und damit zur Risikogruppe gehören“, zählt Wilhelm auf. „Solange die Vorschriften gelten, werden wir logischerweise nicht öffnen.“

Der Bäderchef hofft zwar, dass sich die Situation ändert. Doch selbst wenn es im August wirklich noch grünes Licht geben sollte, werde er das Freibad nicht mehr öffnen. „Der Aufwand und die Kosten wären für wenige Bade-Wochen viel zu hoch.“

Auch Karl-Heinz Schleiter ist angesichts geltender Corona-Regeln skeptisch, was eine baldige Öffnung angeht. Der Geschäftsführer der Energie-Gesellschaft-Frankenberg, die das Ederberglandbad in Frankenberg betreibt, betont: „Wir halten uns ebenfalls strikt an die Vorgaben. Sicherheit geht vor.“ Ebenso wie in Korbach werden daher auch in Frankenberg aktuell keine Vorbereitungs-Arbeiten im Freibad durchgeführt. „Diese Arbeiten hätten zur Folge, dass Wasser in die Becken gelassen werden müsste. Dieses muss gereinigt und gechlort werden. Wir hätten laufende Betriebskosten, ohne zu wissen, wann überhaupt wieder Badegäste kommen dürfen“, so Schleiter. 

„Sonst klettern die nachts über den Zaun“

Seit rund zwei Wochen ist das „alte“ Wasser im Battenberger Freibad abgelassen. Die Becken wurden gereinigt, schadhafte Fliesen sollen ausgetauscht werden. „Wir bereiten uns vor, um zeitlich nicht in die Bredouille zu kommen“, sagt Schwimmmeister Dirk Dornseif. 

Aber: „Wann wir die Freibäder öffnen, ob sie dieses Jahr überhaupt wegen der Corona-Krise geöffnet werden – das wissen wir nicht.“ Normalerweise öffnet das Battenberger Freibad Anfang bis Mitte Juni. Das Bad in Dodenau meistens etwas früher. Wie soll man in Corona-Zeiten die besonderen Abstands- und Hygienebestimmungen umsetzen und sicherstellen? Diese Frage bereitet dem Battenberger Schwimmmeister Kopfzerbrechen. Dornseif: „Es gibt Empfehlungen vom Bäderverband, wie viele Badegäste wir pro Quadratmeter Wasserfläche ins Becken lassen dürfen. In Battenberg wären das dann maximal 40 bis 50. Dazu sollen Sammelumkleiden geschlossen und nur jeder fünfte Schrank in der Umkleide geöffnet werden.

Auch an den Duschen müsste man zusätzliches Personal postieren. Aber wie will man das kontrollieren?“, fragt Dornseif. Mit dem vorhandenen Personal sei das jedenfalls nicht möglich. „Stellen Sie sich mal vor: An einem heißen Tag tummel sich 40 Personen im Wasser und über 100 stehen draußen schwitzend am Eingang“, zeichnet Dornseif ein Szenario. „Wenn man die Badegäste tagsüber nicht ins Freibad lässt, klettern sie wahrscheinlich nachts über den Zaun“, vermutet der Battenberger Schwimmmeister. Unter diesen Voraussetzungen sei es ernsthaft zu überlegen, besser das Hallenbad wieder zu öffnen. 

Entscheiden über eine Öffnung der Bäder müsse letztlich die Politik, betont Dirk Dornseif. In diesem Fall Bürgermeister Christian Klein zusammen mit der Energie Waldeck-Frankenberg als Eigentümerin.

„Regeln stellen uns vor Herausforderungen“

Trotz der Tatsache, dass in Deutschland in den vergangenen Jahren immer mehr Schwimmbäder aus wirtschaftlichen Gründen schließen mussten, gibt es in Waldeck-Frankenberg immer noch eine recht annehmbare Zahl solcher Freizeit-Einrichtungen. Die Freibäder werden hierbei häufig von Fördervereinen betrieben. Welche Auswirkungen die Corona-Krise für sie hat, erfuhren wir beispielhaft in einem Gespräch mit Marcel Glase und Thomas John, die den Freibadverein in Bad Arolsen-Landau führen. 

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist es ziemlich schwierig, belastbare Aussagen zur kommenden Schwimmsaison zu treffen. Nach dem Stand der Dinge liegt es schlicht nicht in unserer Macht zu entscheiden, ob wir das Bad öffnen oder nicht“, sagt Thomas John und fügt mit Blick auf den nächsten Donnerstag hinzu: „Wir erhoffen uns maßgebliche Hinweise von der für den 30. April angekündigten Sitzung von Bund und Ländern, bei der es auch um den öffentlichen Sport und damit, im weiteren Sinne, um das Schwimmen gehen soll. Insgesamt sind wir für die Öffnung des Bades skeptisch gestimmt.“ Planmäßig würden die Landauer ihr Freibad zu Pfingsten öffnen. 

Badespaß im Freibad in Landau. Ob es in diesem Jahr dazu kommt, ist fraglich. 

„Käme Ende April das Okay aus Berlin, könnten wir den Termin auch halten“, sagt Marcel Glase. Allerdings wissen John und Glase auch, dass die geltenden Corona-Vorschriften in der Praxis kaum umzusetzen sind. „Bei allen Planungen sind wir von behördlichen Vorgaben abhängig, gerade auch mit Blick auf die Abstandsregeln und die Verhinderung größerer Ansammlungen von Menschen. Diese Regeln umzusetzen, würde uns vor besondere Herausforderungen stellen“, sagen die beiden Vorsitzenden. 

Das eigentliche Schwimmen ließe sich zwar regeln, weil das Freibad über genügend Leinen verfüge, um auch das 50-Meter-Becken in Bahnen zu trennen. „Aber was ist mit tobenden und spielenden Kindern? Wie lassen sich Heranwachsende von Kontakten abhalten? Ergibt ein Mundschutz im Freibad überhaupt Sinn?“, fragt John. Bis zu einem gewissen Maß könne der Freibadverein bei seiner Klientel auf Vernunft setzen. „An brütend heißen Tagen mit hunderten potenziellen Badegästen hätten wir als Verein mit begrenzten personellen Ressourcen aber wohl keine Chance, scharfe Regeln durchzusetzen. Und das Szenario, dass wir möglicherweise aus Kassel angereiste Familien abweisen müssten, weil wir nur eine bestimmte Zahl von Badegästen einlassen dürfen, möchten wir uns nicht gern vorstellen“, sagt Marcel Glase und fügt hinzu: „Wir könnten nur schützen, wenn sich die Gäste an die beschriebenen Regeln halten und solange ihre Zahl für uns zu händeln ist. Für die nötige Desinfektion könnten wir grundsätzlich sorgen – jedoch auch nur mit einem erhöhten personellen, also ehrenamtlichem Einsatz, sowie mit dem Anbringen von Spendern.“ 

Dass gleichzeitig auch die Bade-Aufsichten ausreichend geschützt sind, halten die Vorsitzenden für schwer umsetzbar. „Wir könnten diese nur schützen, wenn kein Badegast in Gefahr gerät. Eine Rettung erfordert immer hautnahen Kontakt, möglicherweise ist Mund-zu-Mund-Beatmung nötig. Wir würden unsere Aufsichten folglich nur dann einsetzen, wenn von der DLRG als der zuständigen Fachinstanz Grünes Licht käme. Die aktuellen Signale deuten nicht darauf hin“, sagt Thomas John. In letzter Konsequenz hieße das: Der Freibadverein i könne den Einsatz der Aufsichten nicht verantworten.

So ist die Situation an den Seen in Waldeck-Frankenberg

Nicht nur Schwimmbäder sind beliebte Badeorte, sondern auch Seen. Für die dortige Aufsicht ist die DLRG zuständig. Ob an Eder-, Diemel-, und Twistesee oder am Teichmann-See im Sommer gebadet werden darf, steht ebenfalls in den Sternen. „Auch wir haben das Problem, dass wir in der Schwebe hängen, da die Vorgaben natürlich auch für uns gelten“, sagt Michael Dorl, Leiter Einsatz beim DLRG-Kreisverband Waldeck-Frankenberg. 

Eine Rettung von Personen sei ohne Kontakt unmöglich. „Dieses Problem haben alle Hilfsorganisationen und man muss darauf achten, dass sich alle strikt an die Hygienevorgaben halten“, sagt Dorl. Im Zuge der Covid-19-Pandemie sei daher auch die Herzlungenwiederbelebung nach Vorgabe des Deutschen Rates für Wiederbelebung dahingehend geändert worden, dass keine Beatmung des Patienten, sondern nur noch die Herzdruckmassage durchgeführt werde.

„Das Gesicht des Patienten ist dabei mit einem Tuch oder Kleidungsstück abzudecken, um den Helfer nicht durch ausgeatmete Luft und die darin enthaltenen Aerosole zu gefährden“, so Dorl. Gegen einen baldigen Start der Badesaison sprechen aus Sicht des DLRG-Mitarbeiters zunächst die wenig sommerlichen Temperaturen und die Tatsache, dass noch kein Wasserrettungsdienst an den Seen durchgeführt werde. 

Sommerfreunden am Twistesee: Aktuell sind solche Menschenansammlungen wegen der Corona-Krise untersagt

„Das Problem sind aktuell auch die Menschenansammlungen an den Seen, die durch Polizei und Ordnungsämter kontrolliert und gegebenenfalls aufgelöst werden. In diesem Zuge werden die Parkplätze der Seen an den kommenden Wochenenden und Feiertagen wohl auch gesperrt“, ist sich Dorl sicher. An Baden ist also nicht zu denken. Wann die Badestellen – die laut Dorl nicht alle durch eine Aufsicht bewacht werden – geöffnet werden, hänge von den Vorgaben von Land, Kreis und Kommunen ab. 

„Wenn sie geöffnet und offiziell zum Baden freigegeben sind, kann man davon ausgehen, dass die Corona-Beschränkungen gelockert wurden und auch wieder die DLRG an den Seen sein wird.“ Es gebe schon Infos des DLRG-Landesverbands, dass langsam mit den Vorbereitungen an den Wachstationen begonnen werden soll. „Natürlich unter Einhaltung der Hygienevorgaben und in Kleingruppen bis zwei Personen“, sagt Dorl. Er weist noch darauf hin, dass im Falle einer Öffnung die Menschen zu ihrer eigenen Sicherheit immer nur an beaufsichtigten Badestellen oder an einem Gewässer mit Aufsicht baden sollten.

Gesellschaft für Badewesen fordert schnelle Klarheit

Mit einem Schreiben an die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten der Länder fordert die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) mit Blick auf die zu erwartenden Beschlüsse am 30. April mehr Klarheit für die öffentlichen Schwimmbäder. „Für unsere Mitglieder wäre außerordentlich wichtig, kurzfristig zu wissen, ob die Freibäder unter das generelle Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August 2020 fallen. Die Möglichkeit, Freibäder zu eröffnen, müsste spätestens Ende Juni, also mit Beginn der Sommerferien, geschaffen werden, um überhaupt noch Akzeptanz bei Betreibern und Badegästen zu finden“, schreibt die DGfdB.

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