Milde Winter lässt Getreide und Primeln wachsen, auch Maulwürfe sind mächtig aktiv

„Das Wetter ist ganz normal“

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In Wildungen blühen Primeln im Garten.

Waldeck-Frankenberg - Der milde Winter hat seine Vorteile. Heizkosten bleiben gering, Schnee schippen entfällt, der Rasen ist schön grün. Doch Landwirte blicken kritisch auf das Wetter. Sollte es es nach den milden Wochen noch einmal stark frieren und Schnee als Schutzdecke fehlen, ist Schaden programmiert.

Der erste Monat des Jahres fällt in Teilen der Welt turbulent aus. Polare Temperaturen in den Vereinigten Staaten, Stürme an den Küsten Großbritanniens, Überschwemmungen in Australien. Hingegen herrscht in Deutschland eine für Januar ungewöhnliche Wärme.

Vorteil oder Nachteil? „Grundsätzlich ist das Wetter normal. Es gab immer schon Winter, die in Teilen sehr mild ausgefallen sind“, sagt Dieter Levin-Schröder von der Kasseler Gartenakademie, die Teil des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen ist. Mit Schäden an Pflanzen im Garten oder auf der Terrasse müsse erst dann gerechnet werden, wenn es nach einer langen milden Periode plötzlich zu Frost mit deutlichen Minustemperaturen käme. „Die Pflanzen sind jetzt nicht in ihrer tiefsten Abhärtungsstufe. Würde es nun sehr schnell sehr kalt, könnten sie sich nicht auf den Temperaturwechsel einstellen und nähmen Schaden“, erklärt der Experte.

Ähnlich wie im kleinen Garten verhält es sich auf den großen Anbauflächen der Bauern. „Aus landwirtschaftlicher Sicht machen wird uns jetzt noch keine Sorgen“, sagt Wilhelm Spangenberg, stellvertretender Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft beim Landkreis Wal- deck-Frankenberg. „Problematisch wird es erst, wenn nach einer langen milden Witterung sich Temperaturen von minus 10, 15 Grad Celsius einstellen und eine Schneedecke fehlt“, erklärt auch er. Vor allem Wintergerste sei empfindlich gegen späten Frost. „Je weiter das Wachstum der Pflanzen aufgrund der milden Witterung fortgeschritten ist, desto höher wird der Schaden, wenn sich plötzlich starker Frost einstellt. Wir sprechen dann von Kahlfrösten - und davor hat jeder Landwirt Respekt“, sagt Spangenberg.

Bleibe es weiterhin mild und offen, sei auch mit einer Mäuseplage zu rechnen, sagt der Experte weiter. Längst sind auf Feldern und Wiesen schon unzählige Mäuselöcher auszumachen. Aber auch viele Maulwurfshügel.

Weil es viel geregnet hat, sind die oberen Bodenschichten weich, was Würmer und Insekten anzieht - die Hauptnahrung der Maulwürfe. Also gehen sie derzeit recht nah an der Erdoberfläche auf Futtersuche, wodurch sie mehr Auswurf produzieren als in Zeiten, wenn die Böden trocken oder von Dauerfrost hart sind und die Maulwürfe ihrer Beute dann in tiefere Erdschichten folgen. Außerdem braucht der Maulwurf die Hügel und Gänge zur Erdoberfläche auch zur Belüftung seines unterirdischen Reiches. Sobald im Frühling wieder mehr Betrieb im Garten einkehrt, macht sich der Ruhe liebende Maulwurf von alleine wieder davon; die Mäuse allerdings bleiben.

Geblieben sind dieses Jahr auch einige Trupps Kraniche. „Es sind längst nicht alle Kraniche über den Winter in den Süden geflogen. Einige kleinere Trupps überwintern in geschützten Lagen Süd- und Mittelhessens, andere sind noch auf Rügen und wieder andere Trupps sind aus Südeuropa schon zurückgekehrt“, erklärt der Korbacher Ralf Enderlein von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Für Vögel wie Meisen, Kleiber oder Spatzen, die den Winter in Deutschland verbringen, sei der warme Winter eher eine Wohltat - sie finden ohne Probleme genügend Nahrung.

Während Pflanzenschäden für Landwirte finanzielle Folgen haben, rät Dieter Levin-Schröder Hobbygärtnern zur Gelassenheit. „Auch wenn ein Pflanzenverlust für den einzelnen durchaus ärgerlich sein kann: Als Gärtner muss man mit der Natur leben und kann einen Verlust auch als Chance sehen: Es gibt Platz für etwas Neues.“

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