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Zahl der Arbeitslosen in Waldeck-Frankenberg ist im Juli erneut gestiegen

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Die Arbeitsagentur in Göttingen
Die Zahl der Arbeitslosen in Waldeck-Frankenberg ist im Juli erneut gestiegen: 3362 Menschen auf Jobsuche waren gemeldet. © Bernd Schlegel

Die Zahl der Arbeitslosen in Waldeck-Frankenberg ist im Juli erneut gestiegen: 3362 Menschen auf Jobsuche waren gemeldet, das sind 333 oder elf Prozent mehr als im Juni – und 260 oder 8,4 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Waldeck-Frankenberg – Die Arbeitslosenquote steigt im Juli um 0,4 Punkte auf 3,9 Prozent. Vor einem Jahr hatte sie bei 3,5 Prozent gelegen. Damit setze sich die für den Sommer untypische Entwicklung aus dem Vormonat fort, erklärte der Leiter der Korbacher Agentur für Arbeit, Uwe Kemper, am Freitag bei der Vorstellung der Zahlen. Grund für den Anstieg sei der Wechsel der ukrainischen Flüchtlinge in die Betreuung der Jobcenter zu Anfang Juni – sie kommen damit neu auf den Arbeitsmarkt.

Der selbe Trend zeigt sich im Korbacher Agenturbezirk, zu dem die Kreise Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder gehören. Dort ist die Arbeitslosenzahl im Juli um 601 auf 7214 gestiegen, ein Plus von 9,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sind es 468 oder 6,9 Prozent Arbeitslose mehr. Die Quote erhöht sich auf 3,9 Prozent, das sind 0,3 Punkte mehr als im Juni und als im Vorjahresmonat.

Die Lage in den drei Geschäftsstellen

Blick auf die Lage in den drei Geschäftsstellen im Kreis:

Anstieg bei Frauen und Jugendlichen

Vom Anstieg der Arbeitslosenzahl im Juli sind die verschiedenen Gruppen unterschiedlich stark betroffen, wie Uwe Kemper, erläuterte:

Ukrainer kommen auf den Arbeitsmarkt

Für Kemper macht sich bei dieser Verteilung auch der Einfluss der Flüchtlinge aus der Ukraine auf den Arbeitsmarkt bemerkbar: Weil den wehrpflichtigen Männern die Ausreise verwehrt ist, kämen gerade Frauen nach Deutschland. Viele von ihnen kamen mit Kindern und Jugendlichen, die ab einem Alter von 15 Jahren in die Statistik eingehen könnten.

Ein zweiter Grund für den Anstieg bei den jungen Leuten: Im Sommer meldeten sich Schulabsolventen arbeitslos, wenn noch kein Ausbildungsplatz in Sicht sei, berichtete Kemper – andere lassen sich registrieren, wenn sie ab dem Wintersemester studieren wollen.

Etwas mehr Langzeitarbeitslose

Bei der Langzeitarbeitslosigkeit hat die Agentur in den beiden Jahren der Corona-Pandemie mit Sorge auf die Entwicklung geblickt. Vor der Pandemie war die Zahl angesichts des großen Bedarfs an Mitarbeitern gesunken, als „Lockdowns“ und Kurzarbeit alltäglich wurden, kletterte die Zahl in die Höhe.

Erleichtert hatte die Agentur schließlich eine Trendwende festgestellt, fünf Monate sei die Zahl der Langzeitarbeitslosen kontinuierlich gesunken, erinnerte Kemper. Im Juli sei die Zahl aber minimal gestiegen. Im Juli waren 1692 Männer und Frauen gemeldet, das sind elf Betroffene mehr – es sind aber immer noch 347 weniger als vor einem Jahr.

Weniger offene Stellen

Während die Zahl der Arbeitslosen steigt, sinkt die Zahl der offenen Stellen. Im Agenturbezirk ist sie im Juli um 474 auf 3387 zurückgegangen, das ist ein Minus 12,3 Prozent. Es sind zudem 349 Stellen weniger als vor einem Jahr. Kemper betonte, dass der Bestand immer noch auf dem Niveau wie vor der Pandemie liege – im Juli 2019 waren es 3363 stellen.

Der Stellenbestand in Waldeck-Frankenberg sank im Juli 275 auf 1660. Im Jahresvergleich bedeutet das einen Rückgang um 431 Stellen.

Krieg, Energiesicherheit, Pandemie

Kemper macht dafür verschiedene Gründe aus: Die Auswirkungen des Ukrainekrieges machten sich bemerkbar, es gebe Sorgen um eine damit infrage gestellte sichere Energieversorgung. Die Unsicherheit auf den Weltmärkten bestehe weiter, es gebe weiter Lieferengpässe. Aber auch die Pandemie mache sich auch beim Stellenbestand bemerkbar.

„Wir halten permanent Kontakt zu Arbeitgebern und sehen aktuell, dass der Grundoptimismus bei vielen Unternehmen nicht mehr im bisherigen Maß vorhanden ist“, sagte Kemper. In den vergangenen beiden Jahren hätte der Sommer Entlastung bei den Corona-Fallzahlen gebracht, außerdem hätten die Arbeitgeber aufgrund ihrer positiven Erwartungshaltung viele Stellenangebote aufrechterhalten. Das hat sich offenkundig geändert.

Aktuell gehe die Mehrzahl der Betriebe nicht mehr von einer kurzfristigen Entlastung aus, das mache sich durch einen Rückgang des Stellenangebots bemerkbar. Allerdings gelte weiter: Der Bedarf an Beschäftigten sei in beiden Kreisen nach wie vor hoch. red/-sg-

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