Waldeck-Frankenberg

Discounter verhandeln, Bauern kämpfen

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- Waldeck-Frankenberg (resa). Während die Molkereien mit den Discountern neue Milchpreise aushandeln, kämpfen die Bauern an der Basis. Sie plädieren für gerechte Preise, Mitbestimmung und rufen die Kollegen auf, neue Wege zu beschreiten.

Wenn Heinfried Emden Abrechnungen wälzt, dann wird der Milchviehhalter zuweilen wütend. Für Dünger bezahlt er 100 Prozent mehr als noch 2010, ebenso für Weizen. Die Preise für Soja sind um 60 Prozent gestiegen, für Diesel um 15 Prozent. „Die Kosten sind für uns also explodiert“, resümiert auch Kollege Sven Lorenz. Gute Geschäfte würden hingegen viele Molkereien machen, denn Erlöse von Butter seien um 60 Prozent gestiegen, von Vollmilchpulver um 30 Prozent. „Nur bei uns kommt nichts an“, beklagen sich Lorenz und Emden, „und wir können unsere Kosten nicht weitergeben.“ So seien die Preise für Milch in den vergangenen Monaten nur um 18 Prozent gestiegen.

32,2 Cent bekommen die Bauern im Moment für ihre Milch, 40 Cent fordern sie. Und pünktlich zu den Verhandlungen der Molkereien mit den Discountern, die in diesen Tagen stattfinden, plädierten die Landwirte vom Bund deutscher Milchviehhalter gestern während eines Pressegesprächs für Gerechtigkeit. „Sonst sterben wir Milchbauern aus“, sagt Emden. 100 Betriebe hätten in den vergangenen zwei Jahren in Kreis aufgegeben, 500 gibt es noch.

Das weiß auch Helmut Koch, Fachreferent für den Dienst auf dem Lande der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. „Immer mehr Landwirte kommen zu uns in die Beratung, weil sie sich in Bedrängnis befinden“, erzählt er und plädiert ebenfalls für die 40 Cent und für regelmäßige Anpassungen dieser Summe. Vor allem ein Wunsch hängt für die Bauern mit der Forderung nach mehr Geld zusammen: Sie wollen mehr Einfluss auf den Markt nehmen, anstatt sich Preise nur diktieren zu lassen. Das sei aber nur möglich, wenn sich starke Erzeugergemeinschaften bilden würden. „Wir können nur an unsere Berufskollegen appellieren, Mut zu zeigen und gemeinsam für faire Preise zu kämpfen“, betont Emden. Dabei geht es nicht nur darum, den Milchpreis für die Verbraucher anzuheben. „Wir müssen auch den Molkereien gegenüber als Gemeinschaft auftreten“, befindet Emden.

Ohnehin sei es auch an den Landwirten umzudenken: „Wir müssen Nischen finden“, sagt der Bauer. Dabei denkt er vor allem an die Regionalität, an die Haltung der Kühe und die Fütterung. „Die Menschen sind bereit, mehr zu zahlen“, weiß er. Und das bestätigt auch Karin Artzt-Steinbrink von der Upländer Bauernmolkerei. 39,6 Cent zahlten Biomolkereien im vergangenen Jahr pro Liter, die Upländer zahlten sogar durchschnittlich 40,3 Cent. Und der Trend setzt sich fort, die Kunden setzen auf Biomilch und faire Preise. „Nach dem Dioxinskandal hatten wir unglaubliche Zuwächse im Verkauf“, erzählt Karin Artzt-Steinbrink, räumt aber auch ein, dass die Kapazitäten, um neue Landwirte aufzunehmen, im vergangenen Jahr erst mal erschöpft gewesen seien. „Am Anfang haben uns alle ausgelacht, aber die Idee hat sich bewährt“, freut sie sich.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Samstag, 26. März

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