Dienstwohnungspflicht für Pastoren 

Pfarrhaus steht auch in Waldeck-Frankenberg zur Diskussion

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Der Pfarrer lebt im Pfarrhaus – so kennen es wohl die meisten Protestanten. Dennoch wird diese Annahme auch in Waldeck-Frankenberg öffentlich diskutiert.

„Bei unseren Pfarrkonferenzen einmal im Monat ist die Dienstwohnungspflicht ein Thema“, sagt Pfarrer Hilmar Jung, der für die Gemeindebezirke Grüsen und Mohnhausen zuständig ist. „Die Stimmung ist eher: Wir wollen uns eine eigene Wohnung suchen.“ Die Pflicht sei ein Thema, weil der Mietwert der Häuser teilweise sehr hoch sei. Außerdem seien manche Häuser sehr alt. Auch die Frage, wo man im Ruhestand hinziehen könnte, beschäftige viele Pfarrer. Jung selbst befürwortet die Dienstwohnungspflicht – für ihn überwiegen die Vorteile, die das Pfarrhaus bietet. Er schätzt die Nähe zur Kirche und den Platz, den er im Haus hat. 

„In besonderen Situationen besteht für Pfarrer die Möglichkeit, einen Antrag auf Befreiung von der Pflicht zu stellen. In den wenigen Fällen, in denen dies zutrifft, sind die Gründe individuell und persönlich“, sagt Prälat Bernd Böttner der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. „Es kann mit Zumutungen verbunden sein, wenn man in einem Haus lebt, das man nicht selbst gebaut hat. Man muss sich arrangieren. Aber dann muss gegebenenfalls geschaut werden, wie man die Wohnsituation verändern kann – zum Beispiel durch Renovierung oder Umbau.“ 

Auch Böttner sieht viele Vorteile in der Pflicht, im Pfarrhaus zu leben: Die Pfarrer müssten bei Dienstantritt oder Stellenwechsel nicht selbst auf Wohnungssuche gehen. „Ob auf dem Land oder in der Stadt – in relativ kurzer Zeit eine angemessene Unterkunft zu finden, ist nicht immer leicht.“ Und auch für eine Gemeinde sei das Pfarrhaus wichtig – es biete einen festen Bezugspunkt.

Alle fünf Jahre wird die Dienstwohnungspflicht der Pfarrer bewertet – „Wir als Landeskirche wollen die Pflicht nicht abschaffen. Aber wir überprüfen, ob der Sinn auch weiterhin besteht“, sagt Böttner. 

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