Nur noch wenige Kolonien in Waldeck-Frankenberg

Dohle ist der Vogel des Jahres 2012

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Waldeck-Frankenberg - Gesellig ist die Dohle, treu und überaus intelligent - dennoch ist sie, wie die meisten Rabenvögel, nicht besonders beliebt.

Dohlen waren früher überall im Landkreis zu Hause. Der Frankenberger Dohlenfelsen, heute ein Naturdenkmal, zeugt von dem früheren Brutplatz der sozial lebenden Rabenvögel. Heute bestehen nur noch wenige Brutkolonien. Anlässlich der Kür zum Vogel des Jahres will der NABU alle Dohlenbruten kartieren.

Die kontaktfreudige Dohle ist meist in Gruppen oder mit ihrem Partner unterwegs. Auf Nahrungssuche oder auf ein lautstarkes "Schwätzchen" vor dem Schlafengehen schließt sie sich gern Saat- oder Rabenkrähen an. Unter ihnen fällt sie vor allem durch ihre geringere Größe auf, denn Dohlen sind die kleinsten Vertreter der Rabenvögel mit schwarzem Federkleid.

Im Mittelalter hieß es, der schwarze Vogel mit den silbrig-weißen Augen bringe Pest und Tod. Heute leidet die Dohle nicht nur an Image-, sondern auch an Platzproblemen.

Die Dohle lebt in Dörfern und Städten ganz nah in unserer Nachbarschaft. Besonders gern nistet sie in Schornsteinen und Kirchtürmen. Weil jedoch immer mehr Brutnischen verschlossen werden, gerät die intelligente Vogelart in Wohnungsnot.

In den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es in Bad Wildungen noch zahlreiche Dohlen. Sie brüteten in zwei größeren Kolonien im Turm der Stadtkirche und am Schloss Friedrichstein. Auch ein Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg diente einigen Paaren als Heimstätte; daneben existierten mehrere Einzelbruten an hohen Fachwerkhäusern und sogar in Schornsteinen. Das Verschwinden der Dohlen aus der Badestadt ist ausschließlich das Werk von Menschen gewesen. So wurden die Vögel aus dem Kirchturm durch Schließen der Öffnungen verbannt. Der Dohlenbestand nahm durch solche Maßnahmen rapide ab und erlosch schließlich 1976.

In Waldeck-Frankenberg existieren nur noch wenige Dohlenkolonien - an Gebäuden und auch im Wald. 2009 zählten die Ornithologen des NABU insgesamt 40 Gebäudebruten, darunter drei größere Kolonien, und zwar in den Kirchen von Mengeringhausen und Volkmarsen sowie an dem Betriebsgebäude einer Somplarer Firma. Für Dohlen-Wohnungen in der Mengeringhäuser Kirche hat der NABU durch Anbringen von Nistkästen gesorgt.

Den Dohlen in unseren Wäldern können Waldbesitzer und Forstleute helfen, indem sie genügend alte Buchen heranreifen und die nötigen Brutbäume stehen lassen. Die Vögel nisten gern in vom Schwarzspecht gezimmerten Höhlen, die sie als "Nachmieter" nutzen. So wurden 2009 in den Wäldern Wal­deck-Frankenbergs zwölf Brutkolonien oder Brutzeitvorkommen von Dohlen registriert. Im Gegensatz zu den auffälligen Gebäudebrütern dürfte es aber eine nicht unerhebliche Dunkelziffer bei den Walddohlen geben. Interessant ist, dass im Kreisgebiet schon dreimal Dohlen nachgewiesen wurden, die als Jungtiere im Wald beringt worden waren und später in Gebäuden brüteten.

Bisweilen können sich Dohlen nach der Brutzeit in großer Zahl an gemeinsamen Schlafplätzen versammeln, so 2008 maximal 440 in den Eichen der Großen Allee von Bad Arolsen.

Um den Dohlen Lebensraum zu sichern, genügt aber nicht nur die Wohnraumfürsorge, sie brauchen auch ausreichend Nahrung. Wie für viele andere Vogelarten spielt die Erhaltung von Grünland eine herausragende Rolle. Bei den Wildunger Dohlen hatten Maikäfer als Nahrung für die Nestlinge einen wesentlichen Anteil.

In den alten Buchen des Nationalparks Kellerwald konnten bisher zwei Dohlen-Kolonien entdeckt werden, so bei Kleinern und bei Asel.

Die Frankenberger NABU-Gruppe und Naturschutzjugend laden am Sonntag, 1. April, zu einer Dohlenexkursion in den Burgwald unter der Leitung von Michael Hoffmann ein. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Parkplatz der Ederberglandhalle.

Von Frank Seumer

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