Am Jahresende wird "bisher unbekannter Minusbetrag stehen"

Wegen großer Schäden im Domanialwald: Zurückgreifen auf Finanzreserve

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Sturm, Dürre, Käfer: Den Wäldern der Region haben die Wetterereignisse der letzten Zeit stark zugesetzt. Auch für das Domanium bedeutet das Verluste.

Waldeck-Frankenberg – Das Domanium steht vor Herausforderungen: Rund 400. 000 Festmeter Holz sind durch Trockenheit, Sturmschäden und Borkenkäferbefall in anderthalb Jahren gefallen.

„In den vergangenen Jahrzehnten haben wir das so noch nicht gehabt“, sagte Dr. Günter Steiner, Direktor der Domanialverwaltung.

Zum Vergleich: In normalen Jahren werden rund 120 000 Festmeter eingeschlagen. Die aktuelle Situation „ruiniert uns das Jahr“, so Steiner in der Sitzung des Finanzausschusses des Kreistags. Auch in den kommenden Jahren würden die Jahresergebnisse noch „nachhaltig beeinflusst“.

Dr. Günter Steiner, Direktor der Domanialverwaltung

In diesem Jahr müssten „erhebliche Mittel bereitgestellt werden“, unter anderem wegen des größeren Aufwands bei der Beförsterung und für den Wegebau, da die Wege überdurchschnittlich beansprucht würden. Es gebe zwar höhere Erträge durch die gestiegene Holzmenge, dies könne aber die Ausgaben nicht auffangen.

Am Jahresende werde ein „bisher unbekannter Minusbetrag“ stehen, so Steiner. Derzeit sei ein Minus von 1,6 Millionen Euro kalkuliert. Allerdings: „In den vergangenen guten Jahren haben wir Rücklagen gebildet. Darauf müssen wir jetzt zurückgreifen.“

"Nach wie vor greifen Käfer die Nadelbäume an"

Aufgrund des Finanzpolsters komme man jetzt nicht in Not, man werde aber auch in den nächsten Jahren auf diese Reserve angewiesen sein, so Steiner. Wie sich die Situation in Zukunft entwickle, hänge von der Witterung ab. Die nächsten Monate müsse man abwarten. Doch klar ist: „Nach wie vor greifen Käfer die Nadelbäume an.“ Mehr als 80 000 Festmeter seien durch Käfer und Trockenheit abgestorben. Das volle Ausmaß der Schäden ist noch nicht abzuschätzen.

Dennoch werden die am Domanium beteiligten Kommunen für das Jahr 2018 wohl einen Gewinn ausgezahlt bekommen – aus der Rücklage. Laut Domanialgesetz wird nicht nur der Gewinn aufgeteilt, so wie es in den vergangenen Jahren stets war. Auch Verluste müssen gemeinsam getragen werden.

Nasslagerplatz für Holz kommt

„Wir müssen befürchten, dass sich solche Klimaszenarien wiederholen“, sagte Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese in der Sitzung des Kreistags. „Deshalb müssen wir Vorkehrungen schaffen.“ Nun soll ein Nasslagerplatz für Holz bei Rattlar wieder ertüchtigt werden. Die wasserrechtliche Erlaubnis sei abgelaufen und müsse erneuert, der Unterboden müsse saniert werden. Rund 500 000 Euro hat der Landkreis eingeplant, um den Platz wieder nutzbar zu machen. Angesichts der künftig gut 35 000 Hektar Wald, um die sich die neue Vermarktungsgesellschaft kümmern wird, eine gute Investition aus Sicht der Kreisverwaltung. „Der Platz ist nicht weit weg von potenziellen Kunden“, sagte Frese.

Zudem könne er als Puffer- und Zwischenlager betrieben werden. Für den Holzverkauf werde man gute Preise bekommen, „besser als Hessen-Forst“, so Frese.

Ausbau in Bad Arolsen wird teurer

Teurer wird der Umbau der Domanialverwaltung in Bad Arolsen. Dort soll, wie berichtet, der Sitz der neuen Holzvermarktungsgesellschaft sein. Da man davon ausgehe, ab 2021 auch die Beförsterung zu übernehmen, und damit auch mehr Personal gebraucht werde, sei dies sinnvoll, sagte Dr. Günter Steiner.

Nicht nur das Obergeschoss, sondern auch das Dachgeschoss soll nun ausgebaut werden. Auch ein zweiter, behindertengerechter Zugang wird entstehen. 900 000 Euro fallen zusätzlich zu den bisherigen Umbaukosten an. Insgesamt kostet der Umbau gut eine Million Euro. Nach Alternativen habe man sich umgeschaut, sagte Erster Kreisbeigeordneter Karl-Friedrich Frese. „Doch der Ausbau ist sinnvoll, zukunftsorientiert und die beste Vari-ante.“

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