E-Bikes im Trend - Händler geben Tipps

E-Bikes erobern das Waldecker Land

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Radeln ist vor allem bei Familien beliebt. Und E-Bikes eröffnen im hügeligen Waldecker Land neue Horizonte.

Die Zeiten, in denen vor allem die Generation 50 plus die elektrische Unterstützung am Fahrrad schätzte, sind längst vorbei. E-Bikes begeistern inzwischen immer jüngere Fahrer, entsprechend groß ist das Angebot. Auch im Landkreis sind die Händler ganz auf diesen Trend eingestellt.

Im vergangenen Jahr rollten rund 1 Million E-Bikes aus den Fahrradshops. E-Bikes haben das Senioren-Image schon lange abgestreift. Die Zielgruppe verjüngt sich stark, das E-Bike spielt in Sport und Freizeit eine immer größere Rolle. Die Räder werden komfortabler, sehen schicker aus, und neue Techniken versprechen vor allem immer mehr Fahrsicherheit. Ob City-Bike, Trecking-rad oder E-Mountainbike – Elektrofahrräder bieten mit der Kombination aus Technik und Sport viele Möglichkeiten.

Aktuelle E-Mountainbike-Modelle.

„Der Markt ist inzwischen sehr groß und deckt viele verschiedene individuelle Wünsche ab. Je nach Einsatzgebiet variieren Modelle und Ausstattung“, erklärt Kai Brüne, Inhaber von 2Rad-Brüne in Bad Arolsen. „Gerade Einsteiger sollten sich im Vorfeld Gedanken über die Verwendung des neuen Fahrrades machen. Wir haben von jedem E-Bike-Segment immer eine Auswahl bereit. Je nach Verwendung, Qualität und Preis unterscheidet sich das Fahrgefühl auf einem Elektrofahrrad. Deshalb ist eine Probefahrt vor dem Kauf ein Muss. Wir bieten neben der fachlichen Beratung und einer Probefahrt aber auch Leihräder an, sodass jeder ausgiebig testen kann, ob das Fahrrad zu ihm passt. „Auch bei Piccco & Pedalo in Korbach wird der Großteil der Verkaufsfläche von den unterschiedlichsten E-Bikes belegt.

E-Trekkingräder im Trend

„In unserer bergigen Gegend ist das klassische E-Bike mit tiefem Einstieg und Rücktrittsbremse noch immer ein Thema“, sagt Geschäftsführer Robert Kettschau und betont: „Stark im Trend sind E-Trekkingräder, sie sind alltagstauglich, haben ein sportliches Design und gute Komponenten. 

Marco Reimann, Frederic und Robert Kettschau vom Pedalo Team (von links nach rechts).   

Das größte Wachstum sehen wir bei den hochwertigen, vollgefederten E-Mountainbikes. Um teure Fehlkäufe zu vermeiden und den Fahrspaß zu vermitteln, gehören Probefahrten und Vermietung bei uns ebenfalls zum Service.“

E-Mountainbikes beliebter

Ralf Schütz hat sich mit seinem Fahrradshop in Höringhausen auch im E-Bikebereich auf Kinderfahrräder, Crossbikes, Trekkingräder, BMX und Mountainbikes spezialisiert. „Das waren schon immer meine Hauptsegmente, und es war klar, dass ich auch bei den E-Bikes dabei bleibe. Bei mir liegt der E-Anteil bei fast 90 Prozent, und am meisten werden die Trekkingräder nachgefragt. Sie sind so etwas wie der SUV unter den Rädern. Aber auch die E-Mountainbikes werden immer beliebter. Sie werden die traditionelle Sportbikeszene nicht ersetzen, aber sie bieten viele spannende und technische Möglichkeiten. Es gibt inzwischen ja auch Zeitschriften, die sich ausschließlich mit E-Bikes beschäftigen, und es ist sicher sinnvoll, sich vor dem Kauf das eine oder andere anzusehen.“

Ralf Schütz hat sich auch im E-Bikebereich auf Crossbikes, Trekkingräder, BMX und Mountainbikes spezialisiert.

Der Boom der E-Bikes verändert auch den Fachhandel. Viele verschiedene Modelle mit noch mehr Möglichkeiten, eine komplexe Technik und eine große Auswahl an Zubehör machen die Kaufentscheidung nicht leicht. Deshalb sollten sich Kunden vor dem Kauf im qualifizierten Fachhandel aus erster Hand informieren lassen. Einen guten E- Bike-Händler erkennt man an der Auswahl der Räder, er hat mehrere Marken im Angebot und wird deshalb markenneutral beraten. Er kann Fragen – auch zum Thema Technik – kompetent beantworten und nimmt sich Zeit. „Eine ausführliche Beratung ist gerade bei Einsteigern sehr wichtig, denn auch wenn klar ist, wie das Rad genutzt werden soll, so gibt es individuell doch viel zu beachten“, so Kai Brüne, der erklärt: „Für ein gutes Fahrgefühl muss alles zusammenpassen, und vor allem die Technik sollte klar und einfach erklärt sein, dann lernt man schnell die unterschiedlichen Funktionen der einzelnen Schalter. Wichtig ist auch die individuelle Anpassung des Rades an seinen Fahrer. Eine Veränderung der Sitzhaltung oder Armstellung, ein individuell angepasster, ergonomischer Sattel, Lenkergriffe oder eine federnde Sattelstütze sind nur einige Möglichkeiten für ein entspanntes Radfahren. Sportfahrer haben selbstverständlich andere Vorstellungen und wollen mehr Information als Beratung.“ Inspektion wichtig Egal, für welches Modell man sich entscheidet, ein E-Bike ist nicht nur trendy, es ist ein hochwertiges Sport-Freizeitgerät. Die Möglichkeit, längere Distanzen als auf dem ‚normalen’ Fahrrad zurücklegen zu können führt dazu, dass mit ihm meist deutlich mehr Kilometer zurückgelegt werden. Eine Wartung oder Inspektion wird deshalb im 2000-Kilometer-Turnus empfohlen. In vielen Fachgeschäften werden deshalb auch auf E-Bikes spezialisierte Techniker beschäftigt, die durch Schulungen immer auf dem neuesten Stand sind. Bei einer Inspektion wird das komplette elektrische System kontrolliert, notwendige Software-Updates durchgeführt und die mechanischen Komponenten, wie Räder, Speichen Gangschaltung u.s.w.. geprüft. „So ein technisch komplexes Gerät gehört zur Wartung und Reparatur in fachlich versierte Hände“, so Robert Kettschau in seinem Fachgeschäft Picco und Pedalo und erklärt: „Natürlich ist der Anspruch an die Zweirad- Händler in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, aber ich kenne keinen Kollegen, der an dieser Herausforderung keinen Spaß hätte. Und schließlich weiß jeder, der sich so ein hochwertiges Fahrrad kauft, dass er die Qualität und den Service eines Fachbetriebes nicht im Internet kaufen kann. 

Auch mit der gesetzlichen Gewährleistung und der Akku-Garantie ist man bei einem Händler sicher besser aufgehoben als bei einem Discounter.“ Wie teuer eine Inspektion oder Wartung ist, hängt von vielen Faktoren ab. Ein gut gepflegtes E-Bike wird immer besser fahren und die Wahrscheinlichkeit, mit einer Panne zu stranden, wird deutlich geringer. Die gefahrenen Kilometer, die Strecken, die man fährt, das Gewicht des Fahrers, der Schutz des Rades während der Standzeiten – all das wirkt sich auf die Leistung und Lebensdauer aus. Billigware birgt Risiken „Mit einer guten Pflege kann man sich viel Ärger sparen“, weiß Ralf Schütz und betont: „Die Werkstatt ist das Herzstück unseres Ladens. Wir informieren die Kunden vorher detailliert darüber, was kaputt ist, was sinnvollerweise erneuert werden sollte und was die Reparatur kosten wird. Überraschungen kann man immer erleben, aber auch in Grenzen halten. Für kleinere Pannen und für Wartungsarbeiten, die der Kunde selbst machen kann, stehen bei uns Werkzeug und Standpumpe zur Verfügung. Wir reparieren alle Fahrräder, auch die, die nicht aus unserem Hause sind. Allerdings sind wir als Handwerksbetrieb verpflichtet, uns am Stand der Technik zu orientieren. Sollte es sich bei einem Fahrrad um Billigware handeln, die nicht dem Stand der Technik bezüglich der Sicherheitsstandards entspricht, behalten wir uns vor, eine Reparatur abzulehnen.“ Gute Qualität ab 2000 Euro Teuer besser als billig? Prinzipiell schon – darüber sind sich die Experten einig. Ein günstiges E-Bike ab etwa 1.500 Euro ist aber ausreichend für alle, die es nur gelegentlich und für kurze Strecken nutzen. Vielfahrer und Fahrer, die langfristig etwas von ihrem E -Bike haben wollen, sollten jedoch mindestens 2.000 Euro ausgeben. Auf der sicheren Seite ist man ab einem Preis von 2.500 Euro. Ein so genanntes Hardtail-Mountainbike ist ab etwa 2.500 Euro zu haben und ein vollgefedertes Mountainbike ab 3.500 Euro. Wie so oft sind nach oben keine Grenzen gesetzt, und Räder in der Klasse ab 6.000 Euro sind durchaus keine Ladenhüter. Luxusbike für 10.000 Euro „Das neue Haibike Flyon kann schon mal 10.000 Euro kosten“, sagt Thorsten Jähn vom Fahrradhaus Jähn in Ittertal. Der Experte: „Die Motoren dieser Modelle halten auch bei steilen Aufstiegen im Xtreme Modus die Geschwindigkeit auf 25 km/h. Bergauf zu fahren hat wohl noch nie so viel Spaß gemacht! Aber wir führen ein Vollsortiment und haben vom Einsteigermodell bis eben zu unserem ‚Luxusrad’ alles im Angebot. Als unser Firmengründer Karl Jähn 1980 den Slogan ‚Wer radeln will über Berg und Tal, der braucht ein Rad aus Ittertal’ kreierte, dachte er sicher nicht, dass er gerade durch die E-Bikes nach 40 Jahren noch immer topaktuell ist.“ Etwas Besonderes hat Phillip Wilke von der Firma Kahlhöfer in Meineringhausen vor. „Wir haben das Fahrradgeschäft vor 30 Jahren übernommen und lange Zeit im kleinen Stil geführt, eher als Anlaufstelle für die Fahrradfahrer hier im Dorf. Seit einiger Zeit aber steigt die Nachfrage nach E-Bikes so enorm, dass wir unser Sortiment schon deutlich vergrößert haben und mit einem Umbau im Laden noch weiter vergrößern. Ich möchte mich zusätzlich auf Lasten e-Bikes spezialisieren. Das klingt ein bisschen sperrig, ist aber sehr vielseitig. Man kann damit vom Großeinkauf über Hunde bis zu Kindern alles transportieren. Wie bei den sportlichen Rädern ist auch hier das Angebot sehr groß. Ich freue mich schon auf die neuen Modelle.“ Leasing im Trend Unterstützt wird der E-Bike-Boom zusätzlich durch Firmen, die ihren Mitarbeitern statt Dienstwagen Bike-Leasing anbieten. Für drei Jahre kann man dann kostengünstig mit dem Fahrrad nicht nur zur Arbeit fahren. Die Raten werden über die monatliche Gehaltsabrechnung abgewickelt. Das steuervergünstigte E-Bike – egal, welches Modell – kann auch privat unbeschränkt genutzt werden. Diese Möglichkeit besteht auch für Selbstständige, denn die Leasingrate zählt zu den Betriebskosten und wird somit vom Umsatz und nicht vom Gewinn finanziert. Für Verträge die zwischen dem 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2021 geschlossen wurden, gelten geänderte und günstigere steuerliche Regelungen, die den geldwerten Vorteil betreffen. Die Händler der Region sind sicher, dass dieser Trend nicht nur den Verkauf von Neurädern noch einmal steigern wird und gleichzeitig durch zu erwartende Rückläufer auch einen spannenden Markt für Gebrauchträder etabliert. Übrigens: Wer sicher sein will, ob ein E-Bike wirklich passt, der kann sich in Korbach von September bis November 2019 im Rahmen der Aktion „Radfahren neu entdecken“ über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen gratis von den Vorteilen einer Pedelec-, Lastenrad- oder E-Bike-Nutzung überzeugen. /Barbara Liese

Weitere Infos zu dieser Aktion: www.radfahren-neu-entdecken.de, Tel. 05631 53261.

 

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