Kia E-Niro im Test

Leiser Fahrspaß, ruhiges Ökogewissen

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Der E-Niro vor dem Bürgerhaus in Korbach. Den vollelektrisch angetriebenen SUV erkennt man an den geschlossenen Lufteinlässen. 

Abgasfrei und klimaschonend – die Zukunft mit Elektromobilität hat längst begonnen. E-Autos machen immer mehr Spaß und werden alltagstauglicher – wie der neue Kia E-Niro, jetzt mit großem Akku, 204 PS und über 400 Kilometer Reichweite. Hier der Test.

Bis zu 455 Kilometer pro Ladung schafft die große Version des Lithium-Ionen-Polymer-Akkus – verspricht der Hersteller. Im City-Zyklus sollen mit der großen 64 kWh-Batterie sogar 615 Kilometer Reichweite drin sein – mehr als bei so manchem Benziner. Beeindruckend angesichts der Leistung von 150 kW/204 PS! Ok, der Verbrauch hängt maßgeblich vom Fahrmodus ab, der mit dem schicken Drehschalter an der Mittelkonsole eingestellt wird. In der Einstellung „Eco“ fährt der Kompakt-SUV am sparsamsten, mit „Normal“ lässt sich die Dynamik spürbar steigern und bei bei „Sport“ geht die Post so ab, dass die Traktion des Vorderradantriebs an seine Grenzen kommt. Doch Effizienz und Fahrspaß schließen sich im E-Niro nicht aus, denn schon die Spar-Einstellung „Eco“ ist absolut ausreichend, um im Straßenverkehr flott voranzukommen. Der E-Niro zieht aus jedem Tempo vehement an, gerade im kurvigen Landstraßenalltag mit den vielen verkehrshindernden Lkw eine Wohltat, denn Überholen geht ruckzuck. So fühlt sich das Auto viel leichter an, als es mit über 1800 Kilogramm wirklich ist. Auch die am Unterboden verbauten, über 400 Kilogramm wiegenden Akkus tragen zu der guten, sicheren Straßenlage mit niedrigem Schwerpunkt bei.

Das agile Handling macht viel Freude dank dem relativ sportlich straff ausgelegten Fahrwerk und der sehr feinfühlig direkt ansprechenden, gut rückmeldenden Lenkung. Also kann der E-Niro beides: flink um die Kurve wetzen und souverän dahin gleiten.

Dabei entsteht ein ganz besonderes Fahrgefühl, denn der E-Niro bleibt auch bei größerer Geschwindigkeit angenehm lautlos dank einer hörbar perfekten Geräuschdämmung.

Zeitlos schick: Der E-Niro vor der Nicolaikirche in Korbach.

Eine weitere Besonderheit, an die sich Neu-Elektrik-Fahrer leicht gewöhnen: Der E-Niro gewinnt beim Bremsen Energie zurück, und die Rekuperationsstärke lässt sich an den coolen Schaltwippen am Lenkrad einstellen. Das heißt, die Verzögerungsintensität beim Gasnachlassen lässt sich in jeder Fahrsituation einstellen.

Sparen mit Spieltrieb

Effizientes Bremsen ohne Fußdruck aufs Strompedal geht so: Einfach die linke Wippe hinter dem Lenkrad ziehen, schon wird die Verzögerung und damit der Energiegewinn stärker. Und mit der rechten Wippe lässt sich dieser Effekt wieder mildern. Mit dieser voraussehenden Fahrweise wird der Tritt auf die Bremse im Autoalltag beinahe überflüssig, und das regenerative Bremssystem, das den Akku während der Fahrt wieder auflädt, gewinnt an Wirkung. So lässt sich die Batterielaufzeit spielerisch etwas verlängern. Im Test zeigt sich, dass der angegebene Verbrauchswert von 15,9 kWh bei normaler Fahrweise im überwiegend ländlichen Umfeld realistisch ist.

Ladezeit nur 42 Minuten

Und zum Aufladen reicht die normale Haushaltssteckdose, allerdings muss man mindestens 18 Stunden Ladezeit einplanen. Für zu Hause empfiehlt sich eine Wall-Box, eine Wechselstrom-Ladeeinrichtung mit 4,5 kW Leistung, diese soll die Ladedauer von sechs Stunden ermöglichen. Und an der kräftigen 100 kW Ladestation soll die Ladezeit von 20 auf 80 Prozent nur 42 Minuten betragen. Bei aller Zukunftstechnik bleibt der E-Kia in puncto Ergonomie, Design und Fahrgefühl angenehm bodenständig und fährt sich grundsätzlich so wie ein normaler Kompakt-SUV. Die Bedienung gibt keine Rätsel auf, die auf den ersten Blick relativ vielen Bedientasten unter dem zentral platzierten Touch-Display erweisen sich im Alltag als bewährt praktisch. Warum alles über das Touch-Display ansteuern, wenn es per Tastendruck viel schneller und intuitiver geht?

Edel wirkende Türgriffe aus chromglänzendem Metall.

Das Interieur-Design ist klassisch geradlinig gehalten, erinnert mit seinen hochwertig wirkenden Kunststoffen, Einfassungen aus schwarzem Klavierhochglanzoberflächen und edelen Metalltürgriffen eher an teurere Premiummodelle. Futuristisch sieht eigentlich nur die freistehende Einheit mit dem großen Gangdrehschalter an der Mittelkonsole aus.

Schön gestalteter Drehschalter und bewährte Tasten auf der freischwebenden Mittelkonsole.

Besonders schick wirken die schwarzen Sitze aus Kunstleder mit den weißen Kontrastnähten, die straff und bequem sind. Empfindliche Nasen werden sich (beim Neuwagen) allerdings an ihrem strengen Kunststoffgeruch stören – aber es gibt ja auch Stoffsitze zur Auswahl.

Trotz der kompakten Außenmaße bietet der Niro reichlich Bewegungsfreiheit auf allen Plätzen, zudem gibt die hohe Sitzposition beste Übersicht auf das Verkehrsgeschehen. Der Kofferraum wirkt relativ klein, fasst aber immerhin 451 Liter (reicht für drei Wasserkisten nebeneinander) und bei umgeklappten Rücksitzlehnen großzügige 1405 Liter.

Fazit: Auch mit beruhigtem Ökogewissen kann man viel Spaß haben, denn die Fahrleistungen des Kia E-Niro sind souverän und machen zusammen mit dem agilen, handlichen Fahrverhalten viel Spaß. Schließlich begeistert der Kia auch im Komfort-Kapitel mit vielen praktischen Details und angenehm geräuschlosem Dahingleiten. Zudem mit fühl- und sichtbarer, leider nicht mit riechbarer Qualität. Die Angst vor geringer Reichweite dürfte mit der stärkeren Version des Kia E-Niro passé sein. So wird der bezahlbare Kompakt-SUV auch auf dem Land zu einer überzeugenden Alternative. /Achim Rosdorff

Kia E-Niro

Länge / Breite / Höhe:

4,38 / 1,81 / 1,56

Motor:

Permanentmagnet-Synchronmotor, 150 kW/

204 PS, 395 Nm ab 1U/min Batterie:

Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit 64 kWh Nennkapazität

Höchstgeschwindigkeit:

167 km / h

Beschleunigung:

7,8 s von 0 auf 100 km / h

Verbrauch:

15,9 kWh/100 km, 0g CO2/km

Reichweite nach WLTP:

455 km

Leergewicht / max. Zuladung:

1812 - 1866 kg / 418 kg

Kofferraumvolumen:

451 - 1405 l

Garantie: 7 Jahre

Basispreis:

39.090 Euro

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