Organisatorin Christiane Kohl zieht positive Bilanz des vierten Literatur-Festivals

Echter Frühling im Literarischen Frühling

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Hochgradig zufrieden mit dem Literarischen Frühling: Organisatorin Christiane Kohl und die beiden Schirmherren Friedrich Christian Delius und Mario Adorf.Foto: Katharina Jaeger

Frankenau - So gut besucht wie noch nie: Wegen des guten Wetters, steigender Bekanntheit und starker Autoren hat der Literarische Frühling gut 2500 Gäste angelockt.

Sechs Spielorte, neun Tage, 27 Veranstaltungen – ein großer Erfolg. So wertet Organisatorin Christiane Kohl die vierte Auflage des Literarischen Frühlings. Gut 2500 Gäste haben laut Kohl die Lesungen, Dinner, Seminare und anderen kleinen Höhepunkte besucht. „Das ist Rekord“, sagt die Ellershäuserin und erinnert, dass beim ersten Fest rund 1800 Besucher kamen, dann zweimal je gut 2000 Literatur-Freunde. „Unser Erfolg lag vor allem an der Adorf-Veranstaltung“, erklärt Kohl: 560 Menschen wollten den großen deutschen Schauspieler sehen.

Doch auch die Lesungen mit weniger bekannten Autoren waren beinahe komplett ausverkauft, wie die Organisatorin berichtet. Ein Schlüssel dabei: das gute Wetter. „Da hatten wir viel Glück“, bilanziert Kohl die neun Tage strahlenden Sonnenscheins. Doch war es genau so geplant: Die Veranstaltung wurde bewusst nach hinten geschoben – so herrschte im vierten Jahr tatsächlich erstmals Frühling beim Literarischen Frühling. „Das Festival dient ja auch dem Ziel, die Region schmackhaft zu machen“, erläutert Kohl. Da schade es nicht, wenn bereits die eine oder andere Forsythie blühe. „Es war vom Wetter her ideal und die Region hat sich von ihrer schönstens Seite gezeigt“, freut sich Kohl. Und selbst wenn der Termin für 2016 noch nicht endgültig fixiert sei: Auch 2016 soll das Festival später als in den vergangenen Jahren stattfinden. „Das ist auf jeden Fall sinnvoll“, sagt Kohl.

Lesen am authentischen Ort

Inzwischen ebenfalls fester Bestandteil des Festivals und somit auch für 2016 vorgesehen: die Literatur an authentischen Orten. „Das macht sich sehr gut, das hat kaum ein anderes Festival“, sagt Kohl. Diese Lesungen vermittelten „eine Authentizität, die es nur hier gibt“ und für die lobende Worte sowohl von den Gästen als auch den Autoren kämen. „Udo Samel sagte, so etwas habe er noch nicht erlebt“, berichtet sie etwa über die Lesung im Kuhstall der Familie Garthe.

Von den Kulturschaffenden käme hingegen viel Anerkennung für die Privat-Finanzierung, ebenfalls eine Seltenheit. Die ist sogar gestiegen: „Der Etat wächst auf etwa 100000 Euro statt wie bislang rund 70000 Euro“, berichtet Kohl und ergänzt: „Ziel ist natürlich eine ausgeglichene Abrechnung – und das werden wir auch diesen Jahr schaffen“.

War gerade in den ersten Jahren der Anteil der heimischen Literatur-Freunde sehr groß, erfreut sich das Festival mittlerweile auch größerer überregionaler Bekanntheit – ebenfalls ein Grund für die gute Resonanz. „Auffällig ist: Die Zahl der Besucher aus dem Raum Marburg und aus Kassel hat stark angezogen“, berichtet Kohl. War die Region zwischen Edersee und Illerstadt dort früher kaum bekannt, entwickle sie sich auch dank des Literatur-Festivals zum Urlaubs-Tipp. Ähnliche Wirkung erziele das Fest im gesamten nordhessischen Raum: „ Wir haben die Region durchdrungen“, freut sich Kohl.

Frankfurt, Rheinland, Berlin

Frankfurt hingegen sei schon immer stark beim Literarischen Frühling vertreten gewesen, „denn da sind wir ohnehin ein beliebtes Reiseziel“ sagt Kohl und begründet dies auch mit der Wertschätzung für die gastgebenden Häusern. Darüber hinaus gebe es inzwischen auch Stammgäste beim Festival: eine Gruppe aus dem Saarland, Gäste aus dem Rheinland und Hannover und sogar aus Berlin. „Das ist verrückt: In Berlin kann man jeden Abend fünfmal Literatur haben“, sagt Kohl und sieht die Besucher aus der Großstadt auf der Suche nach Intimität und der Weite der Landschaft.

Denn das sei es, was die Region zu bieten habe und was sie auszeichne. „Unsere wirtschaftliche Zukunft liegt auch im Tourismus“, sagt Kohl und widerspricht derzeitigen Bestrebungen, den Landkreis aus der „Grimm-Heimat Nordhessen“ herauszulösen. „Ich finde es wichtig, dass man einen festen Boden hat, versehen mit einem Begriff, unter dem sich jeder etwas vorstellen kann“, sagt sie.

Das könnten die Gäste – auch die weltbekannten wie Adorf oder Berben. Letzte, berichtet Kohl, „war hin und weg von der Region“. Und die Schauspielerin versprach der Gastgeberin: Dies war nicht ihr letzter Besuch beim Literarischen Frühling.

Von Malte Glotz

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