Wie sieht die Zukunft des Tourismus-Hotspots aus? - Konzept soll entstehen

Edersee: Anrainer fordern mehr Wasser und eine längere Saison

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Traumhafte Aussicht: Jedes Jahr kommen Zehntausende Besucher an den Edersee und in die Region. 

Edersee - Sie sollen gemeinsam ein Konzept für den Edersee erarbeiten: Sportler und Gastronomen, Schifffahrtsanbieter und Beherbergungsbetriebe und Betreiber von Attraktionen.

Für Thomas Hennig ist klar: Der Wasserstand ist einer der Knackpunkte. „Wir wollen niemandem das Wasser abdrehen“, sagt er mit Blick auf die Oberweser. „Aber die Nutzung der Ressource Wasser muss gerechter werden.“ In den vergangenen elf Jahren habe es sechs Mal in der Hauptsaison sehr wenig Wasser gegeben, so der Betreiber der Segelschule Rehbach. Darunter würden nicht nur die Wassersportler leiden. Denn wenn weniger Sportfans kommen, habe das beispielsweise auch Folgen für die Gastronomie.

Der leere Edersee im Sommer 2018

Bei Wanderern und Radfahrern gebe es einen Zuwachs, sagt Hennig. „Aber das reicht nicht.“ Wichtige Fragen aus seiner Sicht sind: Wie lässt sich die Saison verlängern? Wie kann man die Gäste länger in der Region halten? „Nur das wird uns langfristig helfen.“ Eine Möglichkeit seien auch hochpreisige Unterkünfte. „Wenn man Kaufkraft haben will, muss man auch etwas bieten.“

An den Wochenenden verstopfte Straßen

Stefan Brede, Chef des Zündstoff, treibt der Autoverkehr um, er weist auf häufig verstopfte Straßen hin, gerade an den Wochenenden. „Dann ist alles restlos dicht“, sagt Brede. Man müsse in Sachen Verkehr dringend über geeignete Lösungen nachdenken.

Die Angebote am See stimmen aus Bredes Sicht schon. Es gebe unzählige Möglichkeiten, seine Zeit am Edersee zu verbringen „und das wird auch gut angenommen“. Die Besucherzahlen insgesamt würden zunehmen, ist sich Brede sicher. Gut wären aber, so regt er an, mehr Übernachtungsmöglichkeiten.

Segelschule Rehbach

Doch für ein großes Hotel, so vermutet Christian Gerlach, könnte die Saison zu kurz sein. Gerlach betreibt das Hotel Werbetal in Nieder-Werbe und schon jetzt sei es manches Mal schwierig, alle Betten an den Mann zu bringen. Hotels seien auf Attraktionen angewiesen. Wenn es die außerhalb der Saison nicht gebe, „kommt niemand, auch wenn ich 50 Prozent Nachlass auf ein Zimmer gewähre“.

„Eine größere Vision fehlt,“ sagt Gerlach. Es müsse ein Konzept her, das auch über die Saison hinaus Besucher anziehe und das unabhängiger vom Wetter sei. Eine Struktur, eine ordnende Hand fehle. Zu viele Marketinggesellschaften würden derzeit mitmischen. „Wir müssen Kräfte bündeln.“ Und, so Gerlach: „Es reicht nicht, wenn es von Ostern bis Oktober gut läuft. Ich kann nicht in sechs Monaten das Geld für ein ganzes Jahr erwirtschaften.“

Ein „verlässliches Konzept“ wünscht sich auch Ursula Schröder. Die Leiterin der Jugendherberge Hohe Fahrtin Asel sagt: „Wir haben teilweise jetzt schon umgeschwenkt.“ Weil das Wasser oft nicht da sei, setze man vermehrt auf Aktivitäten auf dem großen Gelände der Jugendherberge.

"Die Natur ist ein riesiger Vorteil"

Früher seien Gruppen zu festen Zeiten gekommen, beispielsweise zum Rudern. „Doch wenn kein Wasser da ist, ist das schwierig“, sagt Schröder. Irgendwann komme die Gruppe nicht mehr. Der Wasserstand sei einfach zu unsicher. „Auch am Ende der Sommerferien muss noch genug Wasser da sein.“

Vermehrt setzen solle man in Zukunft auf Touristen, die die Natur schätzen und Erholung suchen, sagt Ursula Schröder. „Die Natur ist ein riesiger Vorteil.“ Schon jetzt würden mehr Wanderer kommen. „Das sollten wir ausbauen und weniger auf große Events oder Attraktionen setzen.“

Existenziell ist der Wasserstand für Wilfried Meyer. Immer wieder sei man in den vergangenen Jahrzehnten in Hann.-Münden vorstellig geworden und habe das Problem erläutert, sagt der Geschäftsführer der Personenschifffahrt Edersee. Lösen, so sagt er, lasse sich das Problem nur politisch.

Personenschifffahrt am Edersee

Die Weser-Schifffahrt solle nicht zum Erliegen kommen, betont er. Doch dafür brauche es nicht unbedingt einen Wasserstand von 1,20 Metern, 1,10 Meter würden reichen. Da hin müsse man kommen, dann ließe sich die Saison auch um vier bis sechs Wochen verlängern. „Wir werden nicht immer einen vollen See haben können“, sagt er. „Aber bis Mai muss der Edersee voll sein, die Abflüsse müssen sparsam sein.“

Kaum etwas los sei am Edersee im November und Dezember. In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr habe er trotzdem Fahrten an einigen Tagen geboten, „die meisten Lokale waren dann allerdings geschlossen“, sagt Meyer.

Mehr Angebote für die Gäste?

Auch das Gasthaus Kohlberg in Herzhausen hat in den Wintermonaten nur eingeschränkt geöffnet. An zwei Tagen pro Woche ist dann zu, sagt Betreiber Wolfgang Vetter. Aus seiner Sicht fehlt es an Attraktionen, gerade im Gebiet um Herzhausen. Ein Outdoor-Spielplatz sei geschlossen worden, dabei seien kleinere Angebote wie Spielplätze oder auch ein Minigolfplatz und ein Bolzplatz wichtige Anziehungspunkte, vor allem für junge Eltern mit Kindern. „Wir müssen den Besuchern mehr bieten“, sagt der Gastronom.

Link: Das ist der aktuelle Wasserstand am Edersee.

Aber auch für ihn ist der Wasserstand der wichtigste Aspekt. „Es ist untragbar, dass zu Ferienbeginn Wasser abgelassen wird“, sagt er. „Wenn wir weniger abgeben müssten, wäre uns schon viel geholfen.“ Das „Atlantis“ habe vergangenes Jahr zwar viele Besucher angelockt, „aber das zieht nicht jedes Jahr“, ist sich Wolfgang Vetter sicher. Kommen Gäste von auswärts, höre er immer wieder eine Frage: „Wo ist denn der See?“

Wie soll es weitergehen am See? Das fordern die Fraktionen im Kreistag.

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