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Am Edersee treffen viele Interessen aufeinander: Regierungspräsidium schildert seine Sicht

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Wie viel Wasser kann der Edersee für sich behalten? Eine Frage, die von vielen Interessen abhängt.

Edersee – Interessant sei nicht nur die Frage, wofür der Edersee da ist, erklärte Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke – sondern auch, die verschiedenen Bedürfnisse bei seiner Nutzung abzuwägen.

In Kassel stellte er die Entwicklung des Wassermanagements aus der Sicht des Regierungspräsidiums vor. Er erinnerte: Die Flut der Eder muss groß genug sein, damit Schiffe auf der Weser fahren können. Das ist neben Hochwasserschutz und Energiegewinnung der Zweck, zu dem die Talsperre bestimmt ist. 

Beim RP heißt es aber auch, dass die gesellschaftliche Bedeutung der touristischen Nutzung des Sees angemessen berücksichtigt werden müsse. Dabei sei abzuwägen zwischen 2000 Booten auf dem See und 20 000 flussabwärts der Weser, gab Walter Lübcke ein Beispiel. Die Daten sind laut RP abgeleitet von der Zahl der Boote, die beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt registriert sind, das umfasst auch Kanus professioneller Verleiher.

Betrieb der Edertalsperre ist Hoheitsaufgabe des Bundes

Die Edertalsperre gehört zu den Bundeswasserstraßen, Unterhaltung und Betrieb sind Hoheitsaufgaben des Bundes, nur für die Wasserkraftnutzung unterliegt das der Aufsicht des RP. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung müsse alle Belange gerecht abwägen. Nicht beeinträchtigt werden dürfe dabei der Hochwasserschutz: „Ohne die Talsperre wäre die Hochwassersituation in Kassel eine andere“, so Lübcke.

Auch in Sachen Umweltschutz spiele das Wassermanagement eine große Rolle, erklärte der Regierungspräsident: Wenn in trockenen Sommern Kiestransporte auf Lastwagen verlagert werden müssten, sei das nicht von Vorteil. Zu schnell dürfe an der Abgabe nicht gedreht werden: Fehle plötzlich Wasser, kommen Fische aus Seitenarmen der Flüsse nicht mehr heraus – und komme zu schnell zu viel nach, spüle es den Haubentauchern die Nester weg.

Die Aufgabe seiner Behörde sei, die Interessen des Bundes, des Landes und der Menschen vor Ort zusammenzubringen: „Wir sind froh, dass wir das befrieden können“, findet Lübcke. Dementsprechend ist die Regelung der Wasserabgabe aus der Talsperre in stetigem Wandel – so lief zuletzt der Probebetrieb einer reduzierten Mindestabgabe von vier statt sechs Kubikmetern pro Sekunde.

Daten zu Triggerlinie und geringerem Ablass werden ausgewertet

Auch zur Triggerlinie erhebt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Daten – ab dieser Grenze muss die Eder den Pegelstand in Hann. Münden nur noch auf 1,15 statt 1,20 Meter stützen. Über die Ergebnisse wolle das RP noch im Winter Gespräche mit dem Bund führen. Derweil bestehen am Pegel in Hann. Münden Probleme mit Verlandung, so dass derzeit vor allem der Pegel in Bad Karlshafen zur Steuerung verwendet werde.

Als Grundproblem wird beim RP die geringe Speichermenge des Edersees genannt, der nur knapp ein Drittel der jährlichen Zuflussmenge von rund 600 Millionen Kubikmetern aufnehmen könne. Ein langfristiger Niedrigwasserausgleich sei so nicht zu gewährleisten. Der Regierungspräsident äußerte auch seine persönliche Meinung zum gewünschten Stand an der Talsperre: „Wenn der See am 1. Mai voll ist und vier Wochen so bleibt, profitieren beide Seiten davon.“ (wf/su)

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