Nächtlicher Überfall in Willingen

Ehepaar steht Todesängste aus

Willingen. - „Wenn ich nicht so kräftig wäre, würde ich nicht mehr leben“, davon ist Ernst Hennecke überzeugt. Der Schock bei ihm und seiner Frau Helga sitzt tief. „Wir haben Todesängste ausgestanden.“

„Es war schlimmer als im Krimi“, schildern die beiden das alptraumartige Geschehen, das sie in der Nacht zum Samstag durchlebt haben. Es wird sie mit Sicherheit noch eine Weile verfolgen. Was genau ist passiert? Gegen 1.10 Uhr warf ein junger Mann zunächst mit einem Gullideckel eine Scheibe in einem Nachbarhaus ein. Dann kam er hinüber zu dem von Helga Hennecke geführten Hotel „Magdalenenhof“, in dem das Ehepaar auch seine Wohnung hat. Der Mann, der in einem anderen Willinger Hotel gewohnt haben soll, bollerte gegen die Hoteltür, kämpfte sich durchs Gebüsch vor zu einem ebenerdig gelegenen Gästezimmer und machte dort Randale. Schließlich trat er die Terrassentür, die direkt in Henneckes Schlafzimmer führt, aus der Verankerung heraus. Nach Schilderung des Ehepaars stürzte sich der drahtig und durchtrainiert wirkende Mann sofort auf Ernst Hennecke, traktierte ihn mit Faustschlägen, versuchte ihn zu würgen und brüllte immer wieder: „Ich schlag‘ dich tot, ich bring‘ dich um“. „Er war völlig hemmungslos. Ich habe noch nie einen so aggressiven Menschen erlebt“, so Zimmermeister Ernst Hennecke. „Es war ein Kampf auf Leben und Tod.“ Wie lange er gedauert hat, kann er nicht sagen. „Vielleicht zehn Minuten, vielleicht auch länger. Ich habe mich die ganze Zeit nur gewehrt.“ Henneckes erinnern sich an den Geruch nach Schweiß, Parfüm und Alkohol; an die wütende Fixierung des Täters auf Ernst Hennecke, während er dessen Ehefrau gar nicht wahrzunehmen schien. Einmal gelang es ihr, ihn für einen Moment von ihren Mann wegzuziehen. Ihre Versuche, den rabiaten Eindringling zu beruhigen, waren jedoch vergebens. Sie schrie um Hilfe und schließlich gelang ihr und wenig später auch ihrem Mann die Flucht aus dem Schlafzimmer. Geistesgegenwärtig alarmierte Helga Hennecke übers Handy die Polizei. Während das Ehepaar in einem Nachbarhaus Zuflucht fand, machte sich der Täter im „Magdalenenhof“ offensichtlich auf die Suche nach seinem entkommenen Opfer und richtete dabei weiteren Schaden an. „Zum Glück war die Polizei nach wenigen Minuten zur Stelle“, berichten Ernst und Helga Hennecke. „Die Beamten haben den jungen Mann mit Pfefferspray außer Gefecht gesetzt. Er hat sich lammfromm festnehmen lassen“ – eine Reaktion, die sie nach der vorhergehenden Gewaltorgie nicht erwartet hatten. Er soll nach ihren Informationen stark unter Alkohol und möglicherweise auch unter Drogeneinfluss gestanden haben. Ernst Hennecke, der Blutergüsse am Kopf und am gesamten Körper davongetragen hat, wurde noch in der Nacht zum Samstag nach Brilon ins Krankenhaus gebracht, das er gestern wieder verlassen durfte. Er befürchtet allerdings, dass das linke Kniegelenk möglicherweise operiert werden muss.Ernst Hennecke hatte in der Nacht zum Samstag Angst um sein Leben – und ist glücklich, trotz Schmerzen und blauen Flecken heute seinen Geburtstag feiern zu können... Von Ulrike Schiefner

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