„MedMove“: Ex-Landrat vermittelt osteuropäische Ärzte nach Deutschland und Österreich

Eichenlaub bewegt jetzt Mediziner

Headhunter für Mediziner aus Osteuropa: Die Internetseite von Helmut Eichenlaubs Ärztevermittlung „MedMove“.
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Headhunter für Mediziner aus Osteuropa: Die Internetseite von Helmut Eichenlaubs Ärztevermittlung „MedMove“.

Waldeck-Frankenberg - Während die juristische Prüfung seiner letzten Amtszeit noch andauert, hat Ex-Landrat Helmut Eichenlaub das Metier gewechselt: Er vermittelt inzwischen Ärzte aus Osteuropa nach Deutschland und Österreich.

„MedMove Ärztevermittlung“ heißt das neueste Projekt des früheren Landrats. Als Partner „insbesondere zwischen Ärzten aus Osteuropa und Stellenanbietern aus dem deutschsprachigen Raum, vor allem in Deutschland“ stellt sich das Unternehmen auf der Anfang Dezember eingerichtete Internetseite www.medmove.eu vor. „Wir vermitteln Ärzte grundsätzlich in Festanstellungen oder als Honorarärzte in Kliniken nach Deutschland und in weitere deutschsprachige Regionen. Wir sind subsidiär auch auf dem europäischen Gesundheitsmarkt tätig“, heißt es weiter.

Briefkasten in Züschen

Die Ärztevermittlung selbst sei ein Fachbereich der FSE Consulting GmbH. Eichenlaub gründete das auf den Namen seiner Frau angemeldete Unternehmen bereits während seiner Amtszeit 2009. Firmensitz ist Winterberg-Züschen, wo nicht viel mehr als ein Briefkasten existiert. Eine Niederlassung hat FSE im Gebäude der Wirtschaftskammer in der Burgenländischen Landeshauptstadt Eisenstadt. Die FSE Consulting GmbH ließ Eichenlaub 2009 auch im Firmenbuch Österreichs eintragen. Das Unternehmensziel lautete damals: „Großhandel mit Arzneimitteln“. Für sein neues Projekt unter dem Dach der FSE nutzt der Ex-Landrat offenbar alte Kontakte: Als Partner nennt Eichenlaub neben der Wirtschaftskammer unter anderem eine Anwaltskanzlei in Frankenberg.

Schon im Sommer 2007 zog es den damaligen Landrat ins Burgenland. Als ehrenamtlicher „Konsulent“ sollte er an der Wirtschaftskammer in Eisenstadt die wirtschaftlichen Kontakte zwischen dem Burgenland und Hessen vertiefen, wie ein Sprecher der Kammer damals auf Nachfrage erklärte.

Dafür sollte bis zum Ende seiner zweiten Legislatur als Landrat am 31. Dezember 2009 das Amt in Waldeck-Frankenberg formal ruhen. Doch die Sache mit dem „Sonderurlaub“ scheiterte, weil sie bis hinauf in die CDU-Chefetage der hessischen Landesregierung für Wirbel sorgte - und eine Klage des Kreisausschusses vorm Verwaltungsgericht abgeschmettert wurde. Das Regierungspräsidium in Kassel hatte den „Sonderurlaub“ nicht genehmigt.

Mit eidesstattlichen Erklärungen wollte die Kreisverwaltung damals untermauern, dass die Urlaubspläne des Landrats mit dem damaligen hessischen Innenminister Volker Bouffier und Regierungspräsident Lutz Klein abgestimmt gewesen seien. Bouffier dementierte jedoch.

Auch ein Jahr nach der „Sonderurlaubs-Affäre“, die für bundesweite Schlagzeilen sorgte, fand Eichenlaub noch prominente Unterstützer auf Landesebene. Das belegen Empfehlungsschreiben, die Eichenlaub aktuell selbst in seinem Profil des Sozialen Netzwerks „Xing“ veröffentlicht - eine Art „Facebook“ für Geschäftskontakte.

So schreibt der frühere hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) in einer Referenz für Eichenlaub aus dem Jahr 2008, die der WLZ-FZ vorliegt: „Herr Eichenlaub hat in der engen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit meinem Ministerium und mir seine Entscheidungen in hohem Maße unternehmerisch und verantwortungsvoll getroffen. Seine Kompetenz in betriebswirtschaftlichen Fragen, geprägt von steuer- und gesellschaftsrechtlichen Kenntnissen unter Wahrung der Interessen der von ihm vertretenen öffentlich rechtlichen Körperschaften, war stets beeindruckend.“

Auf die Frage, ob Referenzen auf offiziellem Briefpapier üblich seien, teilte das Wirtschaftsministerium gestern auf WLZ-FZ-Nachfrage mit: Ob Empfehlungsschreiben ausgestellt werden, sei eine Einzelfallentscheidung. Richtlinien gebe es keine.

Empfehlung von der Helaba

Eine positive Empfehlung stellte ihm 2008 auch Dr. Günter Merl aus, der damalige Vorstandsvorsitzende der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba): Er pflege „seit Jahren einen intensiven geschäftlichen Kontakt zu Herrn Eichenlaub“, schreibt Merl. Pikant daran: Wegen Provisionszahlungen der Helaba-Tochter LB Swiss (heute: Frankfurter Bankgesellschaft) an Eichenlaub ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft. 40 Millionen Euro hatte der Landkreis bei der Schweizer Privatbank zwischenzeitlich angelegt. Rund 300 000 Euro Provisionen standen Eichenlaub als „Kundenvermittler“ laut LB Swiss zu. Später zahlte die Helaba-Tochter diese Summe an die Sparkasse Waldeck-Frankenberg.

Um die Hintergründe zu beleuchten läuft seit über zwei Jahren ein Rechtshilfeersuchen der Kasseler Staatsanwaltschaft in der Schweiz.

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