Gedanken zum Jahreswechsel von Landrat Dr. Reinhard Kubat

„Ein Pfund Mut ist mehr wert als eine Tonne Glück“

Waldeck-Frankenberg - Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, wieder einmal stehen wir am Ende eines Jahres, das wie im Flug vergangen und an uns vorbeigezogen ist. Wir reiben uns verwundert die Augen und fragen uns, wo die Zeit geblieben ist.

Die guten Vorsätze, die wir für 2012 gefasst hatten, sind längst noch nicht abgearbeitet, tatsächlich liegen die meisten noch völlig unbenutzt in irgendwelchen Schubladen, wo sie wohl auch bleiben und weiter verstauben werden. Aber das Schöne am Jahreswechsel ist doch, dass wir eine neue Chance bekommen und uns neu ausrichten können. Das ist ein Geschenk, das wir in der Regel nicht genug zu schätzen wissen. Das Leben bietet uns immer wieder die Möglichkeit eines Neuanfangs. Aber schauen wir auf das Jahr 2012 zurück, was hat es uns gebracht? Zunächst einmal hat uns das Beispiel Griechenlands gelehrt, dass Staaten, dass ganze Volkswirtschaften bankrottgehen können. In einem beispiellosen Akt der Solidarität haben wir Europäer einen riesigen Rettungsschirm über das Land gespannt, mit Erfolg, wie man angesichts der jüngsten Entwicklungen wohl feststellen darf. Der Begriff „Rettungsschirm“ war gewiss einer der heißesten Kandidaten auf den Titel „Wort des Jahres“. Denn Rettungsschirme wurden auch vor unserer Haustür aufgespannt, mehrere Kommunen aus dem Landkreis haben diese Möglichkeit der Schuldenreduzierung für sich genutzt. Ablenkung von den ernsten Problemen brachten uns die Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sowie die Olympischen Spiele in London. Milliarden von Menschen verfolgten die Wettkämpfe und bildeten an den Fernsehgeräten eine weltumspannende Fangemeinde. Aber das alles konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass unsere Probleme nicht kleiner geworden sind. Die Konflikte in Syrien und im Nahen Osten hielten uns in Atem. Deutsche Soldaten setzen noch immer in Auslandseinsätzen von Ex-Jugoslawien über das östliche Mittelmeer, das Horn von Afrika und immer noch in Afghanistan Leben und Gesundheit aufs Spiel. In diesen Tagen brechen weitere Soldaten auf, um an der türkisch-syrischen Grenze Dienst zu tun. Die wirtschaftlichen Probleme sind nicht geringer geworden, obwohl wir in Deutschland einen Boom erleben konnten, der dem Staat und letztlich auch den Kommunen höhere Steuereinnahmen gebracht hat. Ein wenig von diesem Geldsegen ist auch nach Waldeck-Frankenberg geflossen, obwohl es angesichts der Herausforderungen, die sich uns stellen, nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein sein konnte. Aber wir haben nicht resigniert, sondern gemeinsam gehandelt. Besonders freue ich mich, dass wir in die Mobilität im ländlichen Raum investieren konnten. Nach zähen Verhandlungen konnten wir die Reaktivierung der Bahnstrecke Korbach – Frankenberg wieder auf die Agenda bringen. Ich weiß, dass diese Entscheidung nicht nur Befürworter fand, sondern auch auf heftige Kritik stieß. Aber lassen Sie uns dem Projekt eine Chance geben. Mit der Einführung eines Jugendtaxis haben wir die Mobilität junger Menschen gefördert. Kurz vor Jahresende erreichte uns die Meldung, dass mit dem Bau der Umgehung zwischen Münchhausen und Lahntal im Zuge der B 252 begonnen werden kann. Die Maßnahme liegt zwar im Nachbarkreis Marburg-Biedenkopf, sie wird aber auch deutliche Auswirkungen auf den Verkehrsfluss auf unserer wichtigen Nord-Süd-Achse haben. Gemeinsam mit allen Bürgermeistern aus dem Landkreis habe ich an den Bundesverkehrsminister geschrieben und die Bereitstellung weiterer Mittel für den Bau von Umgehungsstraßen im Verlauf unserer Bundesstraßen gefordert. Mit der Gründung der VEW unter dem Dach der EWF haben wir ein wichtiges Instrument für den Vollzug der Energiewende auf kommunaler Ebene geschaffen. VEW wird sich um den Ausbau regenerativer Energien in Waldeck-Frankenberg kümmern und dabei den Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten der Beteiligung eröffnen. Bei der Konsolidierung der Kreisfinanzen haben wir Fortschritte gemacht und ich bin stolz darauf, dass wir bislang durch konsequente Sparpolitik eine Erhöhung der Kreisumlage abwenden konnten und noch immer einen vergleichsweise niedrigen Hebesatz haben. Im Zuge einer groß angelegten Organisationsänderung in der Kreisverwaltung wurden unter anderem die Stabsstelle ländlicher Raum und die Abteilung Dorferneuerung zusammengelegt. Dadurch ist ein effizienter Fachdienst entstanden, der die Probleme und Herausforderungen, mit denen wir im Zuge des demografischen Wandels konfrontiert werden, bewältigen wird. Ich könnte noch weitere Beispiele anführen, wie wir auf Kreisebene die Zukunft gestaltet haben, aber dies soll ja kein Rechenschaftsbericht werden. Mir kommt es vielmehr darauf an, deutlich zu machen, dass man auch unter ungünstigen Rahmenbedingungen gestaltend handeln kann, wenn man dies gemeinschaftlich und auf der Grundlage großer Mehrheiten tut. James A. Garfield, der 20. Präsident der Vereinigten Staaten, hat einmal gesagt: „Ein Pfund Mut ist mehr wert als eine Tonne Glück“. Das ist ein gutes Motto für das Jahr 2013. Ich weiß, dass wir in Waldeck-Frankenberg Menschen haben, die mutig sind und die Aufgaben anpacken, die sich ihnen stellen. Wir finden sie in der Wirtschaft und in unseren Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben, in unseren Ausbildungsstätten und in den Verwaltungen. Das beflügelt, denn es zeigt, dass unser Landkreis Zukunftspotenzial besitzt. Ich wünsche Ihnen eine ruhige und erholsame Zeit zum Jahreswechsel sowie Energie und Mut für die neuen Herausforderungen. Möge das Jahr 2013 für Sie und Ihre Familien viel Glück und Gesundheit bereithalten. Selbstverständlich wünsche ich Ihnen auch die Erfolge, die Sie sich erhofft und erarbeitet haben.

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