Waldeck-Frankenberger Polizeidirektion legt Kriminalstatistik für 2013 mit positiven Entwicklungen v

Einer der sichersten Kreise in Hessen

Waldeck-Frankenberg - 5509 Straftaten hat die Polizei im vorigen Jahr erfasst - deutlich weniger als in den Vorjahren.

So gab sich der Leiter der Waldeck-Frankenberger Polizeidirektion, Hubertus Hannappel, gestern auch „ein Stück weit stolz“, weil er bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für 2013 „positive Nachrichten“ zu verkünden hatte: Die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten sinke kontinuierlich, 2013 seien es rund 500 Fälle weniger gewesen als 2012, ein Minus von 8,36 Prozent. Und die Aufklärungsquote sei erneut gestiegen: auf 61,6 Prozent im Vorjahr.

Damit liegt der Kreis über der Aufklärungsquote in Nordhessen, die 59,1 Prozent beträgt. Aber auch sie sei von rund 40 Prozent gestiegen, hob Polizeipräsident Eckhard Sauer gestern hervor. Die Fallzahlen in den Kreisen entsprächen der Bevölkerungsverteilung: Rund 60,5 Prozent entfielen auf die Metropole Kassel, 12,29 Prozent auf Waldeck-Frankenberg.

Motivierte Polizisten

Als Ursachen für den Rückgang der Fälle nannte Hannapel die Vorbeugung, die „motivierte und engagierte Arbeit“ seiner Kollegen, die Mithilfe der Einwohner - und den Rückgang der Bevölkerung im Kreis. Oft seien Serientäter unterwegs, erläuterte Sauer. Habe die Polizei sie gefasst, sinke auch die Zahl der Fälle deutlich - was sich auch im Kreis ablesen lässt. Außerdem sei vielleicht wegen der guten Wirtschaftslage die Not nicht so groß, sich Geld auf illegalen Wegen beschaffen zu müssen.

Die meisten Straftaten im Kreis wurden in der größten Kommune Korbach gemeldet: 1149. Es folgen die anderen Mittelzentren Bad Wildungen mit 859, Bad Arolsen mit 821 und Frankenberg mit 607 sowie die Tourismus-Hochburg Willingen mit 335 Fällen. Die mit 17 wenigsten Taten verzeichnet die kleinste Kommune Bromskirchen.

Nach Delikten aufgeschlüsselt, stehen der einfache Diebstahl mit 21,93 Prozent, der Betrug mit 15,2 Prozent und der schwere Diebstahl mit 14,45 Prozent an der Spitze, Gewalttaten machen 13,8 Prozent aus, Rauschgiftdelikte 5,7 Prozent. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung schlagen mit 1,9 Prozent zu Buche, Tötungsdelikte mit 0,07 Prozent.

Nur vier Tötungsdelikte seien in die Statistik eingeflossen, berichtete die Leiterin der Regionalen Kriminalinspektion, Jenny Feist, zwei Verfahren richten sich gegen Ärzte. In zwei weiteren Fällen ermitteln die Beamten noch. Viel Arbeit bereiteten aber auch Todesermittlungen, zum Beispiel nach Selbsttötungen und Unfällen, 162 Fälle seien es 2013 gewesen.

Hohe Aufklärungsquote

Bei den Sexualdelikten liegt die Aufklärungsquote bei 89,3 Prozent. Die Zahl der erfassten Taten sank um 44 Prozent auf 103 - 2012 hatte es überregionale Ermittlungen wegen Kinderpornografie gegeben. Mit 37 Fällen missbrauchter Kinder sei die Zahl in etwa gleich hoch geblieben, berichtete Feist.

Feist und der Jugendkoordinator Dirk Virnich verwiesen auf den Wandel der Straftaten durch neue Medien. Ein neues Phänomen sei das „Sexting“, bei dem oft Mädchen freizügige Bilder von sich gutgläubig verschicken, vermeintliche Freunde verbreiten sie im Internet weiter - und machen sich oft strafbar. Die Polizei erhalte fast jeden Tag Anrufe, berichtet Feist. „Wir haben da ein Problem.“ Virnich setzt auf verstärkte Aufklärung, allein 2013 hat er 32 Vorträge an Schulen gehalten, dieses Jahr werden es deutlich mehr.

Bei „Rohheitsdelikten“ gab es einen Anstieg um 44 auf 761 Fälle. Darunter sind 561 Körperverletzungen. Aufklärungsquote: 92,2 Prozent. In Frankenberg sei die Zahl deutlich zurückgegangen, in Bad Arolsen gleich geblieben, in Korbach und Willingen sei sie gestiegen, berichtete Viernich. Problem: der Alkoholkonsum, der Täter enthemmt.

In Korbach und Frankenberg sei die Zahl der nächtlichen Vorfälle nach der umstrittenen Ausweitung der Sperrzeiten für Gastwirtschaften gesunken.

Auch die Fälle von häuslicher Gewalt seien deutlich zurückgegangen, erklärte Viernich - von 201 Taten 2010 auf 101 im Vorjahr. Betroffene - oft Frauen - zeigten Täter häufiger an, das schrecke so manch potenziellen Schläger ab. Außerdem schreite die Polizei frühzeitig ein.

An Raubdelikten haben die Beamten 44 Fälle registriert, ein Plus von 15,8 Prozent. Der in der Öffentlichkeit viel beachtete Handtaschenraub sei nur sechsmal vorgekommen, sagte Feist.

Die Straßenkriminalität beeinflusst das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung deutlich - da verweist die Polizei auf eine „rückläufige Tendenz“, auch wenn es im Vorjahr 58 Fälle mehr gab: insgesamt 1074. Das sei aber immer noch der zweitniedrigste Wert seit Jahren, sagte Feist. 607 dieser Taten entfielen auf Sachbeschädigung, etwa an parkenden Autos. Der kontinuierliche Rückgang der Taten gehe auf die Vorbeugung und auf die starke Präsenz der Polizei zurück - ob beim Skispringen in Willingen, bei Motorradtreffen oder bei großen Volksfesten.

Eine Drogentote

Die Zahl der Drogendelikte­ stieg um 22 auf 426 Fälle. Im Kreis sei in den Mittelzentren eine „flächendeckende Versorgung“ möglich, berichtete Feist. Allerdings habe die Polizei auch 15,8 Kilo Marihuana und Haschisch, 3,3 Kilo Canabis, 1,6 Kilo Amphetamine und 21 Gramm Heroin sichergestellt - die größte Menge seit zehn Jahren. Außerdem gab es mehr Verkehrskontrollen wegen Alkohol und anderer Drogen am Steuer. 139 Fahrer gingen ins Netz, „eine erschreckende Zahl“, kommentierte Feist. Im Oktober starb eine Frankenbergerin an einer Überdosis Heroin.

Auf Eigentumsdelikte entfalle rund 50 Prozent der Polizeiarbeit, erklärte Volker König. Die Zahl der Diebstähle sei um zwölf Prozent auf 2004 zurückgegangen, der niedrigste Wert sei zehn Jahren. Eine Zunahme gab es bei Diebstählen aus Autos - meist verleiten herumliegende Handtaschen oder Jacken Täter zum Zugriff. Oft handele es sich um Beschaffungskriminalität von Süchtigen, sagte Sauer. In 62 Fällen wurden Benzin oder Diesel abgezapft. Nur elf Autos wurden gestohlen, neun davon aus Autohäusern.

Bei Wohnungseinbrüchen sei die Zahl um 13 Prozent auf 109 gesunken, sagte König. In fast der Hälfte der Fälle blieb es beim Versuch - die Täter wurden gestört oder scheiterten an den Sicherungen, für König eine Folge der verstärkten Beratung. Zwei Drittel der Einbrüche ereigneten sich im Winter in den dunklen Abendstunden. Stark gesunken ist auch die Zahl der Einbrüche in Geschäfte.

Beim Betrug verlagert sich das Geschehen aufs Internet, 855 Fälle gab es. An politisch motivierten Straftaten sind 17 Delikte von Rechtsradikalen erfasst, sechs davon aus Frankenberg.

Die Polizei setzt auf Aufklärung und Beratung - die „Prävention“ gehöre seit Jahren zur „Kernarbeit“, betonte Hannapel. Sein Fazit: Waldeck-Frankenberg gehöre auch weiter zu den sichersten Kreisen Hessens. (sg)

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