Einrichtungen in Korbach, Arolsen und Wildungen sind für viele Menschen unverzichtbar

Wenn Tafeln die Weihnachtstische decken

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Ausgabe von Lebensmitteln: In Korbach hilft ein kurdisch und arabisch sprechender Helfer bei Sprachproblemen, die nicht selten auftauchen.

Waldeck-Frankenberg. Rund 1400 Menschen, darunter auch viele Kinder, versorgen die drei Tafeln in Korbach, Bad Arolsen und Bad Wildungen regelmäßig mit Nahrungsmitteln. Jeden Tag sind – natürlich ehrenamtlich – Fahrer in der Region unterwegs, um in Supermärkten, Bäckereien, Molkereien und anderen Betrieben Lebensmittel abzuholen.

An jeweils zwei Tagen in der Woche öffnen die Tafeln ihre Türen. Jeder volljährige Erwachsene zahlt für seine Lebensmittel einen symbolischen Euro. Doch bei aller Gemeinsamkeit im Grundsätzlichen, so unterscheiden sich die Tafeln in Größe, Organisation, Leitung und Gestaltung.

Fertige Kisten in Korbach

Jedes Mal ist etwas anderes drin in der Lebensmittelkiste, die Kurt Witt alle 14 Tage am Tresen derKorbacher Tafel in Empfang nimmt. Seit mehr als acht Jahren ist er arbeitslos, erwerbsunfähig und wartet nun auf die Rente. Er ist alleinstehend und seine Kiste deshalb nicht ganz voll. Würstchen, Salat, Brot, Käse, Reis, Kartoffeln, etwas Obst, Joghurt – Kurt Witt ist zufrieden: „Ich esse alles und was man hier kriegt ist immer in Ordnung. Es reicht doch hinten und vorne nicht. Ohne die Tafel geht bei mir nichts. Ich werde sie wohl immer brauchen.“

Für jeden Kunden wird in Korbach eine individuelle Kiste gepackt und vor der Ladenöffnung mit dem Namen des Kunden, der Anzahl der Kinder und der entsprechenden Berechtigungsnummer versehen. So werden Verwechslungen vermieden und die Kontrolle der Abholung erleichtert. Muslimische Kunden, das sind inzwischen etwa 70 Prozent, haben keine Wurst in der Kiste, dafür mehr Käse und Molkereiprodukte. „Wir haben eine Warteliste von einem Jahr“ bedauert Ursel Beisenherz „denn wir haben ja nicht unbegrenzt Lebensmittel zur Verfügung. Bei mehr als sechshundert Menschen gehen die so üppig aussehenden Vorräte schnell zu Ende“

Etwa eine halbe Stunde vor der Öffnungszeit warten schon die ersten Menschen vor der Tür und achten streng darauf dass niemand drängelt. Sie dürfen nur nacheinander in den Verkaufsraum, in dem nie mehr als vier Bezugsberechtigte und ihre Begleitung gleichzeitig sein sollten. „Das Durcheinander wäre sonst zu groß und wir hätten auch nicht mehr alles im Blick“, erklärt Ursel Beisenherz, die von Anfang an dabei ist und sich vor allem um die Organisation kümmert.

Kommunikation ist oft schwer

Im Verkaufsraum herrscht dennoch Hektik und Gedränge. Vor allem der Bereich am Eingang wird belagert. Hier stehen Waren, die nicht so recht in die Kisten passen. Heute sind vor allem Stoffpuppen und eine spezielle Sauce begehrt. „Bitte nur eine Puppe und eine Sauce für jede Familie nehmen“ muss eine Kundin mehrmals ermahnt werden.

Sie reagiert aber leider nicht. Erst als man in ihre Tasche schaut und die überzähligen Puppen heraus nimmt, scheint sie zu verstehen. „Wegen der verschiedenen Sprachen ist die Kommunikation oft nicht einfach. Dadurch treten leider häufig Probleme auf,“ sagt Ursel Beisenherz „Wir haben jetzt aber in unserem Team einen kurdisch und arabisch sprechenden Helfer und das hilft sehr.“

Der 35-jährige Ismail aus Afghanistan kann mit seinen Deutschkenntnissen das Nötigste alleine regeln. Seit zwei Jahren kauft er bei der Tafel für sich und seine sechsköpfige Familie ein. „Die Tafel ist gut. Die Kinder freuen sich immer, wenn ich mit den Taschen komme. Sie haben von der Tafel auch einen Adventskalender. Das ist gut, weil alle Kinder im Kindergarten einen haben. Sie kennen Weihnachten ja nicht.“ Für Ismail ist die Tafel auch ein Treffpunkt mit Freunden. Sie haben sich immer viel zu erzählen und halten sich mit Informationen auf dem neuesten Stand.

Der 35-jährige Ismail aus Afghanistan kauft seit zwei Jahren für seine inzwischen sechsköpfige Familie ein.

Kunden haben sich verändert

Während die Korbacher Tafel von einem Verein getragen wird und in der Hierarchie an die Vereinssatzung gebunden ist, ist die Bad Arolser Tafel eine Initiative der christlichen Gemeinden der Stadt und der umliegenden Orte. Pfarrer Uwe Hoos-Vermeil bleibt zwar gerne im Hintergrund, weiß aber über ‚seine’ Tafel genau Bescheid. Die Räume hier sind deutlich kleiner als in Korbach und Kisten gibt es auch keine. „Wir wollen, dass unsere Kunden selbst aussuchen, was sie brauchen oder was ihnen schmeckt. Wir wollen ihnen den Speiseplan der nächsten 14 Tage nicht vorschreiben. Für viele ist es schwer genug hierher zu kommen“, erklärt er. Ohne eine straffe Organisation aber würde keine Tafel funktionieren. 

Jedes Jahr überprüft er deshalb die Berechtigung und ordentliche Namenslisten werden mit Häkchen versehen, wenn der Kunde eingekauft hat. Manuela, die einmal Konfirmandin der Kirche war, erinnert sich noch gut an ihren ersten Besuch: „Das war schon merkwürdig, auch als ich den Pfarrer hier getroffen habe. Ich habe mich sehr unwohl gefühlt und genau aufgepasst, dass mich keiner sieht.“ Das war vor zwei Jahren, aber bis heute weiß, wie sie beteuert, im Umfeld der 25-Jährigen niemand, dass sie zur Tafel geht. Und bis heute ist es ihr unangenehm, dass sie es nicht alleine schafft für sich und den kleinen Sohn zu sorgen.

60 Bedürftige stehen auf der Warteliste

Träger der Wildunger Tafel ist der Verein „Bürgerhilfe Wir für uns“. Rund 50 ehrenamtlich Aktive geben unter der organisatorischen Leitung von Jürgen Hellwig seit mehr als zehn Jahren regelmäßig Warenkörbe an Bedürftige aus, unter denen etwa ein Fünftel Kinder sind. 2016 kamen nach Hellwigs Angaben so mehr als 80 Tonnen an Lebensmitteln für den guten Zweck zusammen. Unter dem Motto „Verteilen statt Vernichten“ schaffen sie einen Ausgleich zwischen dem Überschuss an nicht verkauften Lebensmitteln aus Geschäften der Region und der schwierigen Situation von Familien, die sich über eine Ergänzung ihrer Versorgung freuen. Aktuell stammen die Begünstigten aus der heimischen Region sowie aus Eritrea, Äthiopien, Somalia, Iran, Syrien, Pakistan, Kroatien, Staaten der früheren Sowjetunion und Italien. 60 Bedürftige stehen auf der Warteliste. Ab Januar stellt die Tafel ihren Ausgaberythmus von acht Tagen auf 14 Tage um.

Von Barbara Liese

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