Waldeck-Frankenberg

Einzigartige Handwerksgeschichte(n)

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- Waldeck-Frankenberg (nv). „Diese Chroniken sind das Gedächtnis des Handwerks in Waldeck-Frankenberg“: Chronist Klaus Westmeier zeichnet für zwei Aktenschränke voller Dokumente über die Kreishandwerkerschaft und ihre 13 Innungen verantwortlich. Fast täglich kommen neue Zeugnisse der Zeit hinzu.

Zahlreiche dicke Ordner und einige Fotoalben stapeln sich auf einem Tisch in der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg in Korbach. „Das ist aber längst nicht alles“, lächelt Abteilungsleiterin Silke Nagel. Im Archiv liege eine „einzigartige Sammlung“, die Vergangenheit und Gegenwart des heimischen Handwerks abbilde.

„Im Kammerbezirk Kassel ist diese einmalig und darauf sind wir stolz.“ Herr über Zeitungsausschnitte, Fotografien und andere bedeutende Schriftstücke ist Klaus Westmeier aus Hemfurth. 2001 hatte der Friseurmeister das Chronistenamt vom Elleringhäuser Malermeister Heinrich Göbel (†), Vater des heutigen Kreishandwerksmeisters Karl-Heinz Göbel, übernommen. Die Initiative zur Dokumentation geht allerdings auf den Korbacher Elektromeister Paul Müller zurück. Das 50-jährige Bestehen der Elektro-Innung Waldeck 1984 hatte Müller zum Anlass genommen, um sich mit der Historie des heimischen Handwerks zu beschäftigen. Müller starb 1987.

Seit Beginn der Aufzeichnungen haben die drei Chronisten laut Westmeier die ganze Bandbreite an Handwerksgeschichte(n) zusammengetragen: „Wirtschaftliche, gesellschaftliche und gesellige Anlässe“ fanden Eingang in die Chroniken. Von Wahlen und Gesellenfreisprechungen bis zur Studienfahrt nach St. Petersburg ist alles vertreten. Neben „allen Ereignissen der jüngeren Geschichte“ finden sich in den Bänden aber auch Unterlagen älteren Ursprungs, zum Beispiel Lehrverträge aus den 20-er Jahren sowie ein altes Fotoalbum der Friseurinnung Bad Wildungen mit Motiven eines Frisurenwettbewerbs. Das geschichtsträchtigste Dokument ist eine von Kaiser Karl VI. erlassene Handwerksordnung aus dem Jahr 1732. Wie viel Zeit er bislang in die Chroniken investiert hat, weiß der Edertaler nicht. Fast täglich telefoniert er mit der Geschäftsstelle in Korbach, um Material zu ergänzen. „Wir arbeiten gut zusammen“, verweist Westmeier zum Beispiel auf das Sammeln von Zeitungsartikeln, die er anschließend sorgfältig einklebt.

Wenn er an sein Werk denkt, hat Westmeier ein Foto direkt vor Augen: das Bild des Monats aus dem Januar 2006. Es zeigt den ehemaligen Lehrbauhofsleiter Gerhard Wolf mit einem selbst hergestellten Wanderstock. „Er war ein gestandener Handwerksmeister und für mich ein großes Vorbild.“ „Alles in allem spiegelt sich der hohe Stellenwert des Handwerks für die Gesellschaft in Waldeck-Frankenberg wider“, fasst Westmeier zusammen. „Und ein Stück weit auch die Geschichte des Landkreises“, ergänzt Thomas Müller, Sprecher der Kreishandwerkerschaft. Sowohl die Fusion der Kammern aus Korbach, Bad Wildungen und Frankenberg im Zuge der Gebietsreform Anfang der 70-er Jahre als auch die oft weitaus späteren Zusammenschlüsse der jeweiligen Innungen sind dokumentiert. Darüber hinaus liegen Daten von Innungen vor, die heute nicht mehr existieren. Dazu zählen zum Beispiel das Schuhmacher- und das Wagner-Handwerk.Weitere Informationen zur Kreishandwerkerschaft gibt es im Internet unter www.khkb.de.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Freitag, 30. September

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