Kubat und van der Horst standen Rede und Antwort

Landratswahl: Endspurt für zwei Polit-Profis beim Wahlforum von HNA und WLZ

Spannende Fragen und Diskussion: WLZ-Redaktionsleiter Thomas Kobbe (von links), Herausforderer Jürgen van der Horst, Amtsinhaber Dr. Reinhard Kubat sowie Redaktionsleiter Jörg Paulus (HNA Frankenberg).
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Spannende Fragen und Diskussion: WLZ-Redaktionsleiter Thomas Kobbe (von links), Herausforderer Jürgen van der Horst, Amtsinhaber Dr. Reinhard Kubat sowie Redaktionsleiter Jörg Paulus (HNA Frankenberg).

Der eine will an der Spitze des Landkreises bleiben, der andere ihn als Chef im Kreishaus ablösen: Beim gemeinsamen Wahlforum der Waldeckischen Landeszeitung und der HNA Frankenberger Allgemeine kämpften Landrat Dr. Reinhard Kubat (SPD) und Herausforderer Jürgen van der Horst (parteilos) im Endspurt zur Landratswahl am kommenden Sonntag noch einmal um Stimmen.

Waldeck-Frankenberg - Das Duell der sich duzenden Kandidaten fand am Mittwochabend vor 200 Zuhörern in der Korbacher Stadthalle statt – es war geprägt von sachlichen Diskussionen zweier Polit-Profis. Kubat, Kandidat der SPD, ist seit fast zwölf Jahren Landrat in Waldeck-Frankenberg, Jürgen van der Horst, der von Freien Wählern, Grünen und der FDP unterstützt wird, seit 13 Jahren Bürgermeister in Bad Arolsen. Es kam daher auf Nuancen an, in denen sie sich in der Sache grundlegend unterscheiden. Trotz vieler Übereinstimmungen bei den Zielen mit Blick auf die Weiterentwicklung des Landkreises waren an der ein oder anderen Stelle verschiedene Strategien erkennbar – und es kam zu angeregten Debatten.

Van der Horst betonte, dass es „nicht sein Ding ist, aufeinander herumzuhauen“. Darauf hinzuweisen, was im Landkreis falsch gelaufen sei, werde nicht seinen Wahlkampf bestimmen. Er wolle den Blick in die Zukunft richten. Oft legte er dar, wie er selbst die Kreisverwaltung steuern würde. Es sei wichtig festzustellen, wo mehr Personal nötig sei, um alle Aufgaben zu lösen. Was die Personalentwicklung beim Kreis angehe, sehe er noch „Luft nach oben“.

Nach dem Wilke-Skandal gefragt, führte van der Horst aus, dass es auch andere Bereiche gebe – zum Beispiel die Jugendhilfe, die Tierseuchenbekämpfung oder den Katastrophenschutz – in denen ein integriertes Personalentwicklungskonzept Schwachstellen aufdecken könnte.

Diese verdeckt geäußerte Kritik ließ Kubat nicht stehen. „Ich finde es extrem einfach, sich hinzustellen und Begriffe wie Prozess- oder Verwaltungssteuerung in den Raum zu werfen. Da ist ein Unglück passiert. Da macht es sich natürlich unheimlich gut zu sagen, es müssen Prozesse gesteuert werden“, so Kubat. Er könne auch etliche Beispiele nennen, bei denen die Kommunen nicht gut aufgestellt seien – etwa bei der Bau-Überwachung oder der Kläranlageninstandhaltung. „Da liegt auch viel im Argen – und wenn du meinst, du weißt, wo alles nachgesteuert werden muss, sind das Blendkerzen, die geworfen werden“, so Kubat.

Unterschiede deutlich gemacht 

„Ich trete an, um erneut zu gewinnen“, sagte Dr. Reinhard Kubat (SPD) im Laufe der Veranstaltung unmissverständlich. Der amtierende Landrat wurde von den Moderatoren des Wahlforums von WLZ und HNA gefragt, was er von der möglichen Überschrift „Van der Horst schlägt Kubat“ in der kommenden Montagsausgabe beider Zeitungen halten würde.

Mit einer Niederlage umzugehen, wäre für ihn nicht leicht, betonte Kubat. Er würde die Schlagzeile „Landrat Kubat lädt Jürgen van der Horst zur Bürgermeisterdienstversammlung ein“ in Zukunft daher lieber lesen, sagte er den Redaktionsleiten Thomas Kobbe (WLZ) und Jörg Paulus (HNA).

Was sie antreibt, um das Amts des Landrats in Waldeck-Frankenberg auszuüben, machten Dr. Reinhard Kubat (links) und Jürgen van der Horst beim Wahlforum von WLZ und HNA in der Stadthalle Korbach deutlich.

Der Arolser Verwaltungschef, der bei der Landratswahl gegen den Amtsinhaber antritt, wurde ebenfalls mit einer möglichen Schlagzeile konfrontiert: „Kubat bleibt Landrat.“ Dazu sagte Jürgen van der Horst: „Uns beiden ist bewusst, dass es einen zweiten Platz geben wird. Das gehört zum Geschäft dazu. Natürlich will ich gewinnen.“ Bei einer Niederlage würde die Welt für ihn aber nicht untergehen, die Zusammenarbeit mit dem Kreis werde ganz normal weitergeführt. „Das gehört sich auch so“, sagte der Arolser Bürgermeister.

Welche Bedeutung das Amt des Landrats für Dr. Reinhard Kubat hat, erfuhren die 200 Zuhörer bei der Vorstellungsrunde beider Kandidaten. „Ich stecke voller Leidenschaft für diesen Beruf“, sagte der 63-Jährige. Die von den Moderatoren geäußerte Einschätzung, Kubats Wahlkampf trage „Merkelsche Züge“ nach dem Motto „Weiter so“ und „ihr wisst, was ihr an mir habt“, teilte Kubat so gar nicht. „Mein Eindruck ist, dass das, was ich tue, gut für den Landkreis ist. Diesen Weg gehe ich konsequent weiter – zum Beispiel mit Investitionen in den Schulbau. Diesen Weg halte ich daher nicht für retro, sondern für absolut zeitgemäß.“

Er wolle die „solide Finanz- und Haushaltswirtschaft“ fortsetzen. „Ich weiß auch nicht, wie der alternative Weg dazu aussehen soll und warum ich etwas verändern sollte, wenn ich ein den Menschen zugewandter Landrat bin.“ Kubat betonte, dass er darin keine Merkel-Raute sehe. „In meiner Aufgabe sehe ich stattdessen die Notwendigkeit, zu handeln wie ein aktiver und agierender Landrat. Dahinter zu vermuten, dass wir lahmarschig daherkommen oder erschlaffen, weise ich komplett von mir.“

Jürgen van der Horst machte deutlich, dass er den Landkreis als „Konzern“ verstehe. Mit seiner langjährigen Verwaltungserfahrung, die er sich nicht nur als Bad Arolser Bürgermeister, sondern auch während seiner Zeit beim Landkreis angeeignet habe, bringe er viel mit, um die Kreisbehörde zu führen.

Ebenso wie der Amtsinhaber sei er in allen entscheidenden Themenfeldern unterwegs – sein Programm für die Zukunft des Landkreises unterscheide sich in einigen Punkten aber von dem des Amtsinhabers. „Ich mache den Wählerinnen und Wählern ein Angebot – der Blick geht hierbei nach vorne.“ Van der Horst machte mehrfach deutlich, dass er für eine „dienstleistungsorientierte und moderne Verwaltung“ stehe. Eine sachorientierte Politik sei mit Blick auf die vielfältigen Aufgaben, die es zu lösen gilt, entscheidend. Auf die Frage, ob er sich in Bad Arolsen nicht mehr wohlfühle, sagte der 54-Jährige: „Doch, aber auch das Amt des Landrats hat seinen Reiz.“ Es gebe Unterschiede zwischen dem Amtsinhaber und ihm bei der Frage, wie eine Verwaltung gesteuert und gemanagt werde. „Eine andere Personalsteuerung sorgt dafür, dass mehr bewegt werden kann“, so van der Horst.

Viele Vertreter der gewerblichen Wirtschaft hätten in Gesprächen mit ihm außerdem deutlich gemacht, dass man den Landkreis bei solchen Gesprächen ebenfalls häufiger erwarten würde.

Folgen der Corona-Pandemie bewältigen

„Der Landkreis muss sich nun vor allem mit den Zukunftsaufgaben beschäftigen“, sagte Jürgen van der Horst, als sich die Diskussion um die Corona-Pandemie drehte. Die Unternehmen, die durch die Krise gekommen seien, hätten jetzt allerdings kaum noch Personal – dies betreffe in erster Linie Hotellerie und Gastronomie. „Über den Landkreis müssen deshalb entsprechende Bildungsangebote in den Fokus gerückt werden – auch, um das Thema Ausbildung wieder stärker zu bewerben. Da kann der Landkreis Flankenschutz bieten. Er kann die Unternehmen fördern im Rahmen des Business-Marketing“, so van der Horst. Fördergeld könne der Kreis aber nicht bereitstellen.

Schon gewählt?: Am Ende des Wahlforums wurde danach gefragt, wer seine Entscheidung bereits getroffen hat.

Reinhard Kubat sagte, dass das wirtschaftliche Leben im Kreis „vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen ist“. Viele Unternehmen starteten wieder durch. „Die Arbeitslosigkeit hat zudem wieder den niedrigen Wert von 3,9 Prozent erreicht – wie vor der Pandemie 2019“, so Kubat, der aber davon ausgeht, dass das Handwerk große Probleme bekommen werde. „Die gewerbliche Wirtschaft und die Industrie ziehen wieder voll an und saugen den Arbeitsmarkt leer. Sie werden als erstes im Handwerk fischen.“

Wie der Landkreis dies verhindern könne, darüber mache man sich aktuell Gedanken. „Das ist eine schwierige Situation. Im Moment müssen wir vor allem bei den Jugendlichen dafür werben, eine duale Ausbildung zu machen, damit uns im Handwerk nicht so viel verlorengeht“, sagte Kubat.

Debatte um die „Schule der Zukunft“ 

Vor allem gegen Ende des Wahlforums nutzen einige Zuhörer die Möglichkeit, um den Landratskandidaten Fragen zu stellen. Darunter war Susanne Günther, Stadträtin in Waldeck und stellvertretende Kreisvorsitzende der FDP. Sie erinnerte an den Schulneubau in Sachsenhausen und die damit verbundene Errichtung des Schulzentrums „An der Warte“. In der früheren MPS gebe es Toiletten, die museumsreif seien. „Wie geht es dort mit dem Schulbau weiter?“, fragte Günther.

„Wir nehmen jedes Jahr auch Geld für die Sanierung und Ertüchtigung der MPS Sachsenhausen in die Hand. Die Schule hat eine gute Zukunft“, sagte Reinhard Kubat. Der Landkreis werde zudem Ende nächsten Monats „einen sehr intensiven Blick auf die gesamte Schullandschaft werfen“. Hierbei werde auch eine Priorisierung stattfinden, mit dem Ziel, festzulegen, wo und wann welche Arbeiten erledigt werden. „Die Botschaft ist außerdem, dass keine der kleinen Grundschulen im Kreis gefährdet ist.“

Susanne Günther aus Waldeck

Kubats Herausforderer Jürgen van der Horst nahm dies zum Anlass, um auf die Unterschiede hinzuweisen, die es aus seiner Sicht mit Blick auf die Schulpolitik zwischen ihm und dem Amtsinhaber gebe. Er verwies dabei auf den internationalen Bildungsvergleich, bei dem Deutschland schlecht abschneide. „Warum ist das so?“, fragte van der Horst und beantwortete die Frage direkt selbst: „Die Schule der Zukunft sieht eben anders aus, als wir das in Deutschland seit vielen Jahren machen.“ Die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler müsse künftig mehr im Mittelpunkt stehen. „Vielleicht lernt man dann auch in Kleingruppen oder alleine. Die Schule sieht dadurch viel flexibler aus – der klassische Klassenraum spielt nur noch eine nachhaltige Rolle“, so van der Horst. Der Lehrer werde nicht länger den klassischen Frontalunterricht halten, sondern individueller auf die Schüler eingehen. „Wir brauchen daher eine völlig andere Schule – auch mit mehr digitaler Ausstattung. Die Schule der Zukunft haben wir in dieser Form noch nicht im Landkreis, diesem Diskurs müssen wir uns aber stellen. Denn dort werden die Zukunftsfragen für die jungen Leute gestellt und beantwortet.“

Dazu entgegnete Landrat Kubat: „Wir bauen Schulen nach den modernsten Konzepten mit offenen Lernlandschaften, die jetzt schon beim Neubau und der Sanierung der Beruflichen Schulen in Korbach zu erkennen sind. Differenzierungsräume, Flexibilität – das ist bei uns Standard.“ Der Kreis sei beim Schulbau längst anders aufgestellt – man habe sich „total vom Frontalunterricht verabschiedet“.

Friederike Becker aus Twistetal

Friederike Becker hatte dagegen Zweifel, dass genug in die Schulen investiert werde. Die Lehrerin von der Gesamtschule Edertal, die auch für die FDP im Twistetaler Gemeindevorstand sitzt, sagte: „Wir haben bei uns an der Schule noch Nachtspeicheröfen und müssen regelmäßig die Kanalisation spülen, weil der Geruch sonst nicht zu ertragen ist.“ Dazu sagte Kubat: „Wir haben die Gesamtschule Edertal voll im Visier. Vor 14 Tagen haben wir diese besucht. Mit der Schulleitung haben wir unter anderem über die Nachtspeicheröfen gesprochen. Wir werden Mittel bereitstellen, um jetzt in die Planung einzusteigen. Das ist aber – mit Verlaub – eine Riesensanierung, die wir da vor der Brust haben.“

Zitate der Kandidaten

„Die Flutkatastrophe hat uns gelehrt, dass wir für kleine Gewässer eine Neubewertung vornehmen müssen – und darauf gegebenenfalls auch die Bauleitplanung ausrichten. Wir müssen schauen, wo Überschwemmungsgebiete liegen. Wir werden uns im Katastrophenschutz neu organisieren, sind aber auf der anderen Seite an vielen Stellen auch sehr gut organisiert und handlungsfähig. Wir sind gut, wollen aber noch besser werden.“ Reinhard Kubat (SPD).

„Wir müssen beim Katastrophenschutz großräumiger denken, das Wasser fließt auch über Kreisgrenzen hinaus. Es geht auch um Retentionsflächen. An Kanäle und Regenrückhaltebecken zu denken, reicht nicht aus. Die Kommunen müssen Simulationsrechnungen erstellen, um zu sehen, wohin sich das Wasser bei Überschwemmungen bewegt. Es müssen Ingenieurbüros beauftragt werden, um das besser herauszuarbeiten.“ Jürgen van der Horst (parteilos).

Wir brauchen bei der Elektromobilität mit Blick auf die Lademöglichkeiten eine Kombination aus beidem. Das, was in der Garage vorgehalten wird, und das, was in den öffentlichen Räumen steht – und zwar an strategisch gut gelegenen Punkten. Das kann am Schwimmbad sein, an der Sporthalle oder am Einkaufszentrum – also an Stellen, die für alle erreichbar sind. Reinhard Kubat (SPD).

„Die Musik bei der Elektromobilität geht dorthin, dass man sich daheim eine geförderte Wallbox installiert, um sein E-Auto selbst zu laden. Das ist bequemer und günstiger, denn an Ladestationen in der Fläche muss ein Aufschlag gezahlt werden. Aus touristischer Sicht müssen Ladestationen im Kreis vorhanden sein. Doch wir brauchen keine 1000 Ladestationen an verschiedenen Orten, sondern bei den Menschen in der Garage.“ Jürgen van der Horst (parteilos).

„Wir brauchen einen Mix – also Gesundheitszentren, aber auch den Arzt als Unternehmer, der wiederum als Arbeitgeber Teilzeitmodelle für Kollegen anbietet.“ Jürgen van der Horst (parteilos).

„Wir waren ja Vorreiter. Gerade aus der Erkenntnis heraus, dass sich die Ärzteschaft verändert, bauen wir jetzt das Gesundheitszentrum in Battenberg.“ Reinhard Kubat (SPD).

Bilder unseres Wahlforums zur Landratswahl

Wahlforum zur Landratswahl 2021 in der Korbacher Stadthalle mit WLZ-Redaktionsleiter Thomas Kobbe, Kandidat Jürgen van der Horst, Kandidat und Amtsinhaber Dr. Reinhard Kubat und Redaktionsleiter Jörg Paulus (HNA Frankenberger Allgemeine) Foto: Rösner, Stefanie
Wahlforum zur Landratswahl 2021 in der Korbacher Stadthalle mit WLZ-Redaktionsleiter Thomas Kobbe, Kandidat Jürgen van der Horst, Kandidat und Amtsinhaber Dr. Reinhard Kubat und Redaktionsleiter Jörg Paulus (HNA Frankenberger Allgemeine) Foto: Rösner, Stefanie
Wahlforum zur Landratswahl 2021 in der Korbacher Stadthalle mit WLZ-Redaktionsleiter Thomas Kobbe, Kandidat Jürgen van der Horst, Kandidat und Amtsinhaber Dr. Reinhard Kubat und Redaktionsleiter Jörg Paulus (HNA Frankenberger Allgemeine) Foto: Rösner, Stefanie
Wahlforum zur Landratswahl 2021 in der Korbacher Stadthalle mit WLZ-Redaktionsleiter Thomas Kobbe, Kandidat Jürgen van der Horst, Kandidat und Amtsinhaber Dr. Reinhard Kubat und Redaktionsleiter Jörg Paulus (HNA Frankenberger Allgemeine) Foto: Rösner, Stefanie
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