Corona-Lockdown bis 28. März verlängert

Erste leichte Lockerungen: Zurückhaltende Reaktionen in Waldeck-Frankenberg

Ein Kellner trägt ein Tablett zu Gästen, die auf der Terasse eines Restaurants sitzen
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Ab einer Inzidenz von unter 50 kann ab 22. März auch die Außengastronomie wieder geöffnet werden.

Hessen wagt ab Montag weitere vorsichtige Öffnungsschritte des Corona-Lockdowns. Unter anderem sollen die Beschränkungen bei privaten Kontakten etwas gelockert werden.

Wiesbaden/Waldeck-Frankenberg – Unter strengen Vorgaben und mit einem persönlichen Termin darf man wieder in einem Geschäft einkaufen. Für Kinder unter 14 Jahren wird Sport im Freien erleichtert, und auch Besuche in Zoo oder Museum sind wieder möglich. Grundsätzlich wird der Lockdown angesichts weiter hoher Infektionszahlen bis zum 28. März verlängert.

„Worauf wir uns vonseiten der Länder in den langen Verhandlungen mit dem Bund verständigt haben, ist ein Kompromiss“, erklärte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts. „Denn wir müssen weiterhin vorsichtig sein, um das Erreichte nicht zu gefährden.“

Ab Montag hat jeder Bürger Anspruch auf einen kostenlosen Schnelltest pro Woche – unabhängig von möglichen Covid-19-Symptomen. Der Test ist nach den Worten von Bouffier etwa beim Arzt, in der Apotheke oder im Testzentrum möglich.

„Es ist positiv, dass es zumindest mal einen Plan für die Außengastronomie gibt“, sagt Jürgen Figge, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg, mit Blick auf die Lockerungen für das Hotel- und Gastrogewerbe. Ab 22. März soll die Außengastronomie wieder geöffnet werden können, wenn die Inzidenz unter 50 liegt. Figge bezeichnet dies aber ebenso wie der Dehoga-Landesverband als „kleinen Erfolg“.

Zu den Änderungen im Einzelhandel sagte Harald Henkel, Geschäftsführer des Ideenfachgeschäfts Henkel in Korbach, dass er die neue Regelung des „Click and Meet“ gerne mitnehme. „Es ist wichtig, dass Kunden nach Voranmeldung wieder kommen dürfen. Der Verkauf lebt davon, dass Ware gezeigt wird.“ Allerdings gingen die Lockerungen nicht weit genug. „In jeder Drogerie ist die Frequenz höher als bei uns oder in anderen Läden in der Fußgängerzone. In den Bau- und Gartenmärkten wird es bald auch sehr voll. Dass nicht auch wir unter Einhaltung der Hygienevorschriften komplett öffnen dürfen, verstehe ich nicht.“

Harald Henkel

Vorfreude, aber auch Skepsis

Das sind weitere Reaktionen aus Waldeck-Frankenberg nach der Verlängerung des Lockdowns und der Bekanntgabe einiger Lockerungen:

Gastronomie

Auch wenn ab 22. März ab einer Inzidenz von unter 50 die Außengastronomie wieder geöffnet werden darf, bleibt die Situation für die Hotellerie, die Innengastronomie sowie für das Geschäft draußen, wenn es regnet, problematisch. Darauf weist der Dehoga-Landesverband hin. Die Branche leide an Versäumnissen der Politik beim Impfen und bei Schnelltests. Letztere könnten immerhin Hochzeiten, Feiern und Veranstaltungen wieder möglich machen.

„Inwiefern sie das Geschäft mit normalen Restaurant-Besuchen beleben könnten, ist eine andere Frage“, sagt Jürgen Figge, Vorsitzender des Dehoga-Kreisverbandes Waldeck-Frankenberg. Er ruft ebenso wie Hauptgeschäftsführer Julius Wagner vom Dehoga-Landesverband dazu auf, die Schutzkonzepte, Hygiene-Maßnahmen und Schulungen des Personals in der Branche bei der Bewertung der Maßnahmen nicht zu ignorieren – und erinnert daran, dass die Hotel- und Gastronomie-Branche laut RKI eben kein Treiber der Pandemie sei. Er weist auch auf eine technische Verbesserung gegenüber dem Vorjahr hin: Apps wie „Luca“ sollen in der Kontaktverfolgung etwa bei Restaurant-Besuchen eingesetzt werden und somit die „Zettelwirtschaft“ ersetzen, die manche Kunden mit dem Eintragen falscher Namen ausnutzten.

Bau- und Gartenmärkte

„Wir stehen in den Startlöchern und freuen uns, dass wir ab Montag wieder öffnen dürfen“, sagt Elke Rost vom Obi-Baumarkt in Korbach. Mit abgezählten Einkaufswagen und -körben werde man die Hygienevorschriften einhalten. Die Mitarbeiter würden zudem ebenfalls darauf achten, dass nicht zu viele Menschen zur gleichen Zeit im Markt seien.

„Ein Kunde pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche, das ist die Regel“, sagt Elke Rost. Sie geht davon aus, dass in den kommenden Wochen im Zuge steigender Temperaturen vor allem im Gartencenter viel Frequenz sein werde. „Wir werden den Kundenstrom mit einer Einbahnstraßenregelung lenken“, sagt die Marktleiterin.

Hausarzt

Begrüßt hat der Frankenberger Hausarzt Stephan Eisfeld die Ankündigung, dass „spätestens Anfang April“ auch Hausärzte ihre Patienten gegen Corona impfen dürfen. „Wenn die Freigabe kommt, sind wir dabei“, sagte Eisfeld. „Ich denke, die Hausärztinnen und Hausärzte werden dann zeigen, wie man effektiv und patientennah arbeiten kann. Auch der Korbacher Hausarzt Dr. Peter Koswig hatte sich bereits im Januar dafür ausgesprochen, dass Hausärzte die ihnen bestens bekannten Patienten impfen dürfen.

Buchhandlung

„Wir freuen uns natürlich irre“, sagt Inge Jakobi von der gleichnamigen Buchhandlung in der Frankenberger Fußgängerzone zu den Lockerungen. Sie habe bereits Klebebänder als Wegweiser hingeklebt und dürfe nach den Vorgaben höchstens 15 Kunden in den Laden lassen. „Diese magische Zahl steht auch schon an der Türe“, sagt Jakobi. Die Verbreitung des Virus hängt ihrer Meinung nach nicht vom Einzelhandel ab, deswegen wünscht sie sich, dass auch der übrige Einzelhandel bald wieder öffnen darf.

wf/dau/off/bs mit dpa

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