4248 Waldeck-Frankenberger sind im Juni arbeitslos

Erstes Ziel: Stammbelegschaft sichern

Waldeck - Frankenberg - „Der Arbeitsmarkt ist wie das Wetter. Es ist warm, aber bedeckt“, berichtet Uwe Kemper, Leiter der Korbacher Arbeitsagentur am Donnerstag mit Blick auf die Juni-Statistik. Mit 5,0 Prozent ist die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Mai zwar unverändert, aber die Dynamik am Markt lässt nach.

4248 Arbeitslose zählt die Agentur im Juni. Trotz unveränderter Quote verbuchen die Experten damit einen leichten Anstieg gegenüber dem Vormonat (plus 45 Personen, 1,1 Prozent) und dem Vorjahresmonat (plus 173, 4,2 Prozent). Die Quote hatte im Juni 2011 bei 4,8 Prozent gelegen.

„Weil wir vom Global Player bis zum Kleinstbetrieb alles haben, stehen wir solide dar und konnten die Schwankungen an den Weltmärkten relativ gut abfangen“, betont Kemper. Die Zeit, in denen die Auftragsbücher so gut gefüllt waren, dass zusätzliches Personal gebraucht wurde, seien aber vorbei. „Es geht inzwischen eher darum, die Stammbelegschaft zu sichern, womit sich die Chancen für Langzeitarbeitslose deutlich reduzieren.“ Zeitarbeit sei für sie immer ein gutes Sprungbrett gewesen.

Weniger Ausbildungsstellen

Die geringere Nachfrage nach Arbeitskräften zeigt sich auch an der Zahl offener Stellen: Der Stellenbestand liegt mit 849 zwar nach wie vor hoch, aber der Stellenzugang stockt erstmals. Wie schon im Mai gibt es aktuell 428 neue Jobangebote. Im Juni 2011 waren noch 497 neue Arbeitsplätze gemeldet worden.

„Ein wenig Sorge bereitet mir, dass die Zahl der Ausbildungsstellen sinkt“, hebt Kemper hervor. 1298 Stellen meldeten Betriebe der Agentur seit Beginn des Berichtsjahres 2011/2012. Das entspricht einem Minus von 55 (4,1 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels könnte sich der Fachkräftemangel laut Kemper noch verschärfen. Die Tendenz erklärt er mit den veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. „Diese Entwicklung ist schade, weil das Qualifikationsniveau deutliche gestiegen ist.“ Viele angehende Auszubildende verfügten über Fachhochschulreife.

Mit Blick auf Jugendliche und junge Leute ergänzt Kemper, dass es im Juni saisontypisch mehr Arbeitslose gebe. Gestiegen sei die Arbeitslosenzahl ebenfalls bei älteren Erwerbslosen und Frauen. „Bei unseren 48 Zugängen handelt es sich nur um Frauen“, verdeutlicht Reinhold Lohmar, Geschäftsführer des Jobcenters Waldeck-Frankenberg. Sein Team betreut den Rechtskreis SGB II (Hartz IV).

Schlecker-Frauen fördern

Bestmögliche Unterstützung versprechen Kemper und Lohmar den rund 70 ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen im Kreis: „Sie sind sehr gut qualifiziert und viele waren langjährige Beschäftigte“, berichtet Kemper. Drei Frauen seien weitervermittelt. „Das ist ein Prozess.“

„Die Schere zwischen den Rechtskreisen geht weiter auseinander“, fügt Kemper hinzu. „Viele Waldeck-Frankenberger kommen unmittelbar im Rechtskreis SGB II an.“ In Zahlen: 35,5 Prozent aller Arbeitslosen werden von der Arbeitsagentur betreut (SGB III).Das entspricht im Juni 1506 Personen (Mai 2012: 1509, Juni 2011: 1508). Das Jobcenter zeichnet für 64,5 Prozent der Arbeitslosen (Juni 2012: 2742, Mai 2012: 2694, Juni 2011: 2567) verantwortlich. Zu ihnen zählen auch die Aufstocker. Lohmar: „Die Zahl der Erwerbsfähigen, die Leistungen beziehen, steigt.“ Um Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel entgegen zu wirken, zeigen Kemper und Lohmar verschiedene Wege auf.

Hintergrund

Lernen schützt vor Arbeitsplatzverlust

Im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel in Waldeck-Frankenberg raten Arbeitsagenturchef Uwe Kemper und Jobcenter-Geschäftsführer Reinhold Lohmar dazu, folgende Wege zu beschreiten:

Arbeitslosigkeit: Lebenslanges Lernen ist aus Sicht der Experten der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Insbesondere Langzeitarbeitslose – häufig handelt es sich um ältere Bewerber – sollten die Chance auf eine „nachhaltige Qualifizierung“ nutzen, auch wenn sie dazu laut Kemper manchmal einen langen Atem brauchen, weil sich Anforderungsprofile verändert haben. Als ein Beispiel nennt der Agenturchef die Sparte der Gas- und Wasserinstallateure und ergänzt: „Ohnehin müssen die Leute wieder mehr bereit sein, ins Handwerk zu gehen.“.

Fachkräftemangel : Bei Bedarf werden Arbeitskräfte künftig auch über Kreis, Landes- und Bundesgrenze hinaus akquiriert. Laut Kemper erarbeitet eine Lenkungsgruppe unter Regie des Landrats derzeit ein Konzept aus, um Waldeck-Frankenberger im Kreis zu halten und Fachkräfte von außerhalb anzuwerben. Im Zentrum stehe, eine Willkommenskultur zu etablieren. Beispielsweise sollen Ehepartner der angeworbenen Kräfte unterstützt werden. Betrieben empfiehlt der Agenturchef, sich vom „Jugendwahn“ zu verabschieden und in einer alternden Gesellschaft auch auf ältere Arbeitnehmer zu setzen. (nv)

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