Waldeck-Frankenberg

Erzieher muss drei Jahre ins Gefängnis

- Waldeck-Frankenberg (resa). „Wir glauben der Zeugin“: Das Landgericht Kassel verurteilte den Erzieher einer Behindertenwerkstatt aus Waldeck-Frankenberg am Freitagnachmittag zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und vier Monaten.

Ausdruckslos nahm der 61-jährige Mann aus Waldeck-Frankenberg das Urteil der fünften Strafkammer entgegen. Bis zum Ende hatte er beteuert, es habe sich bei den Vorfällen im Sommer 2008 nicht um Vergewaltigung, sondern um eine einvernehmliche Affäre gehandelt (wir berichteten). Das Gericht sah das anders: „Wir glauben den Ausführungen der Zeugin“, betonte Richter Jürgen Stanoschek in seiner Urteilsverkündung und kam den Forderungen der Staatsanwaltschaft nach. Der 61-jährige Erzieher muss nun wegen Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs einer Schutzbefohlenen für drei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Die junge Frau im Rollstuhl nahm das Urteil weinend zur Kenntnis und flüchtete sich in die Arme ihres Lebensgefährten. Damit endet für die 21-Jährige vorerst ein Martyrium, das bereits 2007 begann. Damals schickte der Erzieher einer Behindertenwerkstatt seiner Mitarbeiterin unzählige SMS und drängte sie zu einem Treffen unter vier Augen. Die junge Frau, die körperlich und geistig behindert ist, wandte sich an die Einrichtungsleitung. „Das war ein Hilfeschrei“, befand die Staatsanwältin und zeigte sich ebenso wie Richter Jürgen Stanoschek erschüttert über die Reaktion. Damals war weder eine Abmahnung ausgesprochen, noch eine Versetzung veranlasst worden. „In dieser Situation hat das Heim unprofessionell und fehlerhaft reagiert“, rügte das Gericht. Dem Missbrauch hätte durch ein engagiertes Eingreifen der Werkstattleitung vorgebeugt werden können. „Die behinderten Menschen müssen sich doch darauf verlassen können, dass sie im Zweifelsfall unterstützt werden“, so der Richter. Deshalb sei es verständlich, dass sich die 21-Jährige später nicht mehr an die Erzieher in der Behindertenwerkstatt gewandt habe.

Mehr dazu lesen Sie in der Waldeckischen Landeszeitung und der Frankenberger Zeitung von Samstag, 27. Februar 2010.

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