Dehoga: Bislang kaum November-Hilfen

Existenznot trifft Gastgewerbe in Waldeck-Frankenberg

03.11.2020, Niedersachsen, Hannover: Gestapelte Stühle stehen in einem geschlossenen Restaurant in der Innenstadt auf den Tischen, fotografiert durch eine Fensterscheibe. Bund und Länder haben einen Teil-Lockdown beschlossen. Restaurants, Bars und Kneipen müssen geschlossen bleiben. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit
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Im dritten Monat ohne Gäste spitzt sich die Situation für das Gastgewerbe zu.

Der dritte Monat im Lockdown läuft und die Hilfen haben bislang kaum jemanden erreicht. Der Hotel- und Gaststättenverband schlägt Alarm.

  • Das Gastgewerbe befindet sich bereit seit November im Lockdown.
  • Die damals versprochenen November-Hilfen haben die wenigsten erhalten, erklärt der Dehoga.
  • Viele Betriebe hielten keine zwei Wochen mehr durch, warnt der Verband.

Waldeck-Frankenberg – Mit der Verlängerung des Lockdowns bleibt die Hotel- und Gaststättenbranche drei volle Monate geschlossen – mindestens. Die Stimmung sei katastrophal, berichtet Jürgen Figge, Vorsitzender des Dehoga Waldeck-Frankenberg – zumal bislang kaum ein Betrieb die vor dem „Lockdown light“ versprochene November-Hilfen erhalten habe, die 75 Prozent des Vorjahresumsatzes erstatten soll.

Ministerpräsident Volker Bouffier verkündete, dass der Bund sie ab dem 10. Januar auszahlen werde, möglichst in diesem Monat auch die Dezemberhilfen. Aus Sicht des Dehoga höchste Zeit: Kosten für Strom, Pacht und Heizung laufen schließlich weiter. Eine vollständige Auszahlung der Hilfen sei jetzt dringend geboten, „sonst halten die Betriebe keine zwei Wochen mehr durch“, erklärte Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer des Dehoga Hessen, der Deutschen Presseagentur. Dieser Einschätzung schließt sich Jürgen Figge auch für Waldeck-Frankenberg an: „Viele Betriebe sind am Limit, am Rande ihrer Existenz“.

Existenzen im Gastgewerbe gefährdet

Noch wisse er nichts von Pleiten in der Region, aber wenn die derzeitige Aussetzung des Insolvenzrechts ausläuft, würde sich das bei aktueller Lage ändern. Die Banken gingen bislang nachsichtig mit den Betrieben um – die Frage sei, wie lange noch.

Je nachdem, wie die Steuerberater vorgingen, haben einzelne Betriebe schon Hilfen erhalten, die Mehrheit aber nicht. Figge macht darauf aufmerksam, dass von den 75 Prozent des Vorjahres-Umsatzes noch Abzüge abgehen. Auch wenn die Auszahlungen dieser Tage beginnen: Wer wann wie viel kriegt, sei noch unklar.

Ob für die Bewältigung des Lockdowns in diesem Jahr zugesagten Hilfen ausreichen, lasse sich kaum sagen. Diese sollen sich rein an den Fixkosten orientieren. Haupt-Kritikpunkt ist aber erst einmal die lange hinausgezögerte Auszahlung der Novemberhilfen: „Wenn man schon sagt, es gibt Hilfen für den Lockdown, sollte man erwarten, dass sie auch zeitnah kommen“, sagt Figge.

Mitarbeiter in Hotellerie und Gastronomie in schwieriger Lage

Auch auf die schwierige Situation der Mitarbeiter in der Hotel- und Gaststätten-Branche weist Jürgen Figge hin: Durch das Kurzarbeitergeld würden zwar Kündigungen vermieden, aber durch die Lohnstrukturen sei die Situation für sie unvorteilhaft: Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge sowie Trinkgelder machen einen großen Teil der Einnahmen aus, das Kurzarbeitergeld richtet sich aber am Brutto ohne diese aus. Dementsprechend wenig Geld komme nun bei ihnen an.

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