Region büßt Tempo bei Energiewende ein

Experten warnen: Andere Standorte laufen Nordhessen bei der Energiewende den Rang ab

+
Photovoltaikanlagen: Beim Ausbau der Sonnenenergie hat die Region Nordhessen an Tempo verloren. Experten sprechen von einem "dramatischen Markteinbruch". Foto: dpa

Waldeck-Frankenberg. Nordhessen gilt als ein Vorreiter für die Entwicklung Erneuerbarer Energien. Bei Wind- und Wasserkraft sowie Sonnen- und Bioenergie haben die Stadt Kassel und die fünf Landkreise nun aber an Tempo verloren. Die Ausbauziele sind in Gefahr.

Vor allem die Photovoltaik bereitet Sorgen. Andere Regionen (etwa Osnabrück) hätten inzwischen überholt, warnt die cdw-Stiftung. „Die Energiewende ist kein Selbstläufer. Wir dürfen uns nicht ausruhen“, meint Geschäftsführer Volker Wasgindt.

Die Stiftung mit Sitz in Kassel, die von den Gründern des Solartechnikherstellers SMA errichtet wurde, untersucht seit 2011 den Fortschritt der Energiewende. Nach der jetzt vorgelegten Bilanz 2015 erzeugten die Erneuerbaren Energien in Nordhessen 1,7 Millionen Megawattstunden (MWh) Strom, 200 000 mehr als im Vorjahr. Der Anteil am Stromverbrauch stieg auf 42 Prozent (2014: 37 Prozent).

Der Zuwachs sei vor allem auf Windkraft- und Bioenergieanlagen zurückzuführen, erklärt Wasgindt. Bei der Solarenergie sei hingegen „ein drastischer Markteinbruch“ erkennbar. Ende 2015 gab es in Nordhessen insgesamt 34 046 Photovoltaikanlagen, 35 weniger als im Vorjahr. Die installierte Leistung ging von 636 auf 626 Megawatt zurück.

Die Sonnenenergie sei aber gerade für die Stadt Kassel, in der keine Windkraftanlagen möglich seien, von besonderer Bedeutung. Zudem steuere die Photovoltaik mit fast 100 Millionen Euro den höchsten Anteil der Erneuerbaren Energien an der regionalen Wertschöpfung bei.

Nach Angaben der Stiftung erzielt Nordhessen jährlich über 122 Millionen Euro an Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien. Um noch vor dem Jahr 2050 das Ziel „100 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien“ zu erreichen, müsse der Ausbau mutig fortgesetzt werden. Entscheidend dafür sei das Engagement der Kreise, Städte und Gemeinden. 

Von Andreas Hermann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare